Griechenland soll Knotenpunkt für US-Importe werden und russisches Gas ersetzen. Verträge dazu schlossen jetzt Vertreter:innen der USA und der EU bei Verhandlungen in Athen ab. Zudem sollen weitere Gasfelder im Mittelmeer erkundet werden – derweil sich die Welt gerade auf die 30. Weltklimakonferenz in Brasilien vorbereitet.
Am Freitag haben die USA und Griechenland einen 20-jährigen Vertrag zur Versorgung Europas mit LNG (Liquified Natural Gas) unterzeichnet. Dieser soll ab dem Jahr 2030 die bisherige Importmenge von US-LNG um 2 Milliarden Kubikmeter pro Jahr erhöhen. Dies kommt zu den bereits seit 2020 verdreifachten Importen Griechenlands hinzu.
Der Anstieg der Gasimporte Griechenlands ist dabei nicht auf ein massives Anwachsen des Bedarfs in Griechenland selbst zurückzuführen. Laut dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis bleibt „der Großteil des Gases, das derzeit nach Griechenland geliefert wird, nicht in Griechenland“. Im Gegenteil: Es wird über die Transbalkan-Pipeline exportiert. Dabei ist der Hauptabnehmer des Gases die Ukraine.
Ausbau der Gasinfrastruktur in Europa
Neben dem Ausbau des Exports in die Ukraine wird über Griechenland ein Knotenpunkt für den Import von US-LNG nach Europa aufgebaut. Damit soll laut den US-Vertreter:innen selbst jedes Molekül russischen Gases ersetzt werden. Der Ausbau kann dabei als Teil des Abkommens zwischen der EU und den USA angesehen werden, das die EU dazu verpflichtet, den USA Öl, LNG und Nukleartechnologie im Wert von 250 Milliarden Dollar abzukaufen.
Des weiteren besteht ein Grund für den Ausbau der Infrastruktur in Südosteuropa im Wegfall von russischem Gas in der EU aufgrund der Sanktionen wegen des Ukraine-Kriegs. Der Umbau befindet sich bereits seit 2022 kontinuierlich in der Weiterentwicklung: seien es die neuen deutschen LNG-Terminals unter der Ampelregierung oder eben der Ausbau der Transbalkan-Pipeline durch Griechenland, Bulgarien und die Ukraine.
Dennoch wurden Donnerstag und Freitag in einem Treffen zwischen 23 europäischen Staaten und den USA weitere Schritte in diese Richtung unternommen. Es wurde bei dem Treffen das Ziel ausgegeben, bis 2027 keine russischen Gasimporte mehr beziehen zu wollen. Um dies zu gewährleisten, wird Griechenland daher zum Knotenpunkt der Gasimporte ausgebaut, von dem aus Europa dann US-amerikanisches Gas beziehen kann.
Spannungen über Gas im Mittelmeer
Das Gas aus den USA ist hierbei nicht das einzige Gas, das für Europa in Frage kommt. Denn auch im östlichen Mittelmeer liegt Erdgas. Auf dieses Erdgas werden Ansprüche sowohl von der Türkei als auch von Griechenland erhoben. Zuletzt hat die Türkei dabei einen herben Rückschlag hinnehmen müssen, als ein Abkommen zwischen Libyen und der Türkei scheiterte. Dieses hätte es der Türkei mit Zustimmung Libyens ermöglicht, in den umstrittenen Seegebieten nach Erdgas zu bohren.
Dieser Rückschlag für die Türkei ist wiederum ein Vorteil für Griechenland, um seinen Einfluss in der östlichen Mittelmeerregion auszubauen. Teil dieser Strategie sind Bohrabkommen mit den USA, die es US-Firmen ermöglichen, das Erdgas in der Region zu fördern und dann über Griechenland an Europa zu verkaufen.
Türkei und Griechenland: Streit um Territorien und Erdgasvorkommen im Mittelmeer
Globaler Rückzug aus dem Klimaschutz
Diese Entwicklungen – sowohl der Ausbau der Gasinfrastruktur in Europa als auch die geplante Förderung neuer Erdgasquellen – kommen kurz vor der 30. Weltklimakonferenz in Brasilien ab Montag. Entgegen der Zielsetzungen und Verlautbarungen zum Klimaschutz der internationalen Gemeinschaft in den letzten Jahren wird damit von den USA – angetrieben von großen Ölkonzernen und Kapital-Vertretern wie Bill Gates – ein Rückzug vom Ausstieg aus fossilen Brennstoffen vorangetrieben.
Kehrtwende in der Klimapolitik: Gates & Co. vor COP30 für weniger Klimaschutz
Im Schatten dieser Rückschritte beim Klimaschutz waren dieses Jahr neue Rekordtemperaturen in Deutschland sowie eine weitere Welle von Naturkatastrophen wie der Hurrikan „Melissa“ in der Karibik oder die Flutkatastrophe in Vietnam zu beobachten. Daneben warnen neue Studien davor, dass das 1,5 Grad -Ziel nicht mehr erreicht werden könne und eine Erwärmung um 3 Grad bis zum Jahr 2050 im Bereich des Möglichen liegt.

