Seit 1981 wird am 25. November zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen protestiert. Auch 2025 begaben sich wieder tausende Frauen in ganz Deutschland mit verschiedensten Aktionen und Forderungen auf die Straße. Im Fokus standen Aufrüstung, der Rechtsruck und Kürzungen im Sozialen.
Wie in jedem Jahr seit 1981 wurde am 25. November der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen begangen. Schon im Vorhinein mobilisierten verschiedene Organisationen in vielen Städten Deutschlands für diesen Tag. Besonders in den Großstädten gab es an dem Tag größere Demonstrationen breiter Bündnisse, unter anderem auch mit revolutionärer Beteiligung.
Revolutionäre Vorabendaktionen und breite Bündnisdemonstrationen
In vielen Städten wurden deswegen Vorabenddemonstrationen oder Kundgebungen von revolutionären Kräften veranstaltet. So zum Beispiel in Berlin, wo sich verschiedene sozialistische und kommunistische Organisationen unter der Losung „Gegen ihre Kriege – Frauen in die Offensive“ die Straßen Berlins nahmen. Beteiligt waren unter anderem die Föderation Klassenkämpferischer Organisationen (FKO), Kommunistische Frauen, Young Struggle, Zora, Pride Rebellion, KGÖ und MLKP/KKÖ.
Am 25. November selbst gab es eine größere Demonstration unter dem Motto „Kürzt ihr uns zu Tode?! – Lasst uns gewaltfrei leben!“, welche am Brandenburger Tor ihren Anfang fand. Zu dem Bündnis der Demonstration zählten unter anderem die Arbeiterwohlfahrt, die Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen (Big), der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband und das Frauenzentrum Ewa. Thematisiert wurden hierbei unter anderem die Kürzungen des Berliner Senats, welche auch aktuell Präventionsarbeiten verhindern.
„Berlin lässt uns verrecken!“ – Frauen protestieren gegen Kürzungen von Hilfsangeboten
In Leipzig gab es am Tag selbst, ähnlich wie in Berlin, mehrere Demonstrationen. Am frühen Nachmittag veranstaltete ein breiteres Bündnis – von den DGB-Gewerkschaften, über antifaschistische Netzwerke bis zur SPD – eine Demonstration mit etwa 500 Teilnehmer:innen. Am Nachmittag gab es zwei revolutionäre Demonstrationen im Leipziger Westen und Süden, welchen sich jeweils mehrere hundert Personen anschlossen und wo besonders die Zusammenhänge von Kapitalismus und Patriarchat thematisiert worden sind. Auch die Solidarität mit dem palästinensischen Befreiungskampf spielte hier eine wichtige Rolle.
Repression gegen Palästinasolidarität in Berlin
Die Solidarität mit den Palästinenser:innen wurde auch am 25. November selbst von der Polizei zum Anlass genommen, Demonstrierende mit Repressionen zu überziehen. So wurde in Berlin eine Demonstration veranstaltet, welche sich explizit auf die Situation in Palästina fokussierte. Thematisiert wurde dabei die Gewalt des israelischen Staates an palästinensischen Frauen, besonders auf Grund des aktuell stattfindenden Genozids.
Im Zuge dessen entfernte die Berliner Polizei Porträts von gefangenen palästinensischen Frauen vom Lautsprecherwagen und nahm außerdem mehrere Teilnehmer:innen fest. Grund dafür sei wohl das Rufen der Parole „From the river to the sea, Palestine will be free“ gewesen. Die Parole ist in der Palästina-Bewegung seit jeher etabliert und wird – trotz der Entscheidung mehrerer Gerichte, dass sie nicht strafbar sei – immer wieder zum Anlass für Repressionen gegen die Bewegung genutzt.
Kürzungen, Aufrüstung und Rechtsruck
In Essen gab es eine Demo von Sozialarbeiter:innen am 25. November, die auch vor allem die Kürzungen der Regierung in diesem Bereich thematisierten. Hier beteiligten sich auch revolutionäre Kräfte wie die FKO, welche am Abend zuvor bereits eine Vorabenddemo organisierte.
In Stuttgart gab es eine große Demo von etwa 1.000 Personen. Innerhalb der Demo gab es einen „Frauenrevolutionsbereich“, den revolutionäre Organisationen wie die FKO, Zora und Kommunistische Frauen stellten. Immer wieder hallten Rufe wie „Dieser Staat schützt mich nicht, meine Schwestern schützen mich“ durch die Straßen Stuttgarts.
Mit derartigen Parolen soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass der Staat kaum etwas gegen Gewalt an Frauen unternimmt, Gelder für Frauenhäuser kürzt und besonders die Polizei oft selbst Gewalt gegen Frauen systematisch anwendet. Statt sich auf den Staat zu verlassen, müsse man sich also gemeinsam mit seinen Schwestern organisieren. Auch an die Revolutionärin Ivana Hoffmann wurde gedacht, die 2014 in Rojava unsterblich wurde, als sie erfolgreich die Frauenrevolution mit der Waffe in der Hand gegen den IS und den türkischen Staat verteidigte.
Patriarchale Gewalt und Rechtsruck ziehen an – Frauen kämpfen dagegen Hand in Hand
In Köln fand ebenso eine größere Demonstration des „Lila-Bündnis“ statt, bei der sich über 1.000 Menschen versammelten. Am Tag davor gab es ähnlich wie in Berlin eine revolutionäre Vorabenddemo und auf der großen Demo einen revolutionären Block. Auch in Halle, Nürnberg und Magdeburg gab es größere Demonstrationen, an denen sich revolutionäre Kräfte beteiligten.
In Frankfurt gab es eine Demonstration von einem großen revolutionären Frauenbündnis. Dieses bestand aus den Frauen der Organisationen FKO, Zora, Young Struggle, KF, kurdische Frauenräte, Frauenverband Courage, TIP, MLPD, Aurora, und weiteren. Rund 100 Frauen nahmen sich kämpferisch die Straße, thematisiert wurden unter anderem antirassistische Belange, aber auch die aktuelle Aufrüstung und ihre Auswirkungen auf die Situationen von Frauen.
Zunahme an patriarchaler Gewalt – steigende Aktivität auf der Straße
Zusammenfassend ist zu beobachten, dass der Kampf gegen patriarchale Gewalt auf breiteres Interesse stößt und sich immer mehr Menschen an fortschrittlichen Protesten beteiligen. Das hängt auch damit zusammen, dass eine generelle Zunahme an Gewalt gegen Frauen zu beobachten ist, vor allem in Deutschland im häuslichen Bereich. Auch weltweit geht ein Bericht der Vereinten Nationen aktuell davon aus, dass alle zehn Minuten eine Frau in der Familie getötet wird.
In der herrschenden Politik werden dafür zumeist Migrant:innen schuldig gemacht – und auch die faschistische Bewegung instrumentalisiert die zunehmend bedrohliche Lage von Frauen für rassistische Hetze. Gleichzeitig zeigen Studien, dass ein übergroßer Anteil von Femiziden innerhalb von heterosexuellen Beziehungen passiert, und dass diese Morde generell Ausdruck des Patriarchats seien, und nicht etwa ein „importiertes Problem“.
Studie zu Femiziden: Systematische Gewalt und ein Staat, der Frauen im Stich lässt
Insgesamt gab es am 25. November und am Abend zuvor zahlreiche Aktionen. Besonders in größeren Städten demonstrierten Tausende, zum Teil auch unter sozialdemokratischer Führung. Revolutionäre Kräfte schafften es dort jedoch durch Vorabenddemos oder eigene Blöcke am Tag gegen Gewalt an Frauen auch klassenkämpferische Positionen auf die Straße zu tragen, die besonders die Notwendigkeit von Frauensolidarität und Organisierung untereinander in den Vordergrund stellten.

