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Eskalation in Mexiko: „Gen Z-Protest“ oder rechte Inszenierung?

In der mexikanischen Hauptstadt eskalierten über das Wochenende wiederholt Proteste gegen die Regierung. Den Veranstalter:innen zufolge protestieren sie gegen Korruption und den Einfluss der Kartelle im Land. Nun werden Stimmen lauter, die die vermeintlichen „Gen Z-Proteste“ in Mexiko nach nepalesischem Vorbild als Inszenierung bezeichnen.

Etwa 17.000 Menschen gingen am Samstag in Mexiko-Stadt auf die Straße. Der Einfluss der Kartelle und die weit verbreitete Korruption wurden von den Veranstalter:innen als zentrale Gründe der Demonstration genannt.

Die Kundgebung folgte auf eine Reihe von Protesten in verschiedenen Teilen Mexikos nach der Ermordung des kartell-kritischen Bürgermeisters Manzo. Seine kompromisslose Politik gegen Kartelle machte ihn bei großen Teilen der städtischen Bevölkerung besonders beliebt.

Wie authentisch sind die mexikanischen „Gen Z-Proteste“?

Nach ersten Ausschreitungen im Bundesstaat Michoacán kündigte ein bislang wenig sichtbares Bündnis eine zentrale Demonstration in Mexiko-Stadt an. Allerdings mehren sich nun Stimmen, die der Bewegung unterstellen, nicht authentisch zu sein. Vor dem Marsch durch die Innenstadt soll ein Milliardär seine Unterstützung für das Vorhaben erklärt haben. Laut Präsidentin Claudia Sheinbaum ist es Ricardo Salinas Pliego, der zusammen mit weiteren rechten Kreisen den Protest mitfinanziere.
In sozialen Medien kursieren Fotos von Erwachsenen mit Fahnen und Bekleidung, die das Symbol der Strohhut-Piraten aus dem Anime „One Piece“ zeigen – ein Motiv, das international oft mit der Generation Z assoziiert wird.

One Piece – die Fahne der Jugend

Ebenso gibt es Berichte über judenfeindliche Parolen an Wänden sowie Symbolik, die mit Großgrundbesitzer:innen verknüpft wird. Mehrere der Gruppen, die ursprünglich Teil der Protestbewegung waren, distanzierten sich später von den Ausschreitungen in Mexiko-Stadt.

Mord an Bürgermeister Manzo als Auslöser

Der vorherige Mord an Carlos Manzo, Bürgermeister von Uruapan, gilt als Auslöser der Proteste. Manzo war bekannt für seine strikte Haltung gegen die Kartelle: mehr Militarisierung der Polizei, stärkere Rechte für das Militär und eine „Null-Toleranz“-Politik gegenüber Kriminellen. Seine unerschrockene, oft polarisierende Art verschaffte ihm Respekt vor allem bei jenen, die unter der Kartellgewalt litten.

Sein Tod bei den Feierlichkeiten zum Día de Muertos, dem wohl wichtigsten Feiertag im mexikanischen Kalenderjahr, brachte Tausende unter dem Motto „Genug von Missständen und Versäumnissen“ auf die Straße, um ein entschlosseneres Vorgehen gegen Korruption und Kartellgewalt zu fordern. Einige Demonstrant:innen stürmten einen Regierungspalast und kämpften mit der Polizei.

KI-generierte Aufrufe und ein altes Publikum

Nach den Protesten erheben nun einige auf Social Media den Vorwurf des „Astroturfing“ – dass die Bewegung nicht wirklich von Jugendlichen, sondern von politischen Eliten gelenkt sei. Viele betonen, dass die als „Gen-Z-Protest“ vermarktete Bewegung in Wahrheit von erwachsenen, wohlhabenden Unterstützer:innen getragen werde. Das linke US-amerikanische Magazin CounterPunch berichtet unter anderem von einem sehr alten Publikum auf den Demonstrationen sowie von KI-generierten Demonstrationsaufrufen im Vorfeld der Proteste.

Kämpfen wie die Jugend in Nepal, Indonesien und Deutschland?

Zudem wird von Verboten von palästinensischen Fahnen gesprochen, von Forderungen nach einer 40-Stunden-Woche und der Präsenz antikommunistischer sowie katholischer Ikonographie auf der von rechten Gruppen organisierten Demonstration.
„Am Samstag stellten wir fest, dass die überwiegende Mehrheit nicht der Generation Z angehörte; es waren zwar einige junge Leute dabei, aber die meisten waren nicht mehr jung“, sagte Präsidentin Sheinbaum in einem Statement.

Der Ursprung der Ausschreitungen steht damit zunehmend in Frage. Im Kontext globaler Spannungen – etwa angesichts politischer Eskalationen und medienwirksamer Operationen – äußern viele die Sorge, dass auch in Mexiko politische Bewegungen instrumentalisiert werden könnten.

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