Am 30. September 1965 kam es in Indonesien zu einem konterrevolutionären Militärputsch gegen den antikolonialen Staatsführer Sukarno. Darauf folgte ein unbeschreiblicher Massenmord an Anhänger:innen der indonesischen kommunistischen Partei. Die „Jakarta Methode” ist bis heute ein Musterbeispiel für imperialistische Machtsicherung im Kalten Krieg. – Ein Kommentar von Ali Najjar.
Indonesien galt in den 1960er Jahren als ein Schlüsselstaat der sogenannten “Dritten Welt”. Sukarno, der charismatische Führer der indonesischen Unabhängigkeitsbewegung und erster Staatspräsident des unabhängigen Indonesiens, verfolgte eine eigenständige, blockfreie Außenpolitik und positionierte sich lautstark gegen Kolonialismus und Expansionsbestrebungen des westlichen Imperialismus.
Sukarnos politische Linie gewann weit über Indonesien hinaus an Einfluss: Unter seiner Führung wurde 1955 die Bandung-Konferenz ausgerichtet, auf der 29 asiatisch-afrikanische Länder Prinzipien anti-kolonialer Zusammenarbeit formulierten – ein Schritt hin zur Bewegung der Blockfreien Staaten (Non-Aligned Movement, NAM). Diese Formierung ist auch der Ursprung des Begriffs “Dritte Welt”, der ursprünglich eine selbstbewusste und hoffnungsvolle Konnotation hatte. Sukarno selbst war kein Kommunist, doch als Anti-Imperialist und verfolgte er einen Kurs, der westliche Wirtschaftsinteressen herausforderte.
Im Inneren Indonesiens balancierte Sukarno geschickt verschiedene Kräfte aus: Die Armee, islamische Gruppen und die Kommunistische Partei Indonesiens (PKI) – letztere war mit etwa 3,5 Millionen Mitgliedern zur drittgrößten kommunistischen Partei der Welt angewachsen. Sukarno gestattete der PKI einen gewissen politischen Einfluss über ihre großen sozialen Massenorganisationen, während er gleichzeitig islamisch-konservative und militärische Fraktionen in die Herrschaft einband. Diese Politik spiegelte sich auch in der Positionierung Indonesiens während des Kalten Krieges wider, sie war weder eindeutig pro-amerikanisch noch sowjetisch. Sukarno wurde deshalb in Washington zunehmend unbeliebt.
Der Militärputsch 1965: Suhartos Machtübernahme mit Rückendeckung der USA
Am 30. September 1965 erschütterte ein mysteriöser Vorfall die indonesische Staatsführung. Eine Gruppe von Offizieren mittleren Ranges, die sich „Bewegung 30. September“ nannte, entführte und ermordete sechs hohe Generäle, angeblich um einem rechten Militärputsch zuvorzukommen. Der Generalmajor Suharto nutzte ein in der Folge entstandenes Machtvakuum umgehend aus: Er behauptete, die PKI stecke hinter dem angeblichen Putschversuch. Er drängte Präsident Sukarno rasch an die Seitenlinie und vollzog seinerseits einen Militärputsch.
Binnen weniger Tage übernahm das Militär unter Suharto die Kontrolle über die Hauptstadt Jakarta und zentrale Institutionen. „Fast über Nacht verwandelte sich die indonesische Regierung von einer vehement antikolonialen, blockfreien Stimme in einen folgsamen Partner der von den USA geführten Weltordnung“, beschreibt es der Historiker John Roosa treffend. Suharto, zuvor ein eher unbedeutender Offizier, profilierte sich mit schriller antikommunistischer Rhetorik und gewann damit sofort die Sympathien der CIA.
Washington begrüßte den Kurswechsel: Der Sturz Sukarnos beseitigte einen wichtigen Kopf der blockfreien Bewegung – ein geopolitischer Triumph für Washington mitten im Kalten Krieg.
Massenmord an der politischen Linken: Das antikommunistische Massaker 1965–66
Unmittelbar nach dem Putsch entfachte das Militär unter Suharto eine beispiellose Terrorwelle gegen Kommunist:innen und andere linke Kräfte im ganzen Land. Was folgte, war eine Orgie der Gewalt, die als eines der größten politischen Massaker des 20. Jahrhunderts in die Geschichte einging. In wenigen Monaten wurden landesweit zwischen 500.000 und 1.000.000 Menschen getötet – durch die reguläre Armee, paramilitärische Todesschwadronen oder aufgehetzte Jugendgruppen. Mindestens ebenso viele Menschen – Schätzungen sprechen von rund einer Million – wurden in Gefängnisse gesperrt.
