Anfang September gab es einen mutmaßlich rechten Brandanschlag auf das Gartenhaus einer Antifaschistin in Elmshorn. Faschistische Aktivitäten reichen im Kreis Pinneberg dabei schon lange zurück. Wir haben mit Zusammen gegen Rechts vom Kreis Pi über den Fall gesprochen.
Könnt ihr kurz beschreiben, was in der Nacht vom 7. auf den 8. September 2025 passiert ist?
In der Nacht vom 7. auf den 8. September wurde in Elmshorn im Kreis Pinneberg ein Brandanschlag auf das Gartenhaus einer Genossin verübt. Die örtliche Feuerwehr wurde um kurz nach 1 Uhr zum Brand alarmiert, konnte das Gartenhaus, das ein Holzhaus war, aber nicht mehr retten. Alles was sich in dem Gartenhaus befand, so auch die Technik, die im Kreis Pinneberg für Kundgebungen, Demonstrationen usw. genutzt wird, ist in Flammen aufgegangen.
Welche Bedeutung hatten der Garten und die Hütte für euch und die linke Bewegung in Pinneberg?
Der Garten ist als Gemeinschaftsprojekt gedacht und stand und steht allen offen, die sich im Kreis Pinneberg und vor allem in Elmshorn in linken Zusammenhängen bewegen. Er ist ein Ort, um sich auszutauschen, zu entspannen und natürlich auch zum Gärtnern. Erst kurz vor dem Brandanschlag feierte am 6. September Die Linke dort im Garten ihr Sommerfest.
Gab es in der Vergangenheit bereits ähnliche Angriffe?Â
Im Kreis Pinneberg gibt es schon seit Jahrzehnten immer wieder rechte Gewalt. Wobei wir sagen würden, dass es sich dabei zum größten Teil um Sachbeschädigung wie etwa Hakenkreuz-Schmierereien oder eingeworfene Scheiben und Körperverletzungen handelt, was wir hier jetzt aber auch nicht verharmlosen möchten.
Aber auch Brandanschläge gab es schon in der Vergangenheit. So zum Beispiel in Wedel, als im November 1991 zwei Molotowcocktails auf ein Asylbewerberheim geworfen wurden, die zum Glück aber keinen größeren Schaden angerichtet haben. Auch in Elmshorn verübten 2011 vermutlich Faschist:innen einen Brandanschlag auf einen antifaschistischen Gruppenraum, die sogenannte Villa Kunterbunt, sowie auf die angrenzenden Räume des linksalternativen Vereins Freizeitgruppe Bahnhof. Auch diese Gebäude brannten nieder, sie befanden sich in der selben Straße wie auch jetzt das Gartenhaus.
Und wie schätzt ihr die politische Lage in Pinneberg ein?
Im Kreis Pinneberg hat sich aus der extrem rechten Szene in den letzten 40 Jahren fast alles getummelt, was auch bundesweit Relevanz in der Szene hatte: von ANS (Aktionsfront Nationaler Sozialisten) über die FAP (Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei), die der bis zum Verbot 1995 ihren Geschäftsstelle in Halstenbek hatte, Freie Kameradschaften (Kameradschaft Elbmarsch / Kameradschaft Pinneberg) oder die NPD bis hin zur AfD.
Auch das bekannte rechte Terror-Netzwerk Blood and Honour mit seinem Arm Combat 18 gab es in organisierter Form im Kreis Pinneberg. Ebenso der – als Kopf des deutschen Ablegers vom mittlerweile verbotenen Netzwerk der Hammerskins – gehandelte Malte Redeker begann seine Neonazi-Laufbahn in Elmshorn.
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Wir würden sagen: die Lage und Strukturen haben sich gewandelt. Gab es Ende der 90er bis Mitte der 2000 Jahre noch eine Neonazi-Szene, die auch für alle sichtbar als solche auftrat, leider auch mit zahlreichen Gewalttaten, ist es heute doch deutlich anders geworden. Gerade jetzt im Nachhinein, hat man ab und an das Gefühl, es war zu der Zeit noch einfacher als heute, auf dieses Bedrohungsszenario zu reagieren.
Vielleicht kann man sagen, es war weniger institutionell. Es ist halt einfach etwas anderes, wenn man im Kreistag oder im Rathaus jetzt Leute sitzen hat, die einem auf der Straße sagen: „wenn wir hier was zu sagen haben, dann machen wir euch weg“. Leider scheint es ja kein ganz unmögliches Szenario, dass sie in absehbarer Zeit genau das durchführen können.
Und vor der AfD waren diese Kreise höchstens mal als Besucher:innen im Kreistag oder Rathaus, aber keine gewählte Fraktion. Auch die regionalen Medien gingen anders mit ihnen um. Heute, wenn einer von der AfD einen Furz quer sitzen hat, wird das dankend aufgegriffen, auch wenn es der größte Quatsch ist. Auch Erscheinungen, die bundesweit auftreten, gehen nicht ganz an Elmshorn vorbei.
