Die jährlich in Berlin stattfindende kommunistische Demonstration in Gedenken an die drei Revolutionär:innen Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Wladimir I. Lenin ist in bisheriger Form in Gefahr. Das Bezirksamt Lichtenberg mauert aufgrund einer Baustelle. Die Polizei sieht jedoch derzeit „keine Versagensgründe“.
Seit 1920, also seit über 100 Jahren begehen – mit Ausnahme der Zeit während des Hitlerfaschismus – hunderte und tausende Kommunist:innen die jährlich stattfindende Gedenkdemonstration an die drei Kommunist:innen Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Wladimir Iljitsch Lenin.
Während Karl und Rosa eine bedeutende Rolle im Aufbau der kommunistischen Bewegung in Deutschland und ihrer Lostrennung von der Sozialdemokratie in Form der Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) spielten, wurde Lenin weltweit als Führer der russischen Bolschewiki und der ersten erfolgreichen sozialistischen Revolution 1917 im zaristischen Russland bekannt.
Die LLL – Lenin-Liebknecht-Luxemburg-Demonstration – ist die wohl größte kommunistische Veranstaltung in Deutschland und trägt entsprechend auch eine besondere Bedeutung in der Gedenkkultur der revolutionären Bewegung. Sie erinnert an die Errungenschaften und Erfolge der kommunistischen Bewegung und ihrer vorantreibendsten Genoss:innen und betont auch heute noch die Notwendigkeit einer kommunistischen Alternative zur kapitalistischen Gegenwart. Doch bereits vor Neujahresantritt steht der übliche Verlauf der LLL auf der Kippe.
Bezirksamt: „Nicht kalkulierbares Risiko“
Traditionell startet die Demonstration am Frankfurter Tor und endet am Vorplatz der Gedenkstätte der Sozialisten im Berliner Friedrichsfelde. Dieser ist jedoch seit geraumer Zeit zu einer Berliner Dauerbaustelle mutiert und die Eingangstore zum Friedhof sind mit Bauzäunen versperrt.
Am 12. November hat das Bezirksamt begonnen, dazu Mails zu versenden. Eine davon liegt auch Perspektive vor. Demnach könne die LLL „unter den bisherigen Bedingungen nicht stattfinden“, weshalb es auch vorerst keine Genehmigungen für die Info- und Handelsstände in der Gudrunstraße geben werde. Die Bauarbeiten des Vorplatzes am Zentralfriedhof könnten nicht rechtzeitig beendet werden, weswegen eine Durchführung der Gedenkveranstaltung wie im bisherigen Umfang „ein nicht kalkulierbares Risiko“ darstelle. Sollte sich die Lage ändern, würde zum nächstmöglichen Zeitpunkt darüber informiert.
In einer weiteren Mail heißt es, dass sich das Straßen- und Grünflächenamt derzeit im „engen Austausch mit der Polizei im Kontext dieser Veranstaltung“ befinde und es nicht klar sei, „ob und in welchem Umfang die Demonstration durchgeführt werden kann“. Erst Richtung Ende des Jahres sei mit einer klaren Antwort zu rechnen.
Polizei: „Keine Versagensgründe“
Während letztes Jahr die Baugruben zeitweise mit Schotte aufgefüllt wurden, um die Gedenkveranstaltung stattfinden lassen zu können, zeigt sich Bezirksstadträtin Filiz Keküllüoğlu (Grüne) für 2026 nicht mehr so optimistisch. Laut ihr lasse sich nächstes Jahr keine ähnlich kreative Lösung für die Baustelle finden. „Weder finanziell noch vergaberechtlich fristgerecht“ könnten sie realisiert werden, so Keküllüoğlu in der Berliner Zeitung. Laut dem Bezirksamt Lichtenberg könne die Gedenkveranstaltung unter den bisherigen Bedingungen also nicht stattfinden.
LLL-Wochenende 2025: Kämpferisches Gedenken trotzt Polizeigewalt
Die Linke – die Anmelder:innen für das „Stille Gedenken an Karl und Rosa“ – haben bisher laut Landesgeschäftsführer Björn Tielebein jedoch keine Absage für ihre Veranstaltung am Friedhof erhalten.
Auch die Berliner Polizei hat ein Verbot auf Anfrage von Perspektive nicht bestätigt. Nach derzeitigem Informationsstand seien sowohl die Kundgebung am Friedhofsvorplatz als auch der Demonstrationsaufzug nicht abgesagt worden. „Mögliche Versagungsgründe sind derzeit ebenfalls nicht bekannt“, heißt es von der Pressestelle am Sonntag. Auf eine Anfrage zu den Widersprüchen zwischen polizeilichen Angaben und Bezirksamt gab es bisher keine Reaktion.
Droht weitere Repression?
Ob die LLL tatsächlich Gefahr läuft, aufgrund von Baustellen nicht wie geplant stattfinden zu können, und inwiefern dies auch politisch motiviert ist, bleibt vorerst unklar.
Klar ist aber: Eine revolutionäre Demonstration in der Hauptstadt ist durchaus kein gern gesehenes Ereignis für die Behörden. Nicht zuletzt hat das auch die massive Gewaltanwendung der letzten beiden Jahre von Seiten der Polizei gegen die LLL-Demonstrant:innen gezeigt. Vor allem letztes Jahr wurde die Demonstration wiederholte Male angegriffen, Personen in Gewahrsam genommen und auch vor Gericht gestellt.