Die Opfer waren nicht nur Mitglieder der PKI, betroffen waren auch Gewerkschafter:innen, linke Intellektuelle, Bäuer:innen, ethnische Chines:innen und bloß verdächtige Sympathisant:innen der Kommunistischen Partei. Dieser systematische Massenmord zielte darauf ab, die gesamte politische Linke Indonesiens physisch zu vernichten und jede zukünftige Opposition im Keim zu ersticken.
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Die Grausamkeit der Verfolgung kannte kaum Grenzen. Zeitzeugen berichteten, dass in manchen Regionen die Flüsse mit Leichen verstopft waren und der Geruch von Verwesung in der Luft lag. Viele Morde geschahen mit einfachsten Waffen wie Macheten, oft wurden ganze Familien ausgelöscht. Auch religiöse Eiferer beteiligten sich an der „Säuberung“ – so riefen Prediger dazu auf, Kommunisten als „Gottlose“ zu töten, was ihre Anhänger als einen quasi “heiligen Krieg” verstanden.
Bis heute wird in Indonesien die Legende kolportiert, fanatische Kommunistinnen der Frauenorganisation “Gerwani” hätten die entführten Generäle vom 30. September in sexualisierten Ritualen gefoltert und ermordet – Eine von der Armee erfundene Propagandageschichte, die damals dazu diente, maximalen Hass zu schüren. Suharto propagierte die brutale Kampagne als Rettung der Nation vor einem kommunistischen Umsturz. Der abgesetzte Präsident Sukarno protestierte zwar verzweifelt gegen das Massaker, war aber machtlos. In der Folge errichtete Suharto die sogenannte “Neue Ordnung” (Orde Baru) – ein autoritäres Regime, das sich über drei Jahrzehnte an der Macht halten und jeden progressiven politischen Ausdruck streng verbieten sollte.
Besonders erschütternd ist, dass dieses gewaltige Verbrechen in Indonesien jahrzehntelang weitgehend aus dem historischen Gedächtnis getilgt wurde. Suhartos Diktatur verbreitete ihre eigene Propagandaerzählung der Ereignisse: Offiziell habe es sich um einen spontanen Volkszorn gegen brutale Gräuel der PKI gehandelt. Jede davon abweichende Darstellung wurde unterdrückt. „Über fünfzig Jahre lang hat die indonesische Regierung jeden Versuch blockiert, aufzuklären, was geschehen ist“, schreibt der Journalist Vincent Bevins in seinem Buch „Jakarta Method”, das von dem Massaker handelt.
Westliche Korrespondenten übernahmen bereitwillig das Narrativ der neuen Machthaber – sie stilisierten die Massaker als chaotisches Aufflammen archaischer Gewalt in einem „rückständigen“ Land, anstatt als das, was sie waren: Eine koordinierte, politisch motivierte Auslöschung einer ganzen sozialen und politischen Bewegung.
Dieses kollektive Vergessen war Teil des Erfolgs der Operation: Das Schweigen der Überlebenden wurde erzwungen, und international geriet das indonesische Massaker von 1965/66 in den Schatten des gleichzeitig tobenden Vietnamkriegs. Erst Jahrzehnte später, nach Suhartos Sturz 1998, begannen Überlebende und Historiker:innen, das ganze Ausmaß dieses Massenmords als eines der schlimmsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit des 20. Jahrhunderts zu benennen.
Rolle der USA: Ein klandestiner Krieg gegen die “Dritte Welt”
Die indonesische Tragödie war kein rein internes Geschehen, sondern vollzog sich von Anfang an unter tatkräftiger Mitwirkung der USA und ihren Verbündeten. Die Vereinigten Staaten hatten sowohl diplomatisch als auch logistisch ihre Finger im Spiel, um das Massaker in Indonesien zu ermöglichen. Washington betrachtete Sukarno wegen dessen unabhängigen Politik als gefährlichen Präzedenzfall, den es um jeden Preis zu Fall zu bringen galt. Bereits vor dem Putsch hatte die CIA gezielt indonesische Offiziere zu diesem Zweck ausgebildet, bewaffnet und die antikommunistische Propaganda mit angeheizt.
