Nach turbulenten Jahren will der Tui-Konzern seinen Profit steigern und expandiert zunehmend. Das Vorgehen ist ein gutes Beispiel dafür wie die moderne Tourismusbranche sich auf der Suche nach immer höheren Profiten verändert – Auf Kosten von Arbeiter:innen und Umwelt.
Nach ähnlichen Projekten wie beispielsweise in den Kapverden und in Sansibar gab der Reisekonzern Tui am vergangenen Donnerstag über seine offiziellen Kanäle eine „strategische Allianz“ mit dem Omanischen Sultanat bekannt. Mit einem gemeinsamen Unternehmen, in dem beide Parteien jeweils 45 Prozent der Anteile besitzen, sollen zunächst in der Stadt Dhofar fünf neue Hotels entstehen. Gleichzeitig steigt der omanische Staat mit seinem eigenen staatlichen Tourismusunternehmen „Omran“ mit 1,4 Prozent in die Tui AG ein.
Nach den Kapverden und Sansibar baut Tui nun auch im Oman sogenannte „Cluster“: Gebiete, in denen Tui ein System aus Hotels, eigenen Unternehmungen, Kreuzfahrtterminals und ganzen Flughäfen errichtet, um in der Nebensaison stabiler aufgestellt zu sein. Durch diese lukrativen Projekte in kostengünstigen Küstenregionen konnte Tui seine Gewinnerwartungen drastisch steigern.
Kalkulierte Strategie
Der Einstieg von Tui im Oman ist eine kalkulierte Strategie, um die Firma, die während Corona mit 4,3 Milliarden Euro gerettet wurde, aus dem Tief zurückzuholen. Durch ihr absolutes Monopol in ihrem Gebiet ist Tui dann in der Lage, massive Gewinne einzufahren.
Trotz staatlicher Milliardenhilfen: TUI verweigert Schlichtung mit Pilot:innen
Dabei ist nicht nur die geringe Konkurrenz in den neuen Gebieten für Tui von Vorteil: Ebenso dürfte der Konzern auch im Oman an billigen Arbeitskräften interessiert sein. Dieses Interesse zeichnet sich auch am Geschäft in anderen Gebieten ab: Bei der Tui Academy – einem Projekt der eigenen Stiftung Tui Care Foundation – sollen Arbeiter:innen für die Tourismusbranche ausgebildet und anschließend von Tui übernommen werden. Weltweit gibt es bereits elf Standorte.
Am Beispiel der Schule in Sansibar erkennt man dann schnell worum es geht. Tui gibt zwar an, die Auszubildenden mit den nötigen Fähigkeiten auszustatten und sie dann „bei der Suche nach Arbeitsplätzen mit angemessener Bezahlung und guten Arbeitsbedingungen“ zu unterstützen. Im gleichen Atemzug erklärt man dann aber, dass es auf der Insel ein geringes Bildungsniveau und vor allem „begrenzte Möglichkeiten zur beruflichen Ausbildung“ gibt. Das gibt dem Konzern als großen Ausbilder natürlich viel Macht.
Ebenso fällt auf, dass sich alle Standorte in wirtschaftlich eher schwachen Ländern mit vergleichsweise geringen Lebenshaltungskosten und begrenzter Perspektive für dortige Arbeiter:innen befinden. So kann sich Tui auf der einen Seite mit Entwicklungshilfe und der Schaffung von Arbeitsplätzen profilieren, andererseits bedeuten gerade hier „angemessene Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen“ weitaus geringere Kosten als in wohlhabenderen Teilen der Welt.
„Sagen wir basta!“: Proteste auf Mallorca gegen Massentourismus
Expansion bei Kreuzfahrten
Doch nicht nur im Hotelbereich expandiert der Konzern, auch im Kreuzfahrten-Geschäft sucht man nach immer höheren Profitmargen. Mit der „Mein Schiff Flow“ soll 2026 das neunte Schiff der Tui-Flotte in See stechen.
Die Kreuzfahrt ist dabei für Tourismusunternehmen besonders profitabel: Zum einen ist man auf den eigenen Schiffen natürlich der einzige Anbieter und streicht damit bei allen Teilen des Urlaubs – Hotel, Reisen, Restaurants, etc. – Profit von den Kunden ein. All-Inclusive in Extremform quasi.
Dazu kommt, dass auf hoher See die Gesetze des Landes gelten, unter der Flagge das Schiff fährt. Das erlaubt es Kreuzfahrkonzernen ihre Schiffe in besonders günstigen Märkten anzumelden und so dann die Vorgaben zu Lohn und Arbeitsbedingungen, sowie Steuerlasten der Länder ihrer Hauptzielgruppe zu umgehen. Tuis Schiffe fahren beispielsweise unter maltesischer Flagge – Malta gilt als europäische Steueroase.
Neben den Einsparungen bei Arbeitskräften und Steuern machen Kreuzfahrtunternehmen auch Profit auf Kosten der Umwelt: Die Schifffahrt ist einer der größten Umweltverschmutzer unserer Zeit.
Kipppunkt in der Antarktis steht bevor – Ziehen wir einen Schlussstrich!
Neben Wasserverschmutzung durch Abwasser sind dabei vor allem die Unmengen an Treibstoff, die ein Kreuzfahrtschiff verbraucht und die Schadstoffe, die in dieser Verbindung ausgestoßen werden, von Bedeutung. Auch die versprochenen Verbesserungen durch die Nutzung von Flüssigerdgas ist bei genauerer Betrachtung hoch problematisch.

