Trotz der am 10. Oktober in Kraft getretenen Waffenruhe zwischen der Hamas und Israel bleibt die Lage weiter angespannt. Ungeachtet der Vereinbarung befahl Netanyahu weitere Angriffe auf Gaza.
Am Dienstag ordnete Israels Premierminister Benjamin Netanyahu eine erneute Bombardierung Gazas an. Davon betroffen waren Ziele in Gaza-Stadt und der Küstenregion. Unter anderem wurde ebenfalls ein Gebiet nahe dem größten noch funktionierenden Krankenhaus in Gaza beschossen. Dutzende Palästinenser:innen wurden dabei getötet. Am gestrigen Mittwoch wurde diese Offensive noch einmal intensiviert. Laut dem Gaza’s Government Media Office wurden an einem Tag über 100 Menschen ermordet, darunter auch 52 Kinder.
Die israelische Regierung begründet ihren Bruch der Waffenruhe mit Vorkommnissen im südlichen Teil des Gaza-Streifens. Der israelische Armeesender berichtete, dass Hamas-Kämpfer auf israelische Soldat:innen geschossen haben sollen. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz sprach davon, dass die Hamas damit eine „rote Linie“ überschritten hätte und dafür büßen müsste. Die Hamas werde einen „hohen Preis zahlen für den Angriff auf israelische Soldaten in Gaza und für die Verletzung des Abkommens über die Rückgabe der getöteten Geiseln.“
Schwierigkeiten bei der Rückgabe der verstorbenen Geiseln
Israel Katz spielte darauf an, dass die Hamas bisher dem Repräsentanten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) nur 13 von den vereinbarten 28 verstorbenen Geiseln übergeben haben. Die Hamas setzte dem entgegen, dass es aufgrund der schwierigen aktuellen Begebenheiten in Gaza zu Verzögerungen komme. Erst Dienstagabend sollte ein weiterer Leichnam dem IKRK zugänglich gemacht werden, dies wurde allerdings aufgrund der israelischen Bombardements verschoben.
Zudem sollen zwei weitere tote Geiseln geborgen worden sein. Eine Übergabe ist bisher nicht datiert. Es besteht die Möglichkeit, dass die Hamas aufgrund der erneuten israelischen Offensive die beiden Leichname als Faustpfand zurückhalten möchte. Auch Israel sorgte vor Kurzem für Schlagzeilen bei der Übergabe von getöteten palästinensischen Geiseln. Die nach Gaza überführten 165 Leichen wiesen deutliche Anzeichen für Folter auf.
Leichen palästinensischer Gefangener zurück in Gaza – Anzeichen für Folter durch Israel
USA hält an „Frieden“ fest
Trotz der anhaltenden Angriffe hält der US-Präsident Donald Trump weiterhin am „Frieden“ in Gaza fest. Sein Vize JD Vance pflichtet ihm bei und sieht die Waffenruhe nicht gestört. „Das bedeutet nicht, dass es hier und da nicht kleine Scharmützel geben wird“ wird er zitiert. Was er damit ausdrücken möchte, wird anhand einer Statistik von Al-Jazeera konterkariert. Seit der Waffenruhe vom 10. Oktober wurden mindestens 211 Palästinenser:innen getötet und knapp 600 weitere verletzt.
Hinzu kommt, dass der faschistische israelische Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir will, dass die israelische Armee „die Kämpfe im Gazastreifen mit maximaler Gewalt wieder vollständig aufnimmt“. Unterdessen erklärte der Oppositionsführer und ehemaliges Mitglied des israelischen Sicherheitsrates Benny Gantz, dass Israel sich alle Optionen offenhalten sollte, „einschließlich einer Rückkehr zu militärischen Manövern“.
Israel bricht Waffenruhe – Spannungen in der Regierung und mit den USA
Währenddessen verurteilt der Generalsekretär der Vereinten Nationen Antonio Guterres die Tötungen palästinensischer Zivilist:innen und insbesondere Kinder. Er pocht weiterhin darauf, dass die gegenseitigen Verpflichtungen, der 20-Punkte-Plan, eingehalten werden, um weitere zivile Opfer vermeiden zu können und humanitäre Hilfe gewährleistet werden kann. Außerdem lobte er die diplomatischen Bemühungen Ägyptens, Katars, der Türkei und der Vereinigten Staaten.
Inzwischen hat Israel die kürzlich befohlenen Angriffe für beendet erklärt. Ob es zu weiteren Angriffen kommt, steht offen. Der Waffenstillstand gilt als fragil. Friedensvereinbarungen sind bislang nicht abzusehen.

