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Venezuela: USA kündigen Operation an, Machado fordert Regimewechsel und Öl-Privatisierung

Nach der Verlegung des Flugzeugträgers USS Gerald R. Ford vor die Küste Venezuelas haben die USA die Operation „Southern Spear“ angekündigt. Die venezolanische Oppositionsführerin Machado ruft das Militär auf, sich „auf die Seite der Freiheit“ zu stellen und stellt die Privatisierung des Öl-Sektors in Aussicht.

Am Donnerstag kündigte der US-amerikanische Kriegsminister Pete Hegseth die Operation „Southern Spear“ (dt. Südlicher Speer) an. Dabei geht es um die Situation im südkaribischen Meer vor der Küste Venezuelas. Seit Monaten zeichnet sich dort ein militärischer Angriff ab und die USA verlegen immer größere Teile ihrer Streitmacht in die Küstenregion.

Als Grund für die Aufrüstung der US-Streitkräfte in der Region nennen die USA den Drogenschmuggel von Venezuela in die Vereinigten Staaten. Seit Anfang September beschießen die USA kleinere Motorbote, die laut US-Militär Drogen geladen haben sollen. Bestätigt wurde dies bisher bei keinem der 21 Boote. Etwa 80 Menschen sollen bis jetzt bei diesen Angriffen getötet worden sein, nur zwei konnten gerettet werden.

USA bereiten Militäroperation in Venezuela vor – und streben Regimewechsel an

Es geht hierbei laut US-Präsident Trump nicht nur um venezolanische Drogenkartelle, sondern auch um die Regierung Maduros. Trump beschuldigt ihn, Teil des Kartell-Netzwerks zu sein. Einen ähnlichen Vorwurf hatte Trump kürzlich an den kolumbianischen Präsidenten, Gustavo Petro, gerichtet und nannte ihn einen „Drogendealer“. Auch Petro sei für ähnlichen Drogenschmuggel in die USA verantwortlich.

Das US Kalkül: Niemals die ganze Wahrheit sagen

Die Ankündigung der Operation Southern Spear am Donnerstag stellt zwar eine neue Eskalationsstufe dar. Doch seit der Veröffentlichung kam es noch zu keiner schlagartigen Eskalation des Vorgehens der USA. Ende Oktober hatte das US-Militär jedoch bereits den größten Flugzeugträger der Welt der USS Gerald R. Ford in das karibische Meer verlegt. Dieser steht damit nun unter dem Befehl des Southcom (Südliches Kommando), welches die Operationen vor der Küste Venezuelas leitet.

US-Machtdemonstration vor Venezuela: Flugzeugträger und angedrohte Bodeninvasion

Kurz zuvor war der befehlshabende Admiral der US-Streitkräfte in der Karibik und Südamerika nach nur einem Jahr auf diesem Posten zurückgetreten. Laut US-Beamten habe er Bedenken an den Operationen der USA bezüglich Venezuela geäußert. Offiziell gibt es keine öffentliche Erklärung für den Rücktritt, weder vom Admiral selbst noch vom Kriegsministerium. Ein solcher Rücktritt wirft aber die Frage der Stabilität des militärischen Oberkommandos der USA auf.

Auf der anderen Seite wurden dem Trump am Mittwoch aktualisierte Optionen für Operationen rund um und im Inland Venezuelas vorgelegt. Kurz darauf erklärte er: „Ich habe mir sozusagen eine Meinung gebildet.“ „Ich kann dir nicht sagen, welche das ist“, sagte er, „aber wir haben in Bezug auf Venezuela große Fortschritte darin gemacht, den Zustrom von Drogen zu stoppen“.

Venezuela sucht Verbündete – Trump spielt altbekannte Spiele

Unter den möglichen Zielen des US-Militärs in Venezuela befinden sich Luftwaffenbasen, Radarstandorte, Marinezentren und Führungs-/Kontrollknoten, von denen viele entlang der Nordküste und in der Nähe von Caracas konzentriert sind. Zu den Zielen gehören unter anderem die Luftwaffenbasen in Maracay, Barquisimeto und El Libertador, die Radar- und ISR-Knotenpunkte nahe Caracas und La Guaira und die strategischen Häfen in Puerto Cabello und La Guaira.

Mit der Trägerkampfgruppe des USS Gerald R. Ford verfügen die US-Streitkräfte sowohl über die Reichweite als auch über die Bereitschaft für präzise Landangriffe oder Marineinterdiktionen – also die gezielte Unterbrechung, Kontrolle oder Blockade von Seewegen, Schiffsbewegungen oder maritimen Nachschubwegen des Gegners – mit kurzer Vorwarnzeit.

Russland erhöht vorsichtig Unterstützung

Auf der anderen Seite bereitet sich die venezolanische Regierung um Präsident Maduro in Venezuela, auf die Verteidigung des Landes vor. Unter anderem wird die Bevölkerung mit den „Bolivarischen Milizen“ zum Militärdienst mobilisiert und im ganzen Land der Kriegsfall geübt.

Laut dem stellvertretenden Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses der russischen Staatsduma, Alexei Zhuravlev, habe Russland verschiedene Luftabwehr-Systeme nach Venezuela geliefert. Maduro habe zuvor einen Brief nach Moskau gesendet, um militärische Unterstützung gegen eine drohende US Invasion anzufordern.

Der russische Abgeordnete sehe ebenfalls kein Problem, auch Raketen des Typs Oreshnik oder Kalibr an Venezuela zu liefern. Mit diesen könnte Venezuela theoretisch auch das US-amerikanische Festland und das Territorium Puerto Rico treffen. Puerto Rico dient als wichtiger Militärstützpunkt in der Karibik. Noch ist die Lieferung solcher Waffensysteme jedoch nicht bestätigt.

Machado will Regime Change und Öl-Sektor privatisieren

Die Anführerin der venezolanischen Opposition, María Corina Machado, veröffentlichte dagegen einen Appell an das venezolanische Militär, in dem sie dazu aufruft, sich „auf die Seite der Freiheit zu stellen“. Sie hatte Trump zuletzt zu einer Militäroperation in ihrem Land aufgerufen hat, weil dies „der einzige Weg“ sei.

Friedensnobelpreis für Machado – eine Legitimation für den nächsten Putsch

„Was geschehen muss, geschieht bereits. Die entscheidende Stunde ist nah. Handelt jetzt, genau in diesem Moment. Legt eure Waffen nieder, greift euer Volk nicht an, trefft heute die Entscheidung, auf der Seite der Freiheit Venezuelas zu stehen, wenn die entscheidende Stunde kommt“, beginnt Machados Appell auf X.

Die Friedensnobelpreisträgerin und enge Verbündete von Trump hatte den USA bereits angeboten, nach einem Regimewechsel das venezolanische Öl zu privatisieren. Ein Ausverkauf an US-Unternehmen wäre dann nicht unwahrscheinlich. „Wir sprechen über eine Chance, eine Geschäftsmöglichkeit, von mehr als 1,7 Billionen Dollar. Das ist einzigartig“, erklärte sie auf dem Fortune Global Forum.

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