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10-Milliarden-Fregatte: Damen gibt F126-Projekt ab – Rheinmetall soll übernehmen

Unter Verteidigungsministerin von der Leyen wurde europaweit ein massives Rüstungsvorhaben für die deutsche Marine angekündigt. Nun sind bereits zehn Jahre seit der Ankündigung des F126-Projekts vergangen. Der niederländische Schiffsbauer Damen Naval gibt das milliardenschwere Projekt nun an eine Rheinmetall-Tochter ab.

1,8 Milliarden Euro sind bereits für eine neue F126 Fregatte ausgegeben. Ursprünglich waren für mehrere Fregatten insgesamt rund 10 Milliarden Euro eingeplant. Doch der produzierende Schiffsbauer Damen Naval hat vermehrt Probleme mit der Fertigstellung einer solchen F126, vornehmlich bei der IT. Es gebe Probleme mit Schnittstellen in ihrer Konstruktions- und Fertigungssoftware.

2015 hatte die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ursprünglich den Kauf von sechs 166 Meter langen Fregatten für die Bundeswehr angekündigt. Das Projekt wurde europaweit ausgeschrieben, was in der deutschen Werftenbranche Kritik auslöste. 2020 erhielt das niederländische Unternehmen Damen Naval den Auftrag. Die Schiffe sollten zwar von Damen entwickelt, aber vollständig bei der deutschen Werft Blohm + Voss in Wolgast und Kiel gebaut werden. Mindestens 70 Prozent der Wertschöpfung sollten so in Deutschland bleiben.

Wechsel zu Rheinmetall geplant

Um das Projekt zu retten, plant Verteidigungsminister Pistorius nun den Wechsel von Damen Naval zu Naval Vessels Lürssen (NVL) – ein Unternehmen, welches im Begriff ist, von Rheinmetall übernommen zu werden.

Etwa 33 Millionen Euro sollen an Damen gezahlt werden, damit sie sämtliche Projektdaten, wie beispielsweise Konstruktionspläne, an NVL übergibt. Dies stellt einen Schlüsselschritt im F126 Vorhaben dar, denn nur wenn NVL sämtliche Daten des Projekts hat, kann beurteilt werden, inwieweit und ob dieses von NVL getragen werden kann.

Derweil werden Alternativen im Fall des Scheiterns des Vorhabens bereits geplant. Der Bundestag hat im Haushalt ganze 7,8 Milliarden Euro für mögliche Alternativen zur F126 vorgesehen. Dabei ist eine häufig genannte Ausweichoption ein Kriegsschiff des Meko-Designs. Dieses sei, wie die F126, für die U-Boot-Jagd geeignet und wurde bereits erfolgreich nach Ägypten verkauft. An die Fähigkeiten des Mehrzweckkampfschiffs F126 würde es jedoch nicht heran kommen.

Diese Entwicklung würde zudem bedeuten, dass die bis jetzt ausgegebenen Milliarden verloren gingen. Insgesamt stehen also Probleme beim Generalunternehmer, steigende Gesamtkosten und das Risiko eines Projektabbruchs im Raum.

Hunderte Millionen zur Insolvenzverhinderung

Das Unternehmen Damen hatte während des bisherigen Produktionsprozesses bereits mit starken finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Durch Subventionen in Höhe von 270 Millionen Euro rettete die niederländische Regierung das Unternehmen. Ähnlich verhielt es sich in Folge von Produktionsverzögerungen bei deutschen Zulieferunternehmen. Um Insolvenzen zu vermeiden, hat die deutsche Regierung hunderte Millionen Euro bereitgestellt.

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