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Sudan: Mit RSF-Miliz stimmt eine Seite der Waffenruhe zu

Die RSF-Miliz hat nach eigenen Angaben einem US-Waffenstillstandsabkommen zugestimmt. Eine Antwort der verfeindeten Regierung steht noch aus. Bei dem Bürgerkrieg im Sudan geht es vor allem um die erheblichen Goldvorkommen des Landes – von denen vor allem die Emirate profitieren.

Die sudanesische Miliz Rapid Support Forces (RSF) hat nach eigenen Angaben einem Waffenstillstand im Bürgerkrieg mit der Regierung zugestimmt. Den Vorschlag für den Waffenstillstand hatte eine von den USA geführte Vermittlergruppe gemacht, der auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Saudi-Arabien und Ägypten angehören. Eine Reaktion der Regierung bzw. der Armee, mit der die RSF-Miliz seit 2023 Krieg führt, gibt es bislang noch nicht.

Krieg ums Gold

Der Krieg im Sudan war im April 2023 ausgebrochen. Die Regierung wird vom De-facto-Präsidenten Abdel Fattah al-Burhan geführt, der sich im Oktober 2021 mit dem Militär an die Macht geputscht hatte. Die Rapid Support Forces gehorchen dem Befehl von Mohammed Hamdan Daglo, genannt Hemeti, der seit 2019 Vizepräsident des Sudan war. Dessen Familie  kontrolliert große Teile des Goldgeschäfts im Sudan, seitdem der frühere langjährige Diktator Umar al-Baschir seinem damaligen Verbündeten Hemeti im Jahr 2018 freie Hand beim Verkauf des Edelmetalls gelassen hatte. Bereits ein Jahr später beteiligte sich Hemeti am ersten Militärputsch gegen seinen früheren Unterstützer. Schon im Darfur-Konflikt ab 2003 war Hemeti als einer der mächtigsten Milizenführer mitverantwortlich für den Genozid in der Region.

Hinter dem Machtkampf zwischen Hemeti und dem neuen Präsidenten al-Burhan stehen unterschiedliche Machtgruppen im Sudan, und ökonomisch geht es insbesondere um die Kontrolle über die reichhaltigen Goldadern des Landes. Diese wurden ab 2012 entdeckt und ziehen sich über den Tschad durch die Sahelzone bis nach Niger, Mali und Burkina Faso. Dort ist es in den letzten Jahren ebenfalls zu blutigen bewaffneten Kämpfen und Militärputschen gekommen, die sich zumindest in Teilen auf den Goldrausch zurückführen lassen.

Die Rolle Ägyptens und der Emirate

Die verschiedenen Machtgruppen im Sudan agieren nicht nur für sich, sondern unterhalten jeweils gute Beziehungen zu anderen Staaten. Während Machthaber Al-Burhan einen engen Draht nach Ägypten unterhält, wird der Warlord Hemeti vor allem von den Vereinigten Arabischen Emiraten militärisch und finanziell unterstützt – die dieses Engagement jedoch energisch dementieren. Dabei sind die VAE inzwischen der mit Abstand größte Abnehmer sudanesischen Goldes: Die Nichtregierungsorganisation Swissaid hat anhand von Daten der UNO berechnet, dass die VAE im Jahr 2024 ca. 29 Tonnen Gold direkt aus dem Sudan importiert haben.

Die emiratische Metropole Dubai ist einer der wichtigsten Goldhandelsplätze der Welt: Sudanesisches Gold aus RSF-Beständen geht von hier aus mit höchster Wahrscheinlichkeit auch in westliche Länder. Umgekehrt gibt es laut der schweizerischen Wochenzeitung WOZ Hinweise darauf, dass im Gegenzug Waffen aus Großbritannien und China über die Emirate in die Hände der RSF gelangten. Russland wiederum hat sich besonders flexibel aufgestellt und zu Beginn des Krieges beide Seiten — Al-Burhan und Hemeti — unterstützt.

Massaker und akute Hungersnot

Durch den Krieg im Sudan sind Schätzungen zufolge inzwischen 150.000 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 14 Millionen vertrieben worden. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), das Welternährungsprogramm (WFP) und UNICEF warnten in dieser Woche vor einer Hungersnot der höchsten Stufe für die Regionen Al-Fashir im Westsudan sowie Kadugli im Süden des Landes.

Die Stadt Al-Fashir hatten die RSF Ende Oktober nach 18 Monaten Belagerung eingenommen. Dabei kam es Beobachter:innen zufolge zu Massenhinrichtungen mit mindestens 2.500 Toten (einige Schätzungen gehen von über 10.000 aus) sowie zu Vergewaltigungen und weiteren Gräueltaten. Die Sudanesische Kommunistische Partei (SCP) erklärte dazu:

„Die Rapid Support Forces setzen ihre systematische Gewalt gegen unbewaffnete Zivilist:innen fort: Feldhinrichtungen, willkürliche Verhaftungen, Plünderungen und Zerstörung von Eigentum, Massenvertreibungen und das Erzwingen der Flucht der Bewohner:innen…“. Es handele sich bei dem, was geschehe, nicht bloß um einen militärischen Machtkampf, sondern „um eine komplexe Auseinandersetzung zwischen den parasitären Flügeln des Kapitalismus im Land um Macht und Ressourcen“.

Das Blutbad im Sudan: Stellvertretend für den Imperialismus

Wie es jetzt weitergeht, ist unklar. Machthaber al-Burhan hat bisher Verhandlungen mit der Miliz abgelehnt und erklärt, seine Streitkräfte würden „auf die Niederlage des Feindes hinarbeiten“.

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