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Sechs Millionen Mieter:innen sind „extrem überlastet“

Der Deutsche Mieterbund (DMB) hat den Mietenreport für das Jahr 2025 veröffentlicht. Die zentrale Erkenntnis dabei: Wohnen ist ein Armutsrisiko und trifft immer breitere Schichten der Gesellschaft.

In Deutschland lebt knapp mehr als die Hälfte der Menschen zur Miete. Damit ist Deutschland Mieter:innenland Nummer 1 in Europa. Allein in den letzten drei Jahren ist die Anzahl der Mieter:innen um drei Millionen auf jetzt insgesamt 44 Millionen Menschen gestiegen – verteilt auf mehr als 20 Millionen Haushalte. Das bedeutet: Steigende Mieten haben eine Auswirkung auf immer mehr Menschen und werden zunehmend „zur echten Verteilungs- und Gerechtigkeitsfrage“, wie es in der Einleitung des Mietenreports heißt.

Der Mietenreport basiert auf einer Kombination aus amtlichen Statistiken, internationalen Vergleichen, aber auch repräsentativen Telefonbefragungen. Diese Daten zeigen eine Vielzahl an Problemen, die wohl den meisten Menschen, die zur Miete wohnen, sehr bekannt vorkommen.

6 Millionen Mieter:innen – über 10 Prozent – spürten durch die immer weiter steigenden Wohnkosten eine extrem hohe Belastung. Besonders trifft dies arme Haushalte, welche überdurchschnittlich große Anteile ihres Geldes für Wohnraum ausgeben müssen.

Rasant steigende Mieten trotz Mietpreisbremse

Besonders hart trifft der auf Wirtschaftlichkeit und hohe Gewinne orientierte Wohnungsmarkt Familien mit Kindern. Ausreichend große Wohnungen werden immer seltener und immer teurer. Mehr als 8 Millionen Menschen, sprich 19 Prozent der Mieter:innen, leben in überbelegten Wohnungen.

Fast ein Drittel der Mieter:innen hat Angst, sich ihre Wohnung in Zukunft nicht mehr leisten zu können. Hierbei ist meist nichts weniger als die Existenz bedroht – vor allem bei von Armut betroffenen Personen, bei denen mittlerweile auch die „günstige“ Wohnung am Stadtrand zu teuer wird. Dies führt zu einer „weiteren Verdrängung und Vertiefung der sozialen Spaltung“.

DMB fordert politische Konsequenzen

Für den Mieterbund ergibt sich aus dem Report eine klare Schlussfolgerung: Die Bundesregierung dürfe die Lösung dieser Krise nicht dem Markt überlassen, stattdessen brauche es eine Vielzahl an Maßnahmen „um für alle Menschen in Deutschland bezahlbaren Wohnraum zu sichern“ und Wohnen als Menschenrecht zu wahren.

Zu den Forderungen gehören: „Eine scharfe Mietpreisbremse und die Ahndung von Mietwucher, eine Begrenzung von Mieterhöhungsmöglichkeiten im Bestand und einen befristeten Mietenstopp, die Abschaffung von Indexmieten, das Verbot missbräuchlicher Möblierungszuschläge und die strengere Regulierung von Kurzzeitvermietungen. Zudem müssen der Kündigungsschutz verbessert sowie Zwangsräumungen verhindert werden.“

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Der DMB fordert die Bundesregierung ebenso auf, „durch eine echte Wohnungsbauoffensive den Bestand an Sozialwohnungen bis 2030 zu verdoppeln […] und jährlich 60.000 neue bezahlbare Mietwohnungen für Normalverdienende entstehen zu lassen“.

Doch der Trend geht in die genau entgegengesetzte Richtung: Während Mietpreise immer weiter in die Höhe schnellen, handelten die Bundes- und Landesregierungen in den letzten Jahren eher weniger im Interesse von Mieter:innen und mehr im Interesse der Wohnungskonzerne.

So verschleppte erst die Landesregierung in Berlin aus SPD, Grünen und Linken die Vergesellschaftung des Wohnungskonzerns Deutsche Wohnen. Währenddessen unterlässt die Nachfolgeregierung aus CDU und SPD bislang eine nachhaltige Finanzierung von Hilfsangeboten für wohnungslose Menschen und kürzt stattdessen die Mittel – Trotz des angekündigten Ziels, bis 2030 die Wohnungslosigkeit zu überwinden.

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