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„Mein Körper, meine Entscheidung“: Bundesweite Aktionen zum Safe Abortion Day

Vor dem Hintergrund sich häufender Angriffe auf das Abtreibungsrecht fanden auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Aktionen zum Safe Abortion Day statt. In Stuttgart zogen Frauen vor eine Beratungsstelle, die Schwangere von Abtreibungen abhalten will.

Mit der kraftvollen Parole „Dieser Staat schützt mich nicht, meine Schwestern schützen mich!“ zog am 28. September eine Demonstration durch den Leipziger Westen. Etwa 80 Frauen waren zum Felsenkeller gekommen um für das Recht auf sichere Schwangerschaftsabbrüche zu demonstrieren. Eine Rednerin des Frauenkollektivs erklärt bei der Startkundgebung: „Es reicht nicht mehr, für einzelne Fortschritte zu kämpfen, die uns einfach wieder genommen werden können. Wir müssen für unsere Befreiung kämpfen. Eine Befreiung die uns der Kapitalismus nie zugestehen wird.“

Auch in Freiburg zog eine Demonstration des Pro Choice Bündnisses vom Augustinerplatz aus durch die Straßen. Auf Transparenten waren Sprüche wie „Schwangerschaftsabbruch: Unser Recht, unsere Entscheidung! Hier und weltweit! Paragraph 218 abschaffen!“ zu lesen. Ebenso zogen in Hamburg vor allem junge Frauen durch die Stadt und machten dabei lautstark klar: „My body my choice, raise your voice!“

Abgesehen davon kam es in ganz Deutschland zu weiteren kreativen Aktionen. So verteilten Aktivist:innen unter anderem in Berlin und Halle Flyer zum Safe Abortion Day. In der Straßenbahn im Berliner Bezirk Lichtenberg konnten die Anwohner:innen diese Flyer an Kleiderbügeln aufgehängt vorfinden. Die Kleiderbügel sind ein bekanntes Symbol für den Kampf für sichere Abtreibungen, da Frauen diese früher benutzen, um mit eigener Hand ungewollte Kinder abzutreiben.

Auch im Vorfeld zum Tag selbst kam es schon zu Aktionen. So gab es beispielsweise in Wuppertal bereits am Vortag eine Kundgebung anlässlich des Safe Abortion Days. In Köln und Berlin hatten eine Woche zuvor zudem Demonstrationen und Blockadeaktionen gegen den fundamentalistischen Marsch für das Leben stattgefunden.

Köln und Berlin: Blockaden und Applaus beim lautstarken Protest gegen den „Marsch für das Leben“

Aktion vor Beratungsstelle in Stuttgart

In Stuttgart fand auf dem Marienplatz eine Kundgebung statt. Verschiedene sozialistische Organisationen beteiligten sich mit Infoständen an der Aktion. Dort konnten Frauen bei einem Quiz über Abtreibung miteinander ins Gespräch kommen. Es wurde darüber informiert wie die aktuelle Gesetzeslage ist, sich darüber ausgetauscht wie das Recht auf körperliche Selbstbestimmung erkämpft werden kann und über organisierte Abtreibungsgegner in der Region diskutiert.

Einer dieser Abtreibungsgegner traute sich, bewaffnet mit einem hölzernen Kreuz und einer christlich-fundamentalistischen Gesinnung auf die Kundgebung. Die Frauen wehrten den Angriff selbstbestimmt ab und drängten den Mann von der Kundgebung. Die Polizei nahm die Selbstverteidigung der Frauen zum Anlass die Personalien einer Person aufzunehmen.

Im Anschluss machte sich das Frauenkollektiv auf den Weg zur Abtreibungsberatungsstelle Donum Vitae. Die Frauen hängten auf dem Schild, an der Tür und den angrenzenden Bahnstationen Plakate auf um Frauen über die Beratungsstelle zu informieren. Denn die Beratungsstelle stellt zwar Beratungsscheine aus die für einen Schwangerschaftsabbruch notwendig sind. Jedoch handelt es sich um keine ergebnisoffene Beratung.

Der Verein Donum Vitae schreibt auf seiner Webseite, dass sie „auf das Leben hin beraten“. Sie würden laut eigenen Angaben aber auch die Frauen unterstützen, die sich für einen Abbruch entscheiden. Die Aktivistin Carola M. vom Frauenkollektiv kritisiert, dass die Beratungsstelle Frauen mit dem Angebot des Beratungsscheins zu sich holen zu wollen um sie dann davon zu überzeugen, ungeborenes Leben zu schützen. Außerdem positioniert sich der Verein für den Erhalt des § 218, durch den Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland illegal und nur unter bestimmten Bedingungen straffrei sind.

Mein Körper, doch wessen Entscheidung? – Warum Selbstbestimmung heute nicht selbstverständlich ist

Die CDU-SPD-Regierung stellt nun zusätzlich 700.000 Euro aus dem Bundeshaushalt für diese konservative katholische Beratungsstelle bereit, die das „Lebensrecht“ des Embryos betont. Andere Einrichtungen wie pro familia, die Schwangere in ihrer körperlichen Selbstbestimmung unterstützen, erhalten hingegen keine zusätzlichen Mittel und müssen ihre Arbeit bereits jetzt durch Spenden absichern, da staatliche Gelder nicht ausreichen.

Abtreibungsrecht erkämpfen, Widerstand aufbauen

Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland sind weiterhin verboten. „Mit rückschrittlichen Frauenbildern sind faschistische Organisationen wie die AfD auf dem Vormarsch. Gleichzeitig steuert alles in Richtung eines neuen großen Krieges, indem Frauen entweder zurück in die Küche oder selbst an die Front geschickt werden sollen um dort ihr Leben für deutsche Profitinteressen zu lassen“ erklärt die Aktivistin des Frauenkollektivs.

Sie zeigt sich entschlossen, dass es gerade in Zeiten, in denen die Angriffe auf die Rechte von Frauen und auch LGBTI+ Personen zunehmen würden, nicht die Antwort sein dürfe, „den Kopf in den Sand zu stecken“. „Stattdessen müssen wir an Tagen wie dem Safe Abortion Day auf die Straße gehen und stets im Alltag die Kämpfe für etwa das Abtreibungsrecht führen“, so Carola M.

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