In einer Pressekonferenz am Dienstag kündigte das US-Tech-Unternehmen Google an, 5,5 Milliarden in Rechenzentren und Infrastruktur in Deutschland zu investieren. Politiker:innen zeigen sich erfreut über das bisher größte Investitionspaket des Tech-Riesen für Deutschland.
In den nächsten Jahren wird der Konzern Google 5,5 Milliarden Euro in den Ausbau von Infrastruktur und Rechenzentren in Deutschland investieren. Das ist das bisher größte Investitionsprogramm des Konzerns für Deutschland. Als Teil der Investitionen soll der Bau eines neuen Rechenzentrums in der hessischen Kreisstadt Dietzenbach finanziert werden.
Darüber hinaus soll das bestehende Data-Center im benachbarten Hanau erweitert werden. Wie Google-Deutschlandchef Philipp Justus in Berlin ankündigte, plant der Konzern außerdem seine Standorte in München, Frankfurt am Main und Berlin auszubauen. Die Investitionen sind für die Jahre 2026 bis 2029 geplant.
Neubauten und Standortausbau des Konzerns
Bis 2029 sollen durch die Maßnahmen rund 9.000 Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen werden. Bisher zählt das Tochterunternehmen des US-Tech-Monopols Alphabet rund 3.000 Beschäftigte im Land.
Besonders investiert werden soll dabei in den Bürostandort in München, an dem Google bereits 1.000 Arbeiter:innen beschäftigt. Durch die Restaurierung und Modernisierung des ehemaligen Paketzustellamts in der Münchener Maxvorstadt solle ein „hochmodernes Entwicklungszentrum mit 30.000 Quadratmetern Bürofläche“ für bis zu 1.500 Arbeiter:innen entstehen. Dieses Projekt soll bereits 2026 fertiggestellt werden.
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Ansonsten wird sich der Ausbau des Konzerns vor allem in der Rhein-Main-Region zeigen. Die überschüssige Wärme der neuen Anlage in Dietzenbach soll in das Fernwärmenetz der Energieversorgung Offenbach AG (EVO) eingespeist werden, was Google zusätzliche Kosten ersparen dürfte.
Deutsches Kapital erfreut über amerikanische Investitionen
Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) zeigt sich sichtlich erfreut über den Investitionsplan. Er spricht von „echten Zukunftsinvestitionen in Innovationen, künstliche Intelligenz, die klimaneutrale Transformation und zukünftige Arbeitsplätze in Deutschland“. Der Investitionsplan sei genau das, was Deutschland jetzt brauche. Auch der Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) sowie die Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) drücken ihre Zustimmung für die Pläne aus. Deutschland solle zum attraktiven Standort für digitale Infrastruktur werden.
Vor dem Hintergrund der anhaltenden Wirtschaftskrise und der schlechten Wachstumsprognose für das nächste Jahr ist die Freude deutscher Politiker:innen über die Investitionen nicht verwunderlich. Die Einordnung Klingbeils als „klimaneutrale“ Transformation dürfte jedoch in Expert:innenkreisen mindestens umstritten sein: So hat der Konzern zwar das selbstgesteckte Ziel, bis 2030 klimaneutral zu werden. In den letzten Jahren zeichnet sich aber eher ein gegenteiliger Trend ab. Die CO₂-Emissionen des Unternehmens stiegen zwischen 2019 und 2023 um fast 50 Prozent und betrugen 14,3 Millionen Tonnen.
Die Regierung bringt sich in Stellung – Kabinett stellt Modernisierungsagenda vor
Die Investitionen des Konzerns dürften auch im Kontext der immer weiter ausschweifenden Militarisierung eine wichtige Rolle spielen. So fehlt es Deutschland noch an wichtiger digitaler Infrastruktur. Die Bundeswehr gab ihrerseits bereits im Juni eine geplante Partnerschaft mit Google bekannt, die vor allem dem Aufbau einer privaten Cloud der Bundeswehr dienen soll.

