An der Uni Wuppertal drohen Kürzungen – und damit die Streichung des Studiengangs Architektur. Die studentische Gruppe fundament.tal kämpft für den Erhalt ihrer Ausbildung. Felix hat uns im Interview von den Sparmaßnahmen und ihren bisherigen und geplanten Aktionen berichtet.
Seit ungefähr zwei Monaten seid ihr als fundament.tal aktiv. Was hat euch motiviert, politisch gegen die drohende Kürzung eures Studiengangs vorzugehen?
Anfangs haben wir nur Gerüchte gehört, dass unser Studiengang in Gefahr ist. Lange blieben es Gerüchte und es wurde mit uns nicht darüber offiziell geredet. Uns war bewusst, dass wir selbst aktiv werden müssen, um gegen die Maßnahmen vorzugehen.
Wir erwarten vom Rektorat, dass im Rahmen einer demokratischen Teilhabe mit uns geredet wird. Das ist aber nicht passiert. Es war uns also klar, wir müssen laut werden, wir müssen uns organisieren und wir müssen dagegen ankämpfen.
Wie reagiert die Unileitung auf euer Engagement?
Wir haben uns von Anfang an gesprächsbereit gezeigt. Auf uns wurde seitens des Rektorats nie zugegangen, eine offene Veranstaltung am Campus Haspel, welche die Pläne des Rektorats öffentlich gemacht hätten, wurde seitens der Rektorin kurzfristig abgesagt. Es wurde also versucht, die direkte Konfrontation zu vermeiden.
Bis heute bekommen wir wenig Kommunikationsangebote mit. Bei einer nachträglichen Vollversammlung der Fakultät kam das Rektorat zwar, hat sich aber lediglich eine halbe Stunde für uns Zeit genommen, obwohl ein längeres Gespräch geplant war. Wirklich auf uns zugegangen wurde also nicht.

In euren Veröffentlichungen hinterfragt ihr die Unileitung auch kritisch. Es lägen angeblich noch viele Millionen Euro an Rücklagen auf den Konten der BUW. Könnte davon der Studiengang gerettet werden?
Dazu möchte ich anmerken, wir sind Architektur-Student:innen, keine Wirtschafts-Student:innen. Wir möchten uns mit diesen Themen nicht befassen, trotzdem haben wir Belege gefunden, dass große Rücklagen da sind. Als wir die Rektorin persönlich darauf angesprochen haben, wurde darauf in der Vollversammlung nicht wirklich eingegangen.
Wir sind uns aber sicher, dass diese Rücklagen da sind, aber nicht für den Erhalt des Studiengangs eingesetzt werden. Wir möchten wissen: Was ist mit dem Geld? Wie viel Geld ist da? Und wieso kann das nicht genutzt werden, damit unser Studiengang nicht abgebaut wird?
Warum wird eurer Meinung nach gerade bei der Bildung gekürzt? Die Architektur ist ja, wie in eurem Namen steckt, ein Fundament unserer Gesellschaft.
Es ist grundsätzlich so, dass wir die Kürzungen nicht als Angriff auf uns sehen, sondern als Angriff auf Kunst und Kultur, auf die sozialen Aspekte unseres Studiengangs. Es wurde von der Rektorin erwähnt, dass Architektur „leicht“ ins Bauingenieurswesen integriert werden kann.
Thyssenkrupp-Kooperation: Brechen TU Berlin und Uni Rostock die Zivilklausel?
Das ist für uns ein grundlegender Angriff auf die Disziplin der Architektur, wir kämpfen nicht nur für den Erhalt eines Studiengangs, es geht um viel mehr. Es geht um die Reduzierung der Nachhaltigkeit auf lediglich die technischen Komponenten. In unseren Augen ist diese Sichtweise brandgefährlich und wir erkennen daraus auch einen weitläufigen parteipolitischen Hintergrund.
Rektorin Frau Dr. Birgitta Wolff ist Mitglied und ehemalige Funktionärin der CDU. Was hat ihre Parteizugehörigkeit mit den Kürzungen zu tun?
Die Hochschulkürzungen sind von der jetzigen CDU-Regierung geplant, es wird in der Bildung gespart , anstatt dass man über andere Dinge diskutieren kann, über Einsparungen, die in ganz vielen Bereichen möglich sind.
Ich rede nicht von einem Abbau von sozialen Strukturen, ich möchte nur hinterfragen, warum der Ausbau von der Autobahninfrastruktur weitaus weniger belastet wird? Wenige Anteile würden dafür ausreichen, die Bildungskürzungen auszugleichen. Dementsprechend sehen wir den Angriff auf die Bildung als brandgefährlich und Angriff auf die Zukunft des Bundeslandes.
Könnten die Kürzungen auch andere Studiengänge betreffen?
Es ist grundsätzlich klar, dass, falls die Kürzungen im Landtag durchkommen, es in jedem Studiengang Einsparungen geben muss. Unsere Fakultät ist sich bewusst, dass sie dann schauen muss wo eingespart werden kann. Wir wissen auch, dass, wenn man die Kürzungen auf alle Studiengänge verteilt, die Kosten pro Studiengang geringer sein könnten. Wir sehen uns dennoch unverhältnismäßig stark angegriffen.
Damit möchte ich nicht sagen, dass bei anderen Studiengängen mehr gekürzt werden sollte. Wir müssen diese Kürzungen allgemein kritisieren, es