Transfeindliche Gewalt ist global auf dem Vormarsch. Besonders Faschist:innen nehmen trans Personen als zentrales Feindbild. Auch staatlich gibt es immer größere Angriffe auf die Rechte von trans Personen. Gegen diese Entwicklungen gilt es zu kämpfen, am TDoR und jeden anderen Tag! – Ein Kommentar von Thomas Mercy.
Der Trans(gender) Day of Remembrance (TDoR) wurde am 20. November 1999 in den USA ins Leben gerufen, nachdem die schwarzen trans Frauen Rita Hester und Chanelle Picket in Massachusetts ermordet wurden. Picket wurde drei Jahre vor Hester ermordet, doch zum Zeitpunkt von Hesters Tod schien sich aus Sicht von Gwendolyn Ann Smith niemand mehr an den Mord an Picket zu erinnern. Daraufhin rief sie mit einer kleinen Gruppe von Menschen den TDoR ins Leben. Der TDoR diente also vor allem dazu, ein kollektives Gedächtnis und eine Erinnerungs- und Gedenkkultur für ermordete trans Personen zu erschaffen.
Es sollte jedoch nicht nur darum gehen, zu trauern und zu gedenken. Transfeindliche Gewalt hört nicht auf, wenn sie betrauert wird, sondern nur, wenn sie und das dahinterstehende kapitalistische und patriarchale System bekämpft werden. Viele Organisationen gehen deswegen am 20. November nicht mehr unter dem Banner des „Trans Day of Remembrance“ auf die Straße, sondern sprechen vom „Tag gegen transfeindliche Gewalt“, um den Fokus auf den Kampf gegen diese Gewalt zu legen. Diese Gewalt zu bekämpfen ist heutzutage wichtiger denn je, denn sie nimmt in allen Formen immer weiter zu.
Angriff der CDU: Rückkehr der „Rosa Listen“
Die CDU hat jüngst einen erneuten Angriff auf trans Personen gestartet. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CDU) hat angekündigt ein „Sonderregister“ einführen zu wollen. In diesem Register sollen alle Personen festgehalten werden, die vom Selbstbestimmungsgesetz Gebrauch machen, um ihren Vornamen und Geschlechtseintrag zu ändern. Die Abstimmung wurde im Bundesrat erstmal verschoben, da sich Widerstand dagegen formierte.
Im Kaiserreich und im Nationalsozialismus wurden bereits Listen über LGBTI+ Personen geführt. Diese „Rosa Listen“ dienten hauptsächlich der Überwachung und Verfolgung. Aufgrund der zunehmenden Faschisierung des Staates ist es nicht unwahrscheinlich, dass diese Listen zukünftig wieder genutzt werden, um trans Personen zu verfolgen.
Abstimmung zu „Sonderregistern“ für trans Personen vorerst verschoben
Antifaschistisch und trans – Wir kämpfen mit Maja an zwei Fronten
Im Fall Maja zeigte der deutsche Staat ebenfalls sein transfeindliches Gesicht. Maja ist eine nichtbinäre Person aus Jena, der vorgeworfen wird, in Ungarn am faschistischen Gedenktag „Tag der Ehre“ Nazi angegriffen zu haben. Der deutsche Staat lieferte Maja im Juni 2024 rechtswidrig nach Ungarn aus. In Ungarn sitzt Maja in einem Männergefängnis und Majas Geschlecht wird vom ungarischen Staat nicht anerkannt. Zusätzlich sind die Haftbedingungen desaströs und erinnern an Methoden weißer Folter.
Nachdem Maja im Sommer dieses Jahres in einen lebensgefährlichen Hungerstreik getreten war, bildete sich eine breite Solidaritätsbewegung. Es gab sogar ein mehrtägiges Protestcamp vor dem Auswärtigen Amt. Trotz dieses Drucks weigert sich die Bundesregierung, irgendwelche Anstrengungen zu unternehmen, um Maja wieder nach Deutschland zurückzuholen.
„Rettet Maja Aktionscamp“ – Druck aufbauen, um Maja zurückzuholen
Vermehrte Angriffe auf CSDs
Neben der bürgerlichen Politik und Justiz sind es vor allem die Faschist:innen, die immer mehr Gewalt gegen trans Personen ausüben. Besonders deutlich ist dies an den zahlreichen Angriffen auf verschiedene CSDs dieses Jahr zu sehen.
Es gab faschistische Gegendemonstrationen, Brandanschläge und Gewaltdrohungen. Viele CSDs wurden deswegen früher beendet oder ganz abgesagt. Die Polizei weigerte sich vielerorts, Schutz für die CSDs zu stellen, und prügelte Antifaschist:innen, die sich den faschistischen Aufmärschen entgegenstellten.
Internationaler Anstieg transfeindlicher Gewalt
Auch international nehmen Angriffe auf trans Personen zu. 2025 ist das erste Jahr, in dem der seit 13 Jahren existierende Trans Rights Index mehr Rückschritte als Fortschritte für trans Rechte in Europa und Zentralasien verzeichnet. Besonders in den USA waren die Angriffe massiv. Eine der ersten Amtshandlungen Donald Trumps zum Beginn seiner zweiten Amtszeit war die Erlassung eines Dekrets, in dem er es zur Staatsräson erklärte, dass es nur zwei Geschlechter gäbe.
Diese strukturelle staatliche Verneinung des eigenen Geschlechts soll trans Personen systematisch unterdrücken und befeuert bewusst transfeindliche Stimmung in der Gesellschaft bis hin zu Gewalt gegenüber trans Personen. Sie führt außerdem dazu, dass medizinische Versorgung wie Hormontherapie, die für einige lebensrettende Bedeutung haben, schwerer zugänglich gemacht wird.
Transfeindlichkeit in den USA: Die bunte Maske der bürgerlichen Demokratie fällt
Heute alle Arbeiter:innen auf die Straße!
Die Bekämpfung transfeindlicher Gewalt ist heute eine der zentralen Aufgaben der Arbeiter:innenbewegung. Nicht nur sind trans Personen unsere Klassengeschwister, sondern die transfeindliche Hetze, welche die Gewalt vorantreibt, spaltet die Klasse und verhindert einen vereinten Kampf gegen Kapitalismus und Patriarchat. Für die Einheit und Befreiung unserer gesamten Klasse und aller Geschlechter gilt es, transfeindliche Hetze und Gewalt zu bekämpfen. Die Föderation klassenkämpferischer Organisationen und viele weitere rufen dazu auf, sich heute bundesweit an Demonstrationen in verschiedenen Städten zu beteiligen.

