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„Die Befreiung des amerikanischen Kriegers“ – Hegseth schwört US-Militär auf Weltkrieg ein

Bei einer Versammlung mit der amerikanischen Militärführung schwört Kriegsminister Pete Hegseth und Präsident Donald Trump die US-Armee auf den kommenden Weltkrieg und Amerikas führende Rolle darin ein. Ein neuer „Kriegerethos“ soll her und dieser ist faschistoid, patriarchal und gnadenlos.

Nachdem auf Anordnung des US-Kriegsministers Pete Hegseth 800 Generäle und Admirale aus aller Welt auf den Marinestützpunkt in Quantico in Virginia berufen wurden, herrschte erst einmal Verwirrung. Weder die Generäle noch andere Beteiligte wurden über die Gründe oder die Tagesordnung dieses Treffens informiert.

In der Geschichte des US-amerikanischen Kriegsministeriums stellte ein solches Treffen ein Novum da. Versammlungen von Militärs finden zwar regelmäßig statt, doch die gesamte militärische Führung der USA zusammenzubringen, ohne den Grund bekannt zu geben, war selbst für die USA neu.

Neben der Einstimmung auf weitere Aufrüstungseskapaden („Es benötige mehr Truppen, Munition, Drohnen, Patriots, U-Boote und B52-Bomber“) und den Ausbau der Rüstungsindustrie machte Hegseth bereits zu Beginn seiner 45-minütigen Rede am Dienstag das Ziel der Veranstaltung klar. Es gehe hierbei nicht um die Außenpolitik der USA, wie man auf „die Bedrohungen in der Hemisphäre“ antworte oder China abschrecke. In seiner Rede solle es um „Menschen, Kultur und die Natur von uns selbst gehen“. Und während der Kriegsfanatiker mit poetischen Phrasen beginnt, machen seine offenen Kriegsfantasien deutlich, dass die reaktionäre Kehrtwende in den USA auch vor dem Militär nicht Halt macht.

Reaktion statt „Wokeismus“

Die Abkehr von einer bürgerlich-demokratischen Fassade hin zu einer offen reaktionären Politik, die Radikalisierung des amerikanischen Staates und der beginnende Terror gegen die eigene Bevölkerung erfährt spätestens jetzt auch Einzug in das US-Militär.

Der „Krieg gegen die Krieger“ müsse beendet werden. Frühere Politiker:innen und Administrationen hätten aus dem Kriegsministerium ein „Woke“-Ministerium gemacht, dass sich nicht auf seine zentralen Aufgaben der Verteidigung Amerikas und seiner Freiheit konzentriert hätte. Damit sei nun Schluss.

Das Militär müsse nun vom „Wokeismus“ und allem „ideologischem Müll“ gesäubert werden. Diversitätsprogramme wie DEI („Diversity, Equity, Inlclusion“, dt. Vielfalt, Gerechtigkeit, Inklusion), Identitätsmonate und „Männer in Kleidern“ werden abgeschafft. Die „Ära der politischen Korrektheit“ (political correctness) sei vorbei. Diese hätte das Militär weniger effektiv und weniger tödlich gemacht.

Bei Bewertungen von Soldat:innen und Generälen und ihrer Beförderung sollen in Zukunft Herkunft und Geschlecht keine Rolle mehr spielen. Stattdessen gilt es einen einheitlichen, geschlechtsneutralen höheren Standard für körperliche Fitness einzuführen, der sich an den „höchsten männlichen Leistungen“ misst. Sollten Frauen deswegen bestimmte Positionen im Militär nicht einnehmen können, „dann ist das halt so“.

„Fette Generäle und Admirale“ wären eine Schande für das Militär. Sollten sie den neu eingeführten Körpergrößen- und Gewichtsstandards, die zweijährlich geprüft werden, nicht entsprechen, müssen sie das Militär verlassen.

Mit diesen Maßnahmen soll das US-Militär also nicht nur ideologisch „rein“ und auf dem reaktionären politischen Kurs der Trump-Regierung gehalten werden. Es soll zudem das „Spreu vom Weizen getrennt“ werden. Denn die USA wissen: Um im anstehenden Weltkrieg zu gewinnen und den neuen Anforderungen des Krieges im 21. Jahrhundert gerecht zu werden, können sie sich keine Fehler erlauben und brauchen eine Armee der Spitzenklasse.

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Die neue Kultur des Kriegerethos: Kadavergehorsam und Gewalt

Wie die Kultur des neuen „Kriegerethos“ Hegseths’ aussehen soll, führt er in seiner Rede mit zahlreichen Beispielen aus. Laut ihm brauche es eine neue Kultur und damit auch einen neuen Typ Soldat, der mit allen vorherigen Vorstellungen breche.