Während die antikommunistische Kampagne in Indonesien ab 1965 maßgeblich von den USA und Großbritannien unterstützt wurde, spielte auch der israelische Staat eine bislang wenig beachtete Rolle. Nach dem Militärputsch 1965 und der Machtübernahme durch General Suharto knüpfte der israelische Geheimdienst Mossad geheime Kontakte zum neuen Regime und baute hinter den Kulissen enge Wirtschafts- und Sicherheitsbeziehungen mit den indonesischen Generälen auf. So initiierte die Mossad unter anderem gemeinsame Handelsprojekte (etwa in den Bereichen Öl, Landwirtschaft und Rohstoffe) und wickelte Geschäfte über Tarnfirmen ab.
Dokumente bestätigen, dass Washington genau über das Ausmaß der Gewalt Bescheid wusste und keinerlei Anstalten machte, das Gemetzel zu bremsen. Im Gegenteil, die US-Regierung half, Propaganda zu verbreiten, die das Töten überhaupt erst ermöglichte. Spätere Loblieder in westlichen Medien sprachen zynisch von „einem Sieg der freien Welt“ – ein Sieg, der in Indonesien buchstäblich auf Leichenbergen errungen wurde.
Nach 1965 begrüßten westliche Diplomaten unverhohlen den Regimewechsel in Jakarta und unterstützten Suhartos Kurs wirtschaftlich. US-Konzerne erhielten großzügigen Zugang zu Indonesiens Ressourcen von Öl bis Nickel, was den Putsch für Washington auch ökonomisch lohnend machte.
Suhartos neues Regime band Indonesien eng an den US-Block: Das Land trat der Weltbank und dem IWF bei, schloss sich anti-kommunistischen Bündnissen an und entfernte sich von den Zielen der blockfreien Bewegung. All dies zeigt, dass das Massaker von 1965/66 kein bedauerlicher Kollateralschaden des Kalten Krieges war, sondern das gezielte Ergebnis imperialistischer Einflussnahme – Ein brutaler Präzedenzfall, wie die USA unliebsame linke Regierungen in der Dritten Welt zu beseitigen bereit waren.
Die Jakarta-Methode: Vorbild für CIA-gestützte Konterrevolutionen weltweit
Die erschütternde Effektivität des indonesischen Massenmords blieb den strategischen Planern in Washington und anderswo nicht verborgen. Im Gegenteil: Der antikommunistische Erfolg inspirierte in den folgenden Jahren Nachahmer in aller Welt. Die Ermordung von bis zu einer Million Kommunist:innen in Indonesien, die Zerschlagung einer der größten kommunistischen Parteien und die Etablierung eines pro-amerikanischen Militärregimes stellten aus US-Sicht einen bedeutenden Sieg im globalen Kampf gegen den Kommunismus dar. CIA-Analytiker betrachteten Indonesien als Modell, das zeigte, wie man mit vergleichsweise geringem eigenem Aufwand maximalen Effekt erzielen konnte: Anders als in Vietnam musste keine US-Bodentruppen-Invasion stattfinden, einheimische Militärs erledigten die Drecksarbeit vor Ort.
Diese Blaupause – ein Bündnis aus lokalen Eliten, Militär und Geheimdiensten, unterstützt durch US-Mittel, zur blutigen Ausschaltung jedweder linker Opposition – ging als „Jakarta-Methode“ in die Geschichte ein. Fortan diente das Codewort „Jakarta“ autoritären rechten Hardlinern rund um den Globus als Drohung und Handlungsanleitung, um kommunistische oder reformorientierte Bewegungen zu vernichten.
Bereits wenige Jahre nach dem indonesischen Blutbad tauchte der unheilvolle Slogan „Jakarta kommt“ auf anderen Kontinenten auf. In Chile etwa putschte etwa General Augusto Pinochet mit CIA-Unterstützung gegen Allende.
Faschistischer Putsch in Chile vor 50 Jahren – was wir für heute daraus lernen können
Aber Chile blieb kein Einzelfall. In zahlreichen Ländern Lateinamerikas kam es in den 1970er Jahren zu rechten Militärputschen oder Terrorkampagnen nach dem Vorbild von Jakarta. Brasilianische und argentinische Geheimdienste arbeiteten später eng mit der CIA im Rahmen der Operation Condor zusammen. Dabei handelte es sich um einen grenzübergreifendes staatsterroristisches Netzwerk, das Linke und Dissident:innen in ganz Südamerika aufspürte und liquidierte. In praktisch jedem Land des Südkegels – von Argentinien über Uruguay bis Paraguay – haben ultrarechte Militärjuntas in den 1970ern mit US-Hilfe die politische Linke exzessiv bekämpft, ganz im Geiste von Jakarta.