In ihren sozialen Medien greifen sie vermehrt junge Menschen ab, die sich von dem extrem rechten Gedankengut und ihren Verschwörungen catchen lassen. Dieses lässt sich vor allen an geposteten Videos mit rassistischen Gesängen festmachen, die aus dem Kreis Pinneberg kommen, zuweilen aber nicht die volle Entfaltung auf der Straße wiederfinden.
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Dennoch gibt es gegen Linke ein feindliches Klima auf den Straßen, was besonders junge Menschen zu spüren bekommen und davon berichten. Auch interessant dazu das Monitoring von Zebra e.V.: Letztlich wird es an uns als Antifaschist:innen liegen, ob wir endlich auf die, jetzt ja schon gar nicht mehr so neue Situation Antworten finden. Da werden wir dann auch nicht drumrum kommen, auch die anderen Parteien zu kritisieren. Das Bekämpfen der AfD wird sehr sicher nicht ausreichen!
Das zeigt sich ja auch schon, wozu sich sonst geäußert wird oder eben nicht. In Elmshorn sind erst kürzlich Teile der Partei Die Grünen in Weltuntergangsstimmung verfallen, weil sie auf drei Plakaten von ihnen Antifa-Aufkleber entdeckt haben. Diese Vehemenz der Wut haben wir bei zerstörten Plakaten der Grünen durch Sympathisanten der AfD noch nicht erlebt.
Oder schauen wir nach Quickborn, wo FDP und CDU eine Resolution gegen Antifa und Antifaschismus verabschiedet haben, nachdem antifaschistische Symbolik auf dem CSD dort zu sehen war. Es wird klar: für rechten Bullshit braucht es im Kreis Pinneberg manchmal nicht einmal die AfD im Rathaus/Kreishaus.
Wie reagiert ihr politisch auf den Angriff?
In dem wir unsere Arbeit fortsetzen. Für uns ist es ein rechter Brandanschlag. Als erstes gilt für uns die Solidarität mit der direkt betroffenen Genossin, die einen immensen monetären Schaden erlitten hat. Von dem emotionalen Angriff müssen wir aber genauso sprechen und daher konsequent solidarisch handeln!
Für uns ist klar: wir möchten dieses Haus gemeinsam wieder neu aufbauen. Wir werden das Thema weiter in die Öffentlichkeit bringen und haben es auch schon gemacht. Am Freitag, den 12. September gab es eine solidarische Kundgebung in Elmshorn. Auch werden wir uns nicht einschüchtern lassen und an unseren Aktivitäten festhalten. In Elmshorn und in Pinneberg gibt es mit dem OAT Elmshorn und dem Antifa-Café Pinneberg zwei antifaschistische Anlaufpunkte.
Nur um beispielhaft eine paar Aktivitäten zu nennen: Wir haben dieses Jahr Kundgebungen gegen AfD-Treffpunkte in Tangstedt und Elmshorn organisiert, eine Demonstration für eine solidarische Gesellschaft abgehalten, und es stehen noch weitere Aktionen an, wie zum Beispiel eine Demo gegen Wehrpflicht und Militarisierung am 27. September in Elmshorn.
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Auch wenn es sowieso immer ein Thema ist, werden wir nochmal über antifaschistischen Selbstschutz sprechen. Also jetzt das Feld zu räumen, war, ist und wird nie eine Option sein! Vielleicht ist an dieser Stelle wichtig zu erwähnen: das Gartenhaus in Elmshorn ist nicht der einzige linke Treffpunkt in Schleswig-Holstein, der dieses Jahr einem Brandanschlag zum Opfer gefallen ist. In Bargteheide wurde am 17. Juni das Autonome Jugendhaus Bargteheide angezündet.
Welche Möglichkeiten gibt es, euch zu unterstützen?
Sobald der Tatort freigegeben ist, werden wir dazu aufrufen, gemeinsam den Platz zu säubern, die verbrannten Reste müssen ja entsorgt werden. Soweit es möglich ist, können wir dann Vorbereitungen treffen, sodass wir im Frühjahr 2026 ein neues Haus aufbauen können. Um einen Teil der anstehenden Kosten zu decken, haben wir ein Spendenkonto eingerichtet. Und da zeigt es sich wieder, wie extrem gut wir doch zusammenstehen, wenn es um unsere Freund:innen, Genoss:innen und unsere Freiräume geht. Nach wenigen Tagen wurde schon eine beachtliche Summe von 8.000 Euro gespendet!
Wir haben auch schon Hilfe von solidarischen Handwerker:innen angeboten bekommen, mit denen wir nun im Kontakt sind. Es läuft alles ganz gut, was uns natürlich sehr freut und uns stärkt in der Haltung, wie wir Dinge anpacken und bewegen (wollen). Ideen und Tipps nehmen wir weiterhin gerne an!

