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Große Erwartungen: Zohran Mamdani wird Bürgermeister New Yorks

Mit konkreten Wahlversprechen und viel Rückhalt aus der Bevölkerung zieht Zohran Mamdani ins Rathaus von New York ein. Der linke Sozialdemokrat will die Lebenshaltungskosten senken und die Stadt gerechter machen. Doch wie viel seiner „Brot-und-Butter“-Politik lässt sich tatsächlich umsetzen? – Ein Kommentar von Aziza Mounir.

Zohran Mamdani ist mit eindeutigem Vorsprung zum Bürgermeister von New York City gewählt worden. Nach seinem überraschenden Sieg in den Vorwahlen der Demokratischen Partei setzte er sich erneut gegen Ex-Gouverneur Andrew Cuomo durch, der als parteiunabhängiger Kandidat für die Bürgermeisterwahl antrat.

Ein Sieg Mamdanis zeichnete sich in den Umfragen der vergangenen Wochen bereits ab, doch die neun Prozentpunkte Vorsprung waren mehr als erwartet. Wahlbezirke, die er während der Vorwahlen nicht für sich gewinnen konnte, stimmten dieses Mal für ihn. Die Wahlbeteiligung war besonders hoch – vor allem bei jungen Wähler:innen.

Seine Anhängerschaft ist über die ganze Stadt verteilt: Sowohl wohlhabende Gegenden Brooklyns als auch ökonomisch schwächere Teile der Bronx stimmten für ihn. Im Vergleich zu den anderen Kandidat:innen erhielt er zudem viele Stimmen der unter 50-Jährigen.

Seinen Aufstieg vom „no name“-Lokalpolitiker aus dem New Yorker Landesparlament zum ernsthaften Bürgermeisterkandidaten erreichte er durch seine Kampagne in den sozialen Medien. Diese zeichnete sich durch eine hohe Medienkompetenz aus, dank der seine Videos viral gingen. Im Endspurt seines Wahlkampfs war er nahezu überall präsent: Er unterhielt sich mit TikTok-Influencer:innen, war zu Gast in Podcasts und verteidigte seine Positionen in Talkshows etablierter Medien.

Zohran Mamdani: Was ist von dem linken Sozialdemokraten zu erwarten?

Ausschlaggebend für seinen Erfolg war vermutlich sein „Brot-und-Butter“-Programm, das bei den größten alltäglichen Sorgen der New Yorker:innen ansetzt – ihren Lebenshaltungskosten. Seine vier Hauptprogrammpunkte sind ein Mietendeckel, kostenlose Buslinien, beitragsfreie Kinderbetreuung und städtisch subventionierte Lebensmittelgeschäfte. Einige dieser Maßnahmen möchte er durch Steuererhöhungen für Einkommensmillionäre und höhere Gewerbesteuern finanzieren.

Mit seinem Sieg stellt der zukünftige Bürgermeister den neoliberalen Status quo der Demokratischen Partei infrage. Ein wesentlicher Teil seines Erfolgs war die Unterstützung durch die Democratic Socialists of America (DSA), die als Freiwillige für seine Kandidatur warben. Aufgrund der Hegemonie des Zweiparteiensystems in den USA kandidieren viele Mitglieder der Organisation im Namen der Demokratischen Partei – auch Mamdani gehört ihr an.

Werden die Träume in New York City wahr?

Als Mamdani zu einem realistischen Anwärter auf das Bürgermeisteramt wurde, sah sich auch US-Präsident Donald Trump gezwungen, Stellung zu beziehen. Er drohte seiner Heimatstadt mit dem Entzug staatlicher Mittel und mit dem Einsatz der Nationalgarde in New York City, falls Mamdani tatsächlich ins Amt gewählt würde.

Dass es sich dabei nicht um leere Drohungen handelt, erlebten die Bewohner:innen von Los Angeles oder Portland bereits vor ihrer eigenen Haustür. Zwar kann der Einsatz der Nationalgarde vom Bundesstaat juristisch angefochten werden – wie es der Staat Oregon derzeit versucht –, doch ob die Nationalgarde tatsächlich aus Portland abgezogen wird, bleibt abzuwarten.

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Im Januar 2026 wird Mamdani als Bürgermeister von New York vereidigt. Vier Jahre hat er dann Zeit, seine Wahlversprechen umzusetzen. Der populärste Punkt – der Mietendeckel – dürfte politisch am einfachsten zu verwirklichen sein. Das städtische Gremium, das für Mietpreisrichtlinien verantwortlich ist, wird durch vom Bürgermeister ernannte Mitglieder besetzt. Auch der ehemalige Bürgermeister Bill de Blasio deckelte über dieses Gremium die Mieten während seiner Amtszeit.

Für weitergehende Vorhaben wie die Schaffung neuen Wohnraums oder Entlastungen im öffentlichen Nahverkehr müssen jedoch erst Finanzierungsmethoden gefunden werden. Mamdani schlägt hierfür Steuererhöhungen für Konzerne und Einkommensmillionäre vor. Um das umzusetzen, bräuchte er allerdings eine Gouverneurin, die diese Steuererhöhungen mitträgt. Amtsinhaberin Kathy Hochul stellte sich während des Wahlkampfs zwar an Mamdanis Seite, machte jedoch zugleich deutlich, dass sie keine Steuererhöhungen ermöglichen werde.

Mamdani gibt Hoffnung

Zohran Mamdani hat vielen Amerikaner:innen eine Perspektive in einem von Trump geprägten Land aufgezeigt. Seine Reformen würden die Lebensqualität der Arbeiter:innen in New York verbessern. Allerdings handelt es sich beim Mietendeckel nur um eine begrenzte Erleichterung – die Mieten würden zwar nicht weiter steigen, blieben jedoch auf einem bereits hohen Niveau.

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Zudem könnten diese Reformen jederzeit wieder rückgängig gemacht werden. Unter Bürgermeister Eric Adams wurde die vorherige Mietendeckelung aufgehoben, woraufhin die Mieten während seiner Amtszeit um mehr als zwölf Prozent stiegen.

Keine Bürgermeisterwahl wird ein New York schaffen, in dem alle Menschen einen garantierten Anspruch auf Wohnraum haben, der öffentliche Nahverkehr kostenlos und attraktiv ist oder eine verlässliche Gesundheitsversorgung besteht. Mamdanis Wahlkampf hat jedoch gezeigt, dass es ein wachsendes Bewusstsein für diese Themen gibt – ein Ansatzpunkt für einen erneuten Kampf um die Rechte der Arbeiter:innenklasse.

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