Auch in Mittelamerika und Asien zeigten sich Spuren der „Jakarta-Methode”. In Guatemala beispielsweise hatte ein CIA-Putsch schon 1954 die reformorientierte Regierung von Jacobo Arbenz gestürzt. In den Jahrzehnten darauf entlud sich ein grausamer Bürgerkrieg, in dem besonders in den 1980ern unter dem Diktator Ríos Montt ganze indigene Gemeinschaften als „kommunistische Kollaborateure“ massakriert wurden – de facto ein Genozid mit anti-kommunistischer Rechtfertigung. In den Philippinen, Südkorea, Thailand, im Iran oder im Kongo – überall wo während des Kalten Krieges linke Bewegungen erstarkten, spielten sich brutale Verfolgungen nach ähnlichem Muster ab. Die Jakarta-Methode wurde so zu einem globalen Synonym für koordinierte Konterrevolutionen im Dienst des US-Imperialismus.
Auswirkungen auf die Bewegung der Blockfreien Staaten – Bandung und danach
Die blutigen Ereignisse in Indonesien 1965/66 hatten weitreichende Konsequenzen für die internationale Politik und den Prozess der Dekolonisierung. Sukarno, der als Gastgeber der Bandung-Konferenz 1955 und früher Wortführer der Blockfreien Bewegung geglänzt hatte, wurde entmachtet und durch Suharto ersetzt – einen Diktator, der sich fest in das westliche Lager einordnete. Damit verlor die Blockfreie Bewegung einen ihrer charismatischsten Anführer und das bevölkerungsreichste Land Südostasiens als unabhängige Stimme.
Indonesien wandte sich von dem Prinzip der Neutralität ab: Statt sich weiter für eine “Dritte Welt” jenseits von US- und sowjetischem Block stark zu machen, unterstützte Suharto nun aktiv die antikommunistische Front der USA. Dieser Kurswechsel schwächte die Solidarität der blockfreien Staaten spürbar. Viele der in Bandung beschworenen Prinzipien – gegenseitige Unterstützung im Kampf gegen Neokolonialismus, Respekt für nationale Souveränität, eigenständige Entwicklungswege – gerieten unter Druck, als immer deutlicher wurde, dass die USA bereit waren, jede allzu linke Regierung in der “Dritten Welt” mit Gewalt zu beseitigen.
Der Sturz Sukarnos und die Auslöschung der PKI schüchterten viele Regierungen in Afrika, Asien und Lateinamerika ein. Wer sich allzu unabhängig von Washington positionierte oder sozialistische Politiken verfolgte, musste nach 1965 damit rechnen, selbst Ziel ähnlicher Operationen im Stil „Jakarta-Methode” zu werden. So wurde der Putsch in Indonesien gewissermaßen zum Fanal für eine ganze Serie von Konterrevolutionen gegen progressive Regierungen.
Das blutige Vermächtnis der Jakarta-Methode
Die exzessive Kommunistenverfolgung in Indonesien unter Suharto war mehr als ein lokales Ereignis – sie wurde zum düsteren Vorbild einer globalen antikommunistischen Strategie. Das Jakarta-Modell zeigte Diktatoren und Kalten Kriegern weltweit, dass sich ein unbequemer linker Aufbruch mit genügend Brutalität im Keim ersticken lässt, wenn nur die Großmacht USA im Hintergrund grünes Licht gibt. Der Sieg des Westens im Kalten Krieg wurde nicht allein durch Rüstungswettläufe und diplomatischen Druck errungen, sondern maßgeblich durch Blutvergießen in Ländern wie Indonesien, Chile, Guatemala, El Salvador oder dem Kongo. Diese Erkenntnis widerspricht dem triumphalistischen Narrativ, das im Westen bis heute vorherrscht.
Damit offenbart die Jakarta-Methode die grausame Fratze des Imperialismus: Unter dem Schlagwort der „Freiheit“ wurden Volksbewegungen für Landreform, Arbeiter:innenrechte und nationale Selbstbestimmung mit Stumpf und Stiel ausgerottet, um autoritär-kapitalistische Regime an der Macht zu halten, die den USA genehm waren. Die langfristigen Folgen sind bis heute spürbar. Indonesien selbst leidet noch immer unter dem Erbe: Das Massaker wurde nie gesühnt, jahrzehntelang lehrte das Suharto-Regime eine verfälschte Geschichtsschreibung, und viele Überlebende sind bis heute stigmatisiert und traumatisiert.