Es bräuchte „gute Führer, die sich der Kriegsführung verpflichtet fühlen“. Die Soldat:innen der Zukunft dürften sich nicht nur durch ihre Kompetenz und Professionalität auszeichnen. Sie müssen „aggressiv, apolitisch und loyal ihrem Schwur und der Verfassung“ sein. Man dürfe zwar Differenzen in der Meinung haben, sollte sich aber immer darüber bewusst sein, dass es in erster Linie darum geht, Befehle von „zivilen Führern“ (civil leaders) zu befolgen und durchzuführen. Der bereits überreife Personenkult von Trumps Anhängerschaft und seine christlich-fundamentalistischen Züge machen hier auch kein Rätsel daraus, wessen Befehle in Zukunft blinde Gefolgschaft geleistet werden wird.

Die „Hände der Kriegskämpfer“ müssten losgebunden werden, um „die Gegner unseres Landes einzuschüchtern, zu demoralisieren, zu jagen und zu töten.“ Das US-Militär müsse in die Lage versetzt werden, „überwältigende und bestrafende Gewalt auf unsere Gegner [zu entfesseln].“

„Das Zeitalter der politisch korrekten, überempfindlichen Führung, die niemanden verletzen will, endet jetzt auf allen Ebenen“. Jedes Mittel sei gerecht, um den neuen Kriegerethos heranreifen zu lassen. Neue Rekrut:innen sollen von ihren Vorgesetzten angeschrien, ihre Betten verwüstet, sie beleidigt und auch handgreiflich angegangen werden dürfen, um sie „zu motivieren, Krieger zu werden“. Autoritär-patriarchal, gewaltverherrlichend und zugleich fürchtend sollen die Charaktere der künftigen Krieger herangezogen werden.

Jeder, dem Hegseth’ Worte missfallen, der mit dieser Neuausrichtung nicht einhergehe und den neuen Voraussetzungen nicht gerecht werde, sollte „das ehrenhafte Ding tun und die Armee verlassen“.

Den „Feind des Inneren“ zuerst bekämpfen

Nachdem der Kriegsminister den Generälen die ideologische und politische Kehrtwende des US-Militärs vor Augen führte, kam nach circa einer Stunde auch der US-Präsident zu Wort. Er richtete den Blick auf das Hier und Jetzt und machte die Anwesenden schon mal mit den unmittelbar bevorstehenden Aufgaben bekannt.

Denn laut Trump müsse in erster Linie der „Feind im Inneren“ unter Kontrolle gebracht werden. Dabei warf er den „radikalen linken Demokraten“ vor, bewusst Kriminalität und Einwanderung unkontrolliert freien Lauf zu lassen.

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, wies er auf ein kürzlich unterzeichnetes Dekret zum Aufbau einer „schnellen Einsatztruppe, die Bürgerunruhen niederschlagen kann“ hin. „Gefährliche Städte“ sollen laut Trump dabei als Übungsgelände fürs Militär genutzt werden können und bei Protesten sollen Soldat:innen und die Nationalgarde „verdammt nochmal tun, was sie wollen“.

Als nächstes „Übungsgelände“ nimmt Trump wohl Chicago ins Visier, eine von einem demokratischen Gouverneur regierte Stadt. Bereits vor der Versammlung hatte Trump den Einsatz der Nationalgarde in einer weiteren demokratisch regierten Stadt, in Portland, bewilligt.

Egal wie oft Hegseth in seiner Rede die vermeintlichen Friedensabsichten der USA erklärt oder Trump sich selbst als „Friedenspräsident“ bezeichnet. Der selbst ernannte „Kriegsminister“, das umbenannte „Kriegsministerium“ und der neue „Kriegerethos“ zeigen doch recht klar, dass es sich hierbei um einen Teil der amerikanischen Weltkriegsvorbereitungen handelt.

Das Land wird auf Krieg umgestellt und angefangen wird bei den höchsten Offizieren. Unter ihnen soll ein neues Legitimitätsbewusstsein für den äußerst aggressiven Kriegskurs der USA geschaffen werden. Sie sollen sich ihrer Aufgabe bewusst sein, keine selbständigen, politischen Subjekte heranzuziehen, sondern durch reaktionäre und patriarchale Führungsmethoden einen blinden Kadavergehorsam unter dem Kanonenfutter der künftigen Schlachtfelder zu schaffen.

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