In der Ostsee läuft noch bis zum 12. September die Quadriga 2025, eine groß angelegte Militärübung. Zeitgleich läuft in Russland und Belarus die Übung Zapad.
Die Quadriga ist eine regelmäßige Militärübung, in der sich Deutschland gemeinsam mit 13 NATO-Partnern auf die Kriegsführung in und um die Ostsee vorbereitet. Insgesamt sind rund 8.000 Soldat:innen beteiligt. Offizielles Ziel der Übungsserie ist es, sowohl militärische Abschreckung zu demonstrieren, als auch die Verteidigungsfähigkeit des Bündnisses zu stärken. Die Bundeswehr unterstreicht damit ihre Rolle als logistische Drehscheibe für Truppen und Material in Richtung Ostflanke.
Die Quadriga setzt sich aus mehreren großen Teilübungen zusammen: zum einen Northern Coasts, in dessen Zentrum die maritime Kriegsführung steht. Darunter fallen zum Beispiel Minenräumung und Luft-, sowie Über- und Unterwasserabwehr entlang der Ostsee. Geführt wird diese Übung von der deutschen Marine, etwa 40 Schiffe sind beteiligt.
Grand Eagle, Brave Blue und Safety Fuel beschäftigen sich mit der Logistik und der Infrastruktur, um zum Beispiel Versorgungslinien zu gewährleisten. Währenddessen werden bei Role2Sea auch zivile Rettungskräfte in die Kriegsvorbereitung eingebunden.
Im Allgemeinen wird bei der diesjährigen Übung mehr Wert auf die Kooperation mit zivilen Stellen gelegt. Bei einem „Convoi Support Center“ in der Lausitz soll auch die Zusammenarbeit mit der Industrie geübt werden. Diese Entwicklungen sind auch im Kontext der immer weiter übergreifenden Kriegsvorbereitung zu sehen, die längst nicht mehr auf den militärischen Sektor beschränkt ist.
Zapad 2025 – Säbelrasseln an der Ostflanke?
Ebenfalls besonders an der Quadriga 2025 ist, dass sie sich zeitlich mit Zapad 2025 – einer groß angelegten russisch-belarussischen Militärübung – überschneidet. Vom 12. bis zum 16. September sollen laut Angaben eines belarussischen Offiziellen mehr als 13.000 Soldat:innen eingesetzt werden. Das litauische Verteidigungsministerium erwartet sogar bis zu 30.000 weitere Truppen in Russland, darunter mehrere Tausend in Kaliningrad. Die baltischen Staaten, sowie Polen wollen mit einer Parallelübung von bis zu 40.000 Truppen abschrecken, außerdem wurde bereits der Luftraum begrenzt.
Allgemein sehen die NATO-Staaten Zapad als Bedrohung. Die letzte Ausgabe in 2021 wird als große Vorbereitung auf die Ukraine-Invasion gewertet. Dementsprechend wird teilweise vor der Möglichkeit einer erneuten konkreten Kriegsvorbereitung Russlands gewarnt.
Bei der gestrigen Pressekonferenz von dem Generalinspekteur der Bundeswehr Carsten Breuer und dem Inspekteur der Marine Jan Christian Kaack, erklärte Ersterer zwar, dass es „keine Hinweise [auf] Angriffsvorbereitungen unter dem Deckmantel der Übungen“ gebe, Russland nutze Zapad aber „um Unsicherheit zu schüren und natürlich um im Gegenzug von Eskalation zu sprechen“.
Man selbst hingegen „wolle keine Eskalation“. Breuer betonte mehrmals, die Quadriga 2025 diene einzig und allein der Verteidigung. Abschreckung sei der Schlüssel zum Frieden. Vladimir Putin würde sich nämlich nicht mit der Ukraine zufrieden geben und „schaue auf Deutschland“. Kaack machte zudem klar, dass die Ostsee bereits „Schauplatz für Sabotage und Spionage“ war. Man dürfe dies nicht hinnehmen und müsste dementsprechend reagieren und die Stärke des Militärs demonstrieren.
Die Rhetorik auf der Gegenseite dürfte sich derweil nicht viel unterscheiden – für Russland ist eben die Quadriga die Bedrohung und Zapat die Machtdemonstration zur Abschreckung. Klar ist so oder so, dass beide Seiten sich mit ihren Militärübungen auf den nächsten Krieg gegeneinander vorbereiten, auch wenn keine der Seiten derzeit Interesse an einer sofortigen Eskalation zeigt.