PKI – Wie der Legalismus zum Verhängnis wurde
Ein besonders tragischer Aspekt der Verfolgungen im Zuge des Militärputsches war die strategische Ausrichtung der Kommunistischen Partei Indonesiens (PKI) in den Jahren vor 1965. Die PKI entschied sich bewusst für einen rein zivilen, legalistischen Weg, baute breite Massenorganisationen auf und verzichtete weitgehend auf konspirative Strukturen oder eine eigene bewaffnete Kraft. Nach der gescheiterten Erhebung von 1948 ging die PKI ab 1951 den „Weg der Urnen statt der Gewehre“ und konzentrierte sich auf parlamentarische Partizipation.
Sie erreichte bei den Wahlen 1955 rund 16 % der Stimmen und baute sich als Massenpartei mit über drei Millionen Mitgliedern auf. Über angeschlossene Massenorganisationen gewann sie bis zu 20 Millionen Sympathisant:innen an Einfluss. Diese offene Massenbasis, legalen Publikationen und die enge Zusammenarbeit mit dem antikolonialen Präsident Sukarno sollten der PKI den Weg zum Sozialismus „auf friedlichem Boden“ ebnen.
Allerdings machte gerade diese Offenheit die PKI verwundbar. Aus Rücksicht auf Sukarno und um den staatlichen Repressionen zu entgehen, vermied es die PKI, eine schlagkräftige Untergrundorganisation oder einen Guerillaflügel aufzubauen. Ihre Führung lehnten den Aufbau klandestiner Parallelstrukturen ab, um nicht als subversive Verschwörer zu erscheinen, und setzten stattdessen auf legale Massenmobilisierung.
Als am 30. September 1965 Teile des Militärs um Suharto losschlugen, traf dies die PKI völlig unvorbereitet. Ohne bewaffnete Selbstverteidigung oder konspirative Rückzugstrukturen wurden die Mitglieder der Partei und ihrer Massenorganisationen zu leichten Opfern. Dieser katastrophale Rückschlag wäre in diesem Ausmaß nicht möglich gewesen, hätte die Parteiführung sich nicht vom revolutionären Weg entfernt und die Vorbereitung auf den bewaffneten Widerstand vernachlässigt.
Die befreundete Kommunistische Partei Chinas empfahl der PKI, dem chinesischen Vorbild zu folgen: In einem Land wie Indonesien – das ähnlich wie China von der dortigen Revolution kolonial und agrarisch geprägt wurde – müsse der Hauptkampf in Form eines bewaffneten Volkskriegs auf dem Land geführt werden, angeführt von einer kommunistischen Partei an der Spitze eines Bauern-Heeres. Tatsächlich stellte die PKI in den 1960er Jahren die Frage, welchen Hauptweg die indonesische Revolution nehmen solle, nie abschließend klar – ein Versäumnis, das sich als fatal erwies. Rückblickend wird deutlich, dass die PKI mit ihrer Hoffnung auf einen „friedlichen Übergang“ vom kapitalistischen Staat zum Sozialismus einer Illusion erlag.
Die Geschichte lebendig halten
Rund um die Ereignisse des Militärputsches und der Massenmorde in Indonesien dringt jedenfalls langsam die Wahrheit ans Licht. Bücher wie „The Jakarta Method“ von Vincent Bevins, Filme wie „The Act of Killing“ von Joshua Oppenheimer, sowie Zeugenaussagen der Opfer brechen das Schweigen und klagen die Verantwortlichen an.
Für antiimperialistische Bewegungen ist es wichtig, diese Geschichte lebendig zu halten. Sie zeigt, wohin die Logik des Kalten Krieges und der neokolonialen Machtsicherung geführt haben: Zu Verbrechen von unfassbarem Ausmaß, begangen im Namen von “Ordnung und Freiheit”. Die Aufarbeitung der Jakarta-Methode ist daher eine Mahnung, wachsam zu bleiben gegenüber jeder Form von Imperialismus, der immer bereit ist, über Leichen zu gehen, um seinen Einfluss zu sichern. Denn wie ein indonesischer Überlebender auf Bevins’ Frage, wer den Kalten Krieg gewonnen habe, bitter antwortete: „Ihr habt gewonnen – denn ihr habt uns umgebracht.“

