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Keine Sicherheitsupdates mehr: Das Ende von Windows 10 verändert die Computer-Landschaft

Der Windows 10-Support endet und Windows 11 hat Probleme, die Nutzer:innen vom Wechsel abzuhalten. Gründe dafür sind die hohen Systemanforderungen, die schlechte Performance oder die KI-Nutzung. Der Marktanteil von Linux-basierten Betriebssystemen steigt dagegen.

Am 14. Oktober diesen Jahres endete offiziell der Support für Windows 10. Dies bedeutet, dass es keine Sicherheits- und Funktionsupdates für das Betriebssystem mehr geben wird – mit einer Ausnahme: In allen Regionen der Welt außerhalb der EU können Kund:innen gegen Bezahlung weiterhin Support erhalten. Dieser erweiterte Support gilt jedoch nur für ein weiteres Jahr, genau bis zum 14. Oktober 2026.

Für die EU gibt es diese Verlängerung nur für Privat-Accounts mit einem Online-Account, und zwar kostenlos bis zum 14. Oktober 2026.

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Damit steht ein definitives Ende des Supports für Windows 10 fest, und eine Nutzung des Betriebssystems ist ab dann mit einem automatischen Sicherheitsrisiko verbunden. Denn das Ende des Supports und der Bereitstellung von Sicherheitsupdates bedeutet, dass bekannte Sicherheitslücken nicht mehr wie bisher behoben werden, sondern offen bleiben und so Einfallstore für Hacker bilden können.

Windows 11 – Das KI-Betriebssystem

Die Alternative, die Microsoft seinen Kund:innen zur Verfügung stellt, ist Windows 11 – ein Betriebssystem, das erst nach dem offiziellen Ende des Supports für Windows 10 einen höheren Marktanteil als sein Vorgänger erreicht hat. Einer der Hauptgründe für den langsamen Umstieg von Windows 10 auf 11 sind die technischen Anforderungen an die Computer der Nutzer:innen. Der kritischste Punkt ist dabei die Notwendigkeit eines TPM-fähigen Prozessors.

Dabei handelt es sich um eine Sicherheitsmethode auf dem Prozessor selbst durch Trusted Platform Module (TPM), also physische Chips auf dem Motherboard, die eine Nutzung des Computers entgegen der Vorgaben der Hersteller:innen verhindern und eine eindeutige Identifizierung ermöglichen sollen. Dieser Standard gilt seit 2021 flächendeckend und birgt das Risiko, dass Computer, die älter als vier Jahre sind, nicht TPM-fähig und somit nicht mit Windows 11 kompatibel sind.

Hinzu kommt, dass Windows 11 mit Leistungsproblemen zu kämpfen hat. Grund hierfür ist die große Anzahl an Hintergrundprogrammen, die das Betriebssystem verwendet. Diese beanspruchen einen erheblichen Teil der Computerressourcen und beeinträchtigen so die Performance. Zwar lässt sich die Leistung durch das manuelle Deaktivieren einiger dieser Hintergrundprozesse verbessern, dies erfordert jedoch technisches Wissen der Benutzer:innen oder Administrator:innen.

Zusätzlich zur allgemeinen Unzufriedenheit mit Windows 11 als Betriebssystem kommen die jüngsten Pläne von Microsoft zur verstärkten Integration von KI. Während das Unternehmen vor einem Jahr noch die Verbesserung und Implementierung seines KI-Assistenten Copilot verfolgte, zielen die neuesten Bestrebungen nun auf Agentic AI ab.

Im Gegensatz zu KI-Chatbots soll diese in der Lage sein, eigenständig Aufgaben in einem begrenzten Rahmen zu erledigen. Dementsprechend kündigte Microsoft Mitte November an, Windows 11 zu einem „agentischen Betriebssystem“ weiterzuentwickeln. Der KI-Agent soll dabei über einen eigenen Account mit Windows-Benutzeroberfläche verfügen und Zugriff auf Daten der Nutzer:innen in deren Standard-Ordnern sowie in allen freigegebenen Ordnern erhalten.

Obwohl sich diese Funktion aktuell noch in der Testphase befindet und ihre Nutzung optional ist, liegt die Entscheidung, wie lange dies noch der Fall sein wird, nicht in den Händen der Nutzer:innen.

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(K)eine Alternative zu Windows 11?

Neben der gestiegenen Nutzung von Windows 11 nach dem Ende des Supports für den Vorgänger zeichnet sich auch ein Trend zu erhöhter Nutzung und gestiegenem Interesse an Linux-Distributionen (Distros) ab. Dies belegen beispielsweise die stark gestiegenen Downloadzahlen des Betriebssystems Zorin OS. Diese Open-Source-Alternative zu macOS und Windows ist in der Regel kostenlos und untersteht der vollständigen Kontrolle ihrer Nutzer:innen.

Im Gegensatz zu Windows 11 unterstützen Linux-Distributionen zudem ältere Hardware. So ist es möglich, auch einen 20 Jahre alten PC mit Linux weiter zu nutzen, selbst wenn Windows nicht mehr läuft.

Durch die rapiden Entwicklungen in den letzten Jahren hat Linux außerdem die Lücke zur Nutzung von Windows-Programmen verkleinert und ist für viele Anwendungsfälle mittlerweile ebenso gut nutzbar wie Windows.

Diese Entwicklung scheint sich fortzusetzen und wird unter anderem von Valves Steam OS vorangetrieben. Der Videospiel-Konzern hat auf Linux-Basis ein eigenes Betriebssystem für einen Handheld, also eine tragbare Spielkonsole, entwickelt und damit die Brücke zur Nutzung von Windows-programmierten Anwendungen geschlagen. Die dabei entwickelten Technologien sind Open Source und werden von der Linux-Community weiterentwickelt.

In einigen Bereichen hinken die Linux Distributionen jedoch weiter stark hinterher: Unter anderem in der Foto-, Video- und Audioproduktion fehlen weit verbreitete Programme wie die von Adobe. Ihr Fehlen liegt allerdings nicht an den technischen Fähigkeiten von Linux, sondern an fehlender Industrieunterstützung und dem geringen kommerziellen Interesse großer Software-Hersteller.

Insgesamt dominiert Windows den Desktop-Markt daher weiterhin deutlich, verliert jedoch stetig an Anteil: Von knapp 90 Prozent vor einem Jahrzehnt ist der Marktanteil bis Juni 2025 auf etwa 70 Prozent gefallen. Apples macOS liegt mit rund 14 bis 15 Prozent auf dem zweiten Platz. Linux erreicht nach Jahren um rund 1 Prozent einen stetigen Zuwachs, liegt seit 2024 bereits über 4 Prozent weltweit und überschreitet in den USA inzwischen sogar die 5-Prozent-Marke.

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Die meisten Linux Distributionen sind Open Source und werden von der Community verwaltet, was zu einer dauerhaften Verbesserung der Systeme und einer guten Sicherheitsstruktur führt, da mehr Augen den Quellcode überprüfen und etwaige Sicherheitslücken melden oder reparieren.

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