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Lufthansa: 4.000 Stellen mit KI ersetzen und rein ins Drohnen-Geschäft

Trotz weltweit boomender Luftfahrt steckt die größte deutsche Airline weiterhin in der Krise. Die Entlassung von 4.000 Arbeiter:innen soll Abhilfe leisten. Mit KI und Rüstungsgeschäften will sich die Lufthansa nun retten.

Die deutsche Wirtschaft ist seit Jahren in der Krise. Das zeigt sich besonders in der Autoindustrie, dem wohl größten Zugpferd der deutschen Volkswirtschaft. Der Autozulieferer Bosch etwa kündigte vor wenigen Tagen an, weitere 13.000 Beschäftigte entlassen zu wollen.

Auch in der kommerziellen Luftfahrt ist Deutschland mit dem Lufthansa-Konzern ein wichtiger Akteur. Und auch der steckt in einer Krise. Bis 2030 sollen bei der Lufthansa ebenfalls Tausende Stellen gestrichen werden, gab der Konzern in dieser Woche bekannt.

Ähnlich wie etwa Volkswagen in der Autobranche ist Lufthansa mittlerweile mehr als nur die bekannte deutsche Airline mit dem Kranich auf dem Firmenlogo. Die ehemals staatliche Airline hat in den vergangenen Jahren immer mehr europäische Konkurrenten übernommen und besitzt aktuell 13 Airlines, die jeweils unter eigenem Namen auftreten.

Dazu gehören mit SWISS, Austrian Airlines, ITA Airways oder Brussels Airlines die größten Fluglinien der Schweiz, Österreichs, Italiens oder Belgiens. Neben Passagier-Airlines betreibt die Lufthansa auch Frachtunternehmen und eine Tochterfirma für Wartung und Reparatur.

Massiver Stellenabbau bei Bosch – deutsche Autoindustrie ächzt weiterhin

Nach Corona nicht vollständig erholt

Richtig gut lief es bei der Lufthansa zuletzt in den Jahren vor 2020. 2017 ging mit Air Berlin der größte deutsche Konkurrent bankrott. Aus der Insolvenzmasse konnte sich Lufthansa unter anderem Flugzeuge, Personal sowie Start- und Landerechte zu guten Konditionen sichern. Anschließend verkündete Lufthansa den höchsten Gewinn der Firmengeschichte und der Aktienkurs stieg auf ein Allzeithoch. Doch mit der Corona-Pandemie und dem massiven Einbruch der weltweiten Luftfahrt stürzte das Unternehmen ab.

Der Lufthansa-Konzern stand 2020 ebenfalls kurz vor der Pleite und konnte sich nur durch einen staatlichen Eingriff mit Steuergeldern retten. Der deutsche Staat übernahm 20 Prozent der Anteile seines wichtigsten deutschen Luftfahrt-Monopols zu einem Preis deutlich unter Börsenniveau. Neun Milliarden Euro Steuergelder gingen damals an die Lufthansa. Der Luftverkehr kam danach schneller wieder in Gang als erwartet und Lufthansa zahlte die Anteile schon bis Ende 2021 wieder an den Bund zurück. Zwei Jahre danach wertete das EU-Gericht den Einstieg als unrechtmäßig.

Doch an die Zahlen vor der Pandemie konnte Lufthansa bis heute nicht wieder anknüpfen. Die Passagierzahlen liegen noch unter denen von 2019. Von etwa 140.000 Beschäftigten arbeiten heute nur noch etwa 100.000 Personen im Konzern. Trotz starker Inflation erreichte der Umsatz 2024 nur etwa den Wert von 2019. Der Gewinn brach im Jahr 2024 wieder deutlich ein und die Kernmarke schrieb dabei sogar rote Zahlen. Den Gewinn von immerhin 1,4 Milliarden Euro flog Lufthansa demnach nicht in Deutschland, sondern aus internationalen Airlines ein.

Hohe Abgaben für Airlines in Deutschland

Einer der Gründe, warum die Lufthansa Verluste einfährt, aber die Swiss Airline etwa Gewinne macht, sind die hohen Standortkosten in Deutschland. In keinem anderen Land Europas zahlen Airlines so viel Geld für Luftverkehrssteuer, Luftsicherheitsgebühren oder Flugsicherheitsgebühren. Der Chef der irischen Billigairline Ryanair, Eddie Wilson, erklärte im September: „Deutschland ist weitgehend unrentabel geworden“.

Trotz hoher Nachfrage verschieben wegen der hohen Abgaben europäische Billigairlines wie Ryanair, Easyjet oder Wizz Air ihre Routen daher für mehr Profite ins Ausland. Viele deutsche Flughäfen sind deshalb auch heute noch weit unter ihrer Auslastung vor 2020. Die deutschen Airlines der Lufthansa-Gruppe können ihr Geschäft nicht einfach ins Ausland verlegen. Sie müssen daher ihre Preise anziehen oder auf höhere Gewinne verzichten.

Kerosinpreise und veraltete Flotte

Der Wiederaufschwung der Luftfahrt nach der Pandemie fiel auch in die Zeit des Ausbruchs der Ukrainekriegs. Der Krieg sorgte mit dem Explodieren der Öl- und Gaspreise auch für extrem gestiegene Kerosinpreise. Da Kerosin etwa ein Drittel vom Flugpreis ausmacht, hat das einen besonders hohen Einfluss auf das Buchungsverhalten. Zwar sank der Kerosinpreis in den vergangenen zwei Jahren kontinuierlich, jedoch hat der Krieg zwischen Israel und dem Iran beispielsweise gezeigt, wie schnell auch dort wieder die Preise steigen können.

Ein Mittel, um hohe Ölpreise abzufedern, ist eine moderne und effizientere Flugzeugflotte. Auch da zieht die Lufthansa aktuell eher den Kürzeren im Vergleich zur internationalen Konkurrenz. Mit den Baureihen Airbus A340, A380 und Boeing 474-400 betreibt die Lufthansa noch drei 20 bis 30 Jahre alte Flugzeugtypen, die jeweils vier alte Triebwerke haben und viel Treibstoff verbrauchen.

In den kommenden Jahren sollen zumindest zwei der drei Typen dauerhaft aussortiert werden. In der gesamten Lufthansa-Gruppe soll dadurch die Zahl an verschiedenen Flugzeugtypen von 13 auf neun gesenkt werden. Die Vereinheitlichung soll Kosten in Betrieb und Wartung sparen. Gleichzeitig verspäten sich auch Lieferungen neuer Flugzeuge von Boeing oder Airbus durch dortige Probleme in der Produktion.

Stellen werden durch KI ersetzt

Die 4.000 geplanten Stellenstreichungen bis 2030 sind Teil des Sparprogramms „Turnaround“, das der Konzern schon 2023 startete. Das Programm sollte zu Einsparungen in Personal und Material führen. Doch das Gegenteil ist bisher der Fall. Rund zehn Prozent stiegen die Kosten in beiden Bereichen.

Jetzt folgen also als drastischer Schritt tausende Entlassungen. Die Stellen sollen vorrangig in Verwaltung und IT wegfallen. Die in diesen Bereichen wegfallenden Stellen wären knapp ein Fünftel der administrativen Beschäftigten der Lufthansa-Gruppe. Der Konzern spricht offen davon, Aufgabenbereiche durch Künstliche Intelligenz ersetzen zu wollen. Weitere 1.500 Stellen könnten zudem aus Deutschland ins Ausland verlagert werden. Die 4.000 gekürzten Stellen sollen „sozialverträglich“ abgebaut werden, heißt es von Unternehmensseite.

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Aufrüstung als Ausweg?

Wie auch für die deutsche Autoindustrie und ihre Zulieferer könnte die von der Bundesregierung ausgerufene Zeitenwende auch ein Ausweg aus der wirtschaftlichen Krise der Lufthansa sein. Die Lufthansa Technik als Tochterfirma der Lufthansa Gruppe ist aktuell für die Wartung, Reparatur und Umbau von Passagierflugzeugen zuständig. Künftig soll sie als „Lufthansa Technik Defense“ auch in Krieg und Aufrüstung mitmischen. Sören Stark, CEO von Lufthansa Technik, erklärte gegenüber dem Handelsblatt: „Es braucht eine einsatzbereite Bundeswehr. Und ich bin davon überzeugt, dass wir hier unseren Beitrag leisten können“.

In einer Kooperation mit dem israelischen Waffenhersteller Elbit übernimmt die Lufthansa Technik zukünftig Wartung, Instandhaltung und Ausbildung von Personal in einem Kriegsdrohnen-Projekt. Acht israelische Drohnen des Typs Hermes für die deutsche Marine sollen von Lufthansa Technik Defense in Hamburg unterstützt werden.

Außerdem soll die Lufthansa Technik Wartungsarbeiten für neu gelieferte Transporthubschrauber und Kampfjets der Luftwaffe übernehmen. Auch Passagierflugzeuge könnten bei der Lufthansa Technik bald in Militärmaschinen umgebaut werden. Wie auch bei der Internationalen Pariser Luftschau 2025 wurde sichtbar: Die Luftfahrtbranche ist im Zeitalter der Zeitenwende angekommen.

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