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Ziemlich beste Freunde? – Fragezeichen nach Trumps Treffen mit Mamdani

Vergangene Woche trafen die vermeintlich gegensätzlichsten Lager der US-amerikanischen Politik aufeinander. Der kommende New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani besuchte Präsident Donald Trump im Weißen Haus. Doch Trumps Freundlichkeit bedeutet nicht unbedingt eine Kehrtwende. – Ein Kommentar von Lukas Mainzer.

Die Wahl Zohran Mamdanis zum neuen Bürgermeister von New York Anfang November polarisierte bis weit über die Grenzen der Millionenstadt hinaus. Der selbsternannte Sozialist gehört dem linken Flügel der US-amerikanischen Demokratischen Partei an und galt lange Zeit als Außenseiter im Wahlkampf. Mit dem Fokus auf die Bekämpfung der immer weiter steigenden Lebenshaltungskosten in New York konnte er die Wahl für sich entscheiden. Ab nächstem Jahr wird der 34-Jährige einer der jüngsten und der erste muslimische Bürgermeister New Yorks sein.

Mamdanis Erfolg steht im großen Kontrast zur Republikanischen Partei, die unter Donald Trump immer weiter nach rechts rückt. In den Wahlkampf seiner Heimatstadt New York schaltete sich Trump selbst immer wieder ein. Für den Fall eines Wahlsiegs Mamdanis hatte er angekündigt, New York die Gelder zu entziehen und – ähnlich wie schon in anderen von Demokraten regierten Städten – die Nationalgarde zu entsenden.

Auch Mamdani gab sich immer wieder kämpferisch gegenüber Trump. In seiner Siegesrede äußerte er an Trump und die Verfolgungsbehörde ICE gerichtet: „Wenn sie auch nur einen von uns holen wollen, müssen Sie uns alle gemeinsam überwinden“. Immer wieder erwähnte Mamdani, er wolle New York als „Sanctuary City“ (dt. Zufluchtsort) gegen die von Trump entsandten staatlichen Behörden verteidigen.

Doch beim ersten Treffen beider Politiker am vergangenen Freitag waren plötzlich andere Töne zu hören.

Große Erwartungen: Zohran Mamdani wird Bürgermeister New Yorks

Trump ist auffallend zuvorkommend

Mamdani berichtet von einem „produktiven Treffen basierend auf unserer gemeinsamen Liebe für New York City“. Beide waren sich angeblich darin einig, New York für die Bewohner:innen der Stadt „erschwinglicher“ machen zu wollen. In ihrem Gespräch haben sich beide laut Mamdani auf Gemeinsamkeiten fokussiert. Trotzdem erklärte er, dass sie sich in vielen Punkten weiterhin unterscheiden. In mehreren Momenten gibt Mamdani eher diplomatisch, zurückhaltende Antworten an die Journalist:innen, während Trump ihm gegenüber fast schon überschwänglich freundlich und zuvorkommend ist.

Mamdani wird gefragt, ob er nach New York per Flugzeug angereist sei. Er weicht der Frage diplomatisch aus. Hier kommt Trump dann Mamdani zuvor. Er erklärt, dass Fliegen viel schneller gehe und Mamdani die Zeitersparnis brauche, da er „sehr hart arbeite“. Trump sagt sogar wortwörtlich „Ich stehe für dich ein“.

Auf die Frage, ob Mamdani Trump für einen Faschisten halte, will er zuerst noch ausweichen. Auch hier kommt ihm der US-Präsident aber zuvor, fällt Mamdani ins Wort und erklärt lächelnd „Das ist schon okay, du kannst das sagen. Es ist mir egal“. Anschließend klopft er Mamdani auf den Arm.

Trump distanzierte sich auch von Aussagen seiner Parteikollegin Elise Stefaniak gegenüber Mamdani. So halte er ihn aktuell nicht für einen Djihadisten. Sein Zurückrudern erklärt er mit Aussagen, „die man eben manchmal im Wahlkampf trifft“. Im starken Kontrast zu bisherigen Äußerungen Trumps steht auch seine Antwort auf die Frage, ob er mit Mamdani als Bürgermeister leben könne. Wie aus der Pistole geschossen antwortet er: „Ja, besonders nach dem Treffen. Wir sind uns in mehr Dingen einig, als ich bisher dachte.“

Trumps Anhänger:innen sind irritiert

In der Pressekonferenz war zu erkennen, wie Mamdani auf Trumps Zuvorkommen eher zurückhaltend reagierte, und es ihm in einigen Momenten wohl sogar etwas unangenehm war. Doch ob Trump und die Republikanische Partei gegenüber Mamdani einen Kurswechsel fahren werden, bleibt abzuwarten. Viele republikanische Parteimitglieder und Anhänger:innen hatten zuvor gehofft, Trump würde Mamdani beim Treffen „belehren“ oder eine „Tracht Prügel verteilen“. Sie zeigten sich enttäuscht und irritiert durch das Treffen.

Trump steht aktuell unter Druck seiner eigenen Basis und der Wählerschaft der USA. Seine Beliebtheit ist derzeit auf einem Tiefstand. Besonders die Inflation und damit verbundene steigende Lebenshaltungskosten konnte Trump entgegen seiner Wahlversprechen nicht stoppen. Und gerade mit diesem Thema konnte Mamdani die Bürgermeisterwahl gewinnen und gilt insbesondere unter jungen Menschen als einer der beliebtesten Politiker:innen der USA. Davon will natürlich auch Trump profitieren.

Rundumschlag gegen Opposition: Trump setzt neue Repressionsmaßnahmen um

Einige Anhänger:innen Trumps versuchen ebenfalls, das Treffen als Erfolg darzustellen. Trumps ehemaliger Berater Steve Bannon erklärte, Trumps Freundlichkeit sei nur inszeniert, um Mamdani und seine Politik scheitern zu lassen. Trump ist bekannt dafür, seine Positionierungen häufig und schnell zu wechseln – oft auch durch Druck der eigenen Basis. Es bleibt also abzuwarten, wie sich Trump weiterhin gegenüber Mamdani verhalten wird.

Mamdani muss mit Trump zusammenarbeiten

Auch für Mamdani und seine Unterstützer:innen wirft das Treffen Fragen auf: Für absolute Gegner:innen von Trump und seiner Politik sind überschwängliche Lobeshymnen des Faschisten Trump natürlich ein Widerspruch. Trump hatte u.a. erwähnt, er sei froh, dass Mamdani die amtierende demokratische New Yorker Polizeichefin Jessica Tisch im Amt behalte, da sie auch mit seiner Tochter Ivanka Trump befreundet sei. Mamdani galt bisher als scharfer Kritiker der New Yorker Polizei und beteiligte sich an „Defund the Police“-Kampagnen. Die Milliardärin Tisch setzt sich für mehr Polizeipräsenz und Überwachung ein.

Schon vor Mamdanis Amtsantritt am 1. Januar 2026 muss er also seine harte Position gegenüber Trump teilweise aufgeben und Schritte auf ihn zugehen. Damit könnte er vermeiden, dass Trump die Nationalgarde nach New York schickt. Mamdanis geplante Steuerreformen wären mit der Absegnung Trumps womöglich auch einfacher durchzusetzen. Doch von einer „sozialistischen Politik“, die kämpferisch gegen den Faschisten Trump kämpft, wäre dann schon lange nichts mehr übrig.

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