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Cloudflare-Ausfall: Warum ChatGPT, TikTok und X kurzzeitig down waren

Die jüngste technische Störung legte Webseiten wie ChatGPT, X und TikTok lahm. Die Ausfälle zeigen, dass viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens vom Internet abhängig sind. Die meisten Internet-Plattformen sind wiederum von wenigen Big Tech-Konzernen abhängig. – Ein Kommentar von Aziza Mounir.

Wer am 18. November noch auf den letzten Drücker seine Hausarbeit mit ChatGPT fertig schreiben wollte, musste nach einem ersten Schock feststellen, dass die Webseite nicht erreichbar war – und auf einen anderen Chatbot ausweichen. Grund für den Ausfall war der Konzern Cloudflare. Der prognostizierte Gewinn des Unternehmens im Jahr 2025 beträgt 2 Milliarden Euro.

Cloudflare ist ein globaler Internet-Infrastruktur- und Sicherheitsanbieter. Er filtert und schränkt den Datenverkehr zwischen Nutzer:innen und den Servern ein. Gefiltert werden beispielsweise potenziell schädliche Anfragen oder Cyberattacken. Außerdem wird durch Cloudflare die Ladezeit verkürzt und somit die Verfügbarkeit der jeweiligen Website maximiert.

Big Tech-Konzerne von ChatGPT über X bis TikTok benutzen Cloudflare für ihre Webseiten. Doch durch einen Fehler im Cloudflare-System (in der „Bot-Abwehrfunktion“) kam es zu Systemabstürzen. Die entsprechenden Webseiten konnten temporär nicht aufgerufen werden. Innerhalb eines Nachmittags wurde der Fehler behoben und das System funktionierte wieder normal. Ausfälle bei Cloudflare gab es in den vergangenen Jahren immer mal wieder. Sie betrafen unter anderem die Webseiten von Discord, Coinbase oder Dropbox.

Innerhalb eines Monats war der jüngste Ausfall bereits der zweite großflächige globale Ausfall. Zuvor war es ein Systemfehler bei Amazons Cloud-Dienst AWS. Der Messenger-Dienst Signal war dadurch über mehrere Stunden nicht abrufbar. Welche tiefgreifenden Einschnitte in den Alltag solche Systemfehler haben, zeigt auch eine Störung bei Microsoft im Jahr 2024. Durch den Fehler waren sogar der Flugverkehr, Banken und Krankenhäuser lahmgelegt.

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Das Problem der Monopole

Mit jedem Ausfall wird noch einmal deutlicher, wie komplex die Infrastruktur des Internets ist. Von sozialen Medien und Nachrichtenportalen über Dienstleistungs-Apps und Unternehmenstools bis hin zu kritischer Infrastruktur: Um die Fülle des Internets benutzen zu können, sind Nutzer:innen auf wenige Anbieter im Bereich der Software und Hardware angewiesen. Zwar ist der gesamte technische Prozess der Informationsübertragung in viele kleine Arbeitsschritte eingeteilt. Die Prozesse jedoch werden von wenigen Monopolkonzernen ausgeführt. Hier entsteht eine Abhängigkeit zu Tech-Konzernen und folglich auch zu ihrem Know-how, mit Störungen umzugehen. Eine einfache Abhängigkeit für Plattformen, eine doppelte für Nutzer:innen.

Durch diese Bündelung und Ausführung von Prozessen, beispielsweise durch einen Sicherheitsanbieter wie Cloudflare, sind durch eine Störung sehr viele weitere Akteure betroffen. Eine Bündelung gibt es auch häufig bei der räumlichen Verortung der Server.

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Souveränität, auch im digitalen Bereich, wird daher nicht erreicht, indem wenige Konzerne gesamte Kernprozesse abwickeln. Für digitale Infrastruktur bedeutet das die Nutzung von Open-Source-Software, wodurch mehr gesellschaftliche Ressourcen für Tests, Backups und Sicherungen für kritische IT-Systeme bereitgestellt werden können. Anhand der Abhängigkeiten erscheint es sinnvoll, Infrastruktur dezentral zu denken – und für den Notfall auch auf alternative Wege des Informationsaustauschs abseits digitaler Plattformen zurückgreifen zu können.

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