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Krieg ohne Sieger: Vor 45 Jahren begann der Erste Golfkrieg zwischen Iran und Irak

Am 22. September 1980 griff der Irak den Iran an und der Erste Golfkrieg beginnt. Im Ringen um die Vorherrschaft am Persischen Golf sterben bis zu einer Million Soldaten. Der Krieg endet nach acht Jahren ohne einen Sieger.

Sowohl im Iran als auch im Irak waren 1979 neue Führer an die Macht gekommen. Im Irak hatte Saddam Hussein im Juli das Generalsekretariat der regierenden panarabisch-nationalistischen Baath-Partei und damit auch die Rolle des Staatspräsidenten und Regierungschefs im Irak übernommen.

Im Iran war bereits einige Monate vorher in der sogenannten Islamischen Revolution der vormals von den USA und anderen westlichen Staaten unterstützte Schah vertrieben worden. Daraufhin kehrte der fundamentalistische Ayatollah Khomeiny aus dem Exil in den Iran zurück, um dort die Islamische Republik Iran zu gründen.

Am Persischen Golf standen sich 1980 sodann zwei Regionalmächte gegenüber, die ihren Herrschaftsanspruch gegen die jeweils andere durchsetzen wollten. Saddam Hussein hatte erkannt, dass der Iran durch den Umsturz, innere Unruhen und die notwendig gewordene Neuordnung des Militärs geschwächt war.

Auch die Gunst der westlichen Staaten hatte mittlerweile gewechselt: Vor allem den USA ging es in erster Linie um eine Eindämmung der Islamischen Revolution. Eine Rückendeckung für den Irak schien dementsprechend ausreichend vorhanden zu sein.

Zum Streitpunkt wurde schließlich der Grenzfluss Schatt-al-Arab, um den sich die beiden Mächte schon Jahrzehnte gestritten hatten. Zudem ging es um die Kontrolle über die direkt an den Irak grenzende, mehrheitlich von Araber:innen bewohnte und vor allem erdölreiche iranische Provinz Chuzestan.

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Nach etlichen gegeneinander ausgesprochenen Drohungen und mehreren Terroranschlägen erklärte der Irak am 22. September 1980 den Krieg gegen den Iran. In einem als Blitzkrieg angelegten Vorstoß marschierten 100.000 Soldaten in Chuzestan ein. Irakische Kampfjets versuchten außerdem, so wie es 1967 im Sechs-Tage-Krieg der Erzfeind Israel vorgemacht hatte, die gegnerische Luftwaffe bereits am Boden vollständig zu zerstören. Dabei scheiterten sie aber.

Auch die erwarteten großen Gebietsgewinne blieben in den ersten Wochen des Krieges aus. Die irakische Armee traf auf einen unerwartet hohen Widerstand, die irakische Offensive kam bereits ungefähr 100 Kilometer hinter der Grenze zum Erliegen.

Die Initiative ging spätestens ab 1981 auf den Iran über, der in mehreren Offensiven nicht nur die irakische Armee zum Rückzug aus den eroberten Gebieten zwang. Stattdessen ging das iranische Militär selbst zum Angriff auf Bagdad über. Es folgte ein jahrelanger Stellungskrieg, in dem Hunderttausende umkamen.

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Das Ende des Krieges wurde erst 1988 durch beidseitige Anerkennung einer UN-Resolution und eines Waffenstillstands erwirkt. Die Grenzen der beiden Länder wurden entsprechend dem Stand vor dem Krieg wiederhergestellt.

Erreicht werden konnte der Waffenstillstand vor allem dadurch, dass die USA der immer mehr ins Hintertreffen geratenen irakischen Armee massive Unterstützung in Form der Bereitstellung militärischer Technologien und Geheimdienstinformationen zukommen ließ. Gegen Ende des Krieges, als die Tankerrouten und Öllieferungen immer risikoreicher wurden, griffen die USA direkt ein. Sie bombardierten Stellungen des Iran und ermöglichten so irakische Rückeroberungen, die Khomeiny dazu zwangen, dem Waffenstillstand zuzustimmen.

Die USA belieferten während des Krieges gleichzeitig auch den Iran  mit Waffen. Im Zuge der sogenannten Iran-Contra-Affäre wurden von der US-Regierung unter Ronald Reagan die Einnahmen aus geheimen Waffenverkäufen an den Iran an die faschistische Contras-Bewegung in Nicaragua weitergeleitet. Die USA unterstützten sie damit in ihrem Kampf gegen die antiimperialistische Regierung der Sandinistas.

Kriegsverbrechen auf beiden Seiten

Der erste Golfkrieg gehört zu den verlustreichsten Kriegen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert. Von beiden Seiten wurden zu unterschiedlichen Zeiten verschiedene Kriegsverbrechen begangen.

Der Iran schickte in seiner Freiwilligen-Armee hunderttausende Kindersoldaten an die Front, die dort unter anderem als menschliche Minensucher in den Tod oder als Menschenwellen ins offene gegnerische Feuer geschickt wurden. Im Iran entstand unter der geistlichen Führung Khmeinys ein religiös begründeter Märtyrerkult, der das Sterben der Kinder rechtfertigen und für stetigen Nachschub an Soldaten sorgen sollte.

Der Irak verübte gleichzeitig einen Genozid an Kurd:innen und anderen Minderheiten im eigenen Land. Während der sogenannten Anfal-Operation und dem irakischen Giftgasangriff auf die kurdische Stadt Halabdscha starben insgesamt 100.000 Menschen. Die Chemikalien und die Ausrüstung für die Giftgasangriffe erhielt Saddam Hussein zu einem Großteil aus Deutschland.

Deutsche Firmen halfen dem Irak seit Anfang der 1980er-Jahre beim Bau der sogenannten Muthanna-Anlagen, darunter Chemie-Labore, ein Verwaltungsgebäude und Bunker. Andere deutsche Firmen lieferten insgesamt 1.027 Tonnen an Vorprodukten für Senfgas, Sarin, Tabun und Tränengas. Dadurch war es dem Irak möglich, 1983 rund 150 Tonnen Senfgas und 1984 etwa 60 Tonnen Tabun herzustellen – und diese gegen den Iran und Kurd:innen einzusetzen.

Auch im Zweiten Golfkrieg, den der Irak infolge der massiven Verschuldung während des Ersten Golfkrieges begann, ließ Saddam Hussein kurdische und andere Minderheiten ermorden.

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