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Generäle putschen in Guinea-Bissau

In Guinea-Bissau wurde die Regierung durch hochrangige Offiziere für abgesetzt erklärt – einen Tag, bevor die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl verkündet werden sollten. Offen ist, wer nun tatsächlich in dem westafrikanischen Staat an der Macht ist.

Im Staatsfernsehen von Guinea-Bissau haben Offiziere am Mittwoch verkündet, dass sie den Präsidenten des Landes absetzen. Vorher waren im Regierungswechsel Schussgeräusche vernommen worden, nachdem es zu einem Feuergefecht im Präsidentenpalast gekommen sein soll. Zudem wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt und die Tätigkeit der Staatsmedien ausgesetzt.

Die Putschisten begründeten ihr Vorgehen mit einem vermuteten Plan zur Manipulation der Präsidentschaftswahl, die drei Tage zuvor am Sonntag stattgefunden hatte. Dieses Komplott soll den Militärs zufolge von einer Verschwörergruppe aus Politiker:innen, einem Drogenboss und weiteren Individuen ausgehen. Die Wahlergebnisse der Präsidentschaftswahl werden nun nicht mehr bekannt gegeben – der Staatsstreich kam dem zuvor.

Die Armee soll außerdem sowohl den amtierenden Präsidenten Umaro Sissoco Embaló als auch den Oppositionskandidaten Fernando Dias in Gewahrsam genommen haben. Die Militärjunta ernannte Horta N’Ta zum neuen Regierungsoberhaupt, der zuvor der Generalstabschef unter Embaló gewesen war. Der General galt eigentlich als Verbündeter des bisherigen Präsidenten. Die Opposition wirft Embaló darum vor, den Putsch selber angezettelt zu haben, um durch seine Spitzenposition im Militär an der Macht bleiben zu können.

Die Spätfolgen des Kolonialismus in Westafrika

Das Land an der westafrikanischen Atlantikküste mit seinen zwei Millionen Einwohnern gilt als eines der ärmsten der Welt. Guinea-Bissau erreichte seine Unabhängigkeit von der portugiesischen Kolonialmacht erst im Jahr 1974. Das faschistische Salazar-Regime in Portugal kämpfte länger als die anderen europäischen Kolonialmächte um die direkte Kontrolle über seine Kolonien. Die Unabhängigkeit konnte erst durch einen jahrelangen Befreiungskrieg und den Zusammenbruch der Diktatur in Portugal erlangt werden.

Jedoch kommt es seit Bestehen der Republik Guinea-Bissau immer wieder zu Putschen, deren Folgen eine wirtschaftliche Erholung von der Fremdherrschaft bislang verhinderten. So führte ein gescheiterter Coup d’État Ende der 1990er-Jahre zu einem Bürgerkrieg, dessen Verwüstungen wiederum die Stabilität des Landes beeinträchigten. Seit 2022 fanden ein gescheiterter Putschversuch und weitere Aktionen gegen Präsident Embaló statt, die er als Verschwörungen bezeichnete. Nun gelang der nächste Staatsstreich vorerst.

Putsch auf Madagaskar: Das Militär sichert die kapitalistischen Machtverhältnisse

Militärputsche nehmen zu

Neben Guinea-Bissau kam es auch in vielen anderen afrikanischen Ländern in den vergangenen Jahren zu Militärputschen: In Mali geschah dies im Jahr 2020 und dann nochmal 2021, in Burkina Faso zweimal im Jahr 2022, sowie in Niger und Gabun im Jahr 2023. In diesem Jahr wurde die Regierung in Madagaskar durch eine breite Protestbewegung gestürzt, an deren Spitze sich jedoch schlussendlich das Militär stellte.

Auch im Sudan wurde der langjährige Diktator Omar al-Baschir durch eine Massenbewegung unter Druck gesetzt, bei der wiederum das Militär den Politiker im Jahr 2019 stürzte. 2021 kam es zu einem erneuten Militärputsch, wonach das Militär auch die Macht übernahm. Dies erst sorgte für die Machtkonstellation, die zum Ausbruch des äußerst blutigen Bürgerkrieges zwei Jahre später führen sollte.

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