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Aufrüstung: Drohnen und Daten für die Bundeswehr

Die Einkaufsliste der Bundeswehr bis zum Jahresende wird immer länger. Um zukünftig die logistische Komplexität der zahlreichen Aufrüstungsvorhaben zu überblicken, will die Bundeswehr auch auf die Hilfe von deutschen Unternehmen bauen.

Deutschland arbeitet weiter an der Vision, die stärkste konventionelle Armee in Europa zu schaffen. Nachdem bereits vor wenigen Tagen mehrere Beschaffungsprojekte der Bundeswehr bekannt geworden waren, soll auch diese Woche im Verteidigungsausschuss über mehrere Einkäufe beschlossen werden.

Unter anderem sollen 20 weitere leichte Kampfhubschrauber von Airbus die Helikopter-Flotte der Bundeswehr verstärken. Das Modell ist bereits seit einem Jahr bei der Bundeswehr im Einsatz und wurde in seiner militärischen Variante für schnelle Angriffsmissionen, Truppentransporte und Evakuierungen weiterentwickelt.

Von Kampfpanzern bis zu High-Tech-KI und Satelliten: Die Einkaufsliste der Bundeswehr

Weitere Details bei Drohneneinkäufen

Im immer mehr an Bedeutung gewinnenden Drohnenkrieg sieht Deutschland größeren Aufholbedarf und fördert die Produktion von unbemannten Aufklärungs- und Kampfeinheiten. Vor allem deutsche Startups wie Stark Defence und Helsing laufen hier den großen Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall derzeit noch den Rang ab. Zuletzt kam es jedoch bei Drohnentests der beiden deutschen Startups zu Schwierigkeiten.

Bekannt geworden ist nun auch, dass Deutschland offenbar bereit ist, beim Ankauf von Drohnen auch auf den israelischen Hersteller Elbit zu setzen. Aus internen Unterlagen der Bundeswehr, die dem Portal Politico vorliegen, geht hervor, dass Elbit Drohnen im Wert von 700 Millionen Euro liefern soll.

Dabei handelt es sich um sogenannte Kamikaze-Drohnen – also Flugobjekte, die über ihrem Einsatzort kreisen, dort nach Zielen Ausschau halten und sich dann auf diese hinabstürzen, um wie Artilleriegeschosse zu explodieren. Elbit, das seine Waffentechnologien von der israelischen Armee immer wieder in Kriegen gegen die Palästinenser:innen live testen lässt, ist der größte private israelische Rüstungsproduzent. In Deutschland verfügt Elbit bereits über mindestens zwei Standorte.

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Verzahnung mit der deutschen Industrie

Dass ausländische Waffenproduzenten die Lücken der Bundeswehr schließen sollen, ist aber eher die Ausnahme. Aus der vorliegenden Liste der Aufrüstungspläne geht deutlich hervor, dass die Milliardenhochrüstung neben der rein militärischen vor allem auch eine wirtschaftliche Bedeutung für Deutschland hat. Die Aufrüstung ist auch ein riesiges Konjunkturpaket für die deutsche Schwer- und Hightechindustrie.

Vor allem der Konzern Rheimetall wird von der Aufrüstung profitieren. Rheinmetall treibt im Zuge der Aufrüstung auch den Umbau der deutschen Industrie zur Aufrüstungsindustrie voran. Erst kürzlich erkläre Rheinmetall-CEO Papperger in einem Interview mit dem ZDF, in Neuss ein Automobilwerk in ein Vorzeigewerk der Satelliten- und Drohnenproduktion umwandeln zu wollen.

Doch nicht nur durch den direkten Umbau soll die deutsche Industrie die Aufrüstung gewährleisten. Im von der Bundeswehr entwickelten Operationsplan für Deutschland ist vorgesehen, dass die deutsche Industrie im Kriegsfall noch weitgehender für militärische Zwecke eingespannt wird. Neben der reinen Produktion bezieht sich der Plan auf die Einbindung der Privatwirtschaft in die gigantische logistische Aufgabe der Aufrüstung, wie eine neue Studie erläutert.

Konkret geht es dabei darum, dass deutsche Unternehmen Daten, die sie ständig für ihr eigenes Monitoring der Produktion erheben, der Bundeswehr zur Verfügung stellen. Dazu gehören Daten über verfügbare Infrastruktur, Materialbestände, Knappheiten, Lieferketten und Lieferzeiten sowie geopolitische Entwicklungen. So sollen sie dabei helfen, logistische Herausforderungen im Kriegsszenario zu bewältigen.

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