In den meisten Städten sind WG-Zimmer für Studierende kaum noch bezahlbar. Der BAföG-Satz ist deutlich geringer als die durchschnittlichen Kosten in den meisten Hochschulstädten. Zwei Drittel der Studierenden arbeiten bereits neben ihrem Studium.
In den vergangenen Monaten und Jahren sind nicht nur Lebenshaltungskosten und Nahrungsmittel, sondern auch die Mietpreise in die Höhe geschossen. Dies betrifft die gesamte Arbeiter:innenklasse, aber besonders die Studierenden.
Laut Veröffentlichungen des Moses-Mendelsohn-Instituts stiegen die durchschnittlichen Preise für WG-Zimmer zu Beginn des Wintersemesters 2025/26 um 2,4 Prozent auf 505 Euro im Monat. Zu Beginn des Wintersemesters hat die durchschnittliche Miete für Studierende somit zum ersten Mal die Schwelle von 500 Euro überschritten. Seit dem Wintersemester 2024/25 ist die Miete sogar um 3,3 Prozent gestiegen.
Die Preise unterscheiden sich jedoch stark von Stadt zu Stadt. In Sachsen ist das Wohnen für Studierende günstiger als in Städten wie Hamburg oder Berlin.
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Exponentieller Anstieg an Wohnkosten
In die Analyse des Instituts wurden mehr als 5000 Studierende aus den 88 Hochschulstädten miteinbezogen. In 18 der 88 Städte sind vereinzelte Zimmer im Rahmen der BaföG-Wohnungskostenpuschale zu finden. Diese beträgt 380 Euro. In kaum einer Region deckt sie jedoch die durchschnittlichen Wohnungskosten – außer in Thüringen und Sachsen-Anhalt mit durchschnittlichen Wohnungskosten für Studierende von 350 bis 362 Euro.
In insgesamt 70 der 88 Hochschulstädten deckt das BAföG die Wohnungskosten nicht. In Hamburg zahlen Studierende durchschnittlich 620 Euro, in Berlin 650 Euro im Monat für ihre Miete.
Seit 2020 sind die Mietpreise um mindestens 21 Prozent gestiegen. Alleine im Jahr 2024 stiegen sie laut einem Bericht des Institut der deutschen Wirtschaft (IW) um 4,7 Prozent.
Studierende müssen durchschnittlich über 50 Prozent ihres monatlichen Einkommens nur für die Miete aufbringen. Das ist deutlich höher als die durchschnittliche Wohnkostenbelastung für den Rest der Gesellschaft mit knappen 25 Prozent. Jeder achte Haushalt gibt jedoch über 40 Prozent des Einkommens für Miete aus.
Kritik von Studierendenschaften
Annegret Mülbaier von der Plattform WG-Gesucht, die die Erhebung des Instituts unterstützte, erklärte: „Wenn Studierende zwei Nebenjobs brauchen, nur um ihre Miete zu bezahlen, bleibt fürs eigentliche Studium kaum noch Zeit.“ Dementgegen steht die Realität, dass laut dem Deutschen Studierendenwerk bereits im Jahr 2021 etwa 63 Prozent der Studierenden einen Nebenjob hatten. Im Schnitt arbeiteten sie 15 Stunden pro Woche.
Tjark Kandulski, Vorstandsmitglied des „freien zusammenschlusses von student*innenschaften“ (fzs) äußerte sich ebenfalls zu der sich immer mehr zuspitzenden Krise: „Wohnen ist für Studierende die größte soziale Krise unserer Zeit. Wenn ein durchschnittliches Zimmer weder innerhalb der BAFöG-Pauschale, noch innerhalb der Düsseldorfer Tabelle zu haben ist, dann ist sorgenfreies Studieren nur noch für besonders Wohlhabende möglich.“
Auch Katharina Rummenhöller, ebenfalls fzs Vorstandsmitglied, erklärt zudem, dass „Schlupflöcher wie z.B. für möblierte Wohnungen Studierende überproportional treffen“. „Während Häuserblöcke voller Luxuswohnungen leer stehen, die mit BAföG unbezahlbar sind, sehen sich Studierende teilweise gezwungen, sich als Paar auszugeben um überhaupt zu Besichtigungen eingeladen zu werden“, schreibt das fzs in ihrer Stellungnahme.

