Über das Wochenende traf eine Kaltfront weite Teile Deutschlands. Während die nächtlichen Temperaturen in einigen Regionen am Wochenende örtlich auf bis zu -10 Grad fielen, können Millionen Menschen nicht ausreichend heizen.
Über das Wochenende erreichte eine arktische Kaltluftmasse den Westen Deutschlands. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) sank in Tallagen insbesondere im Süden und in den östlichen Mittelgebirgen die Temperatur nachts gebietsweise auf Werte zwischen -5 und -10 Grad. Neben dem Temperatursturz kam es zu Niederschlag und in einigen Regionen zu Schneefall.
Zur Zeit kämpfen viele Haushalte mit stark steigenden Heizkosten. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lebten 2024 rund 5,3 Millionen Menschen in Haushalten, die nach eigener Einschätzung ihre Wohnung aus finanziellen Gründen nicht angemessen warm halten konnten – etwa 6,3 Prozent der Bevölkerung. Besonders betroffen sind Alleinerziehende und Rentner:innen.
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Steigende Heizkosten und Konzerngewinne
Prognosen von Beratungsstellen wie co2online warnen, dass die Heizkosten in den kommenden Jahren weiter steigen könnten – für eine durchschnittliche 70-Quadratmeter-Wohnung sei ein Anstieg um etwa 15 Prozent möglich. Für viele wird das fehlende Heizen zum Problem: Die niedrigen Temperaturen und das fehlende Heizen begünstigen Schimmel.
Indessen machten die 5 größten Energieunternehmen in Deutschland 2022 einen gemeinsamen Umsatz von über 512 Milliarden Euro. Der Energiekonzern RWE konnte im Jahr 2023 einen Gewinn von 4,5 Milliarden Euro erzielen – 2024 stieg er auf 5,7 Milliarden Euro. Der mittlerweile in Staatshand liegende Konzern Uniper SE erzielte 2023 einen Gewinn von 7,2 Milliarden Euro, im Jahr 2024 mit 2,6 Milliarden Euro „wie erwartet deutlich unter Vorjahresergebnis, aber auf weiterhin sehr hohem Niveau“.
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Prekäre Lage vor allem für wohnungslose Menschen
Die niedrigen Temperaturen sind vor allem für wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen lebensgefährlich. Notunterkünfte sind vielerorts überfüllt, während Hilfsangebote wie Wärmestuben, Kältebusse und mobile Versorgungsteams chronisch unterfinanziert und überlastet sind.
Sozialverbände warnen seit Jahren, dass viele Städte nicht genug Unterbringungsplätze für Frostnächte bereitstellen. Seit 2020 sind mindestens 48 Obdachlose in Deutschland erfroren. Gleichzeitig sind Kältetote statistisch kaum erfassbar – anlassbezogene Meldungen dokumentieren jedoch regelmäßig Fälle von erfrorenen obdachlosen Menschen in Deutschland.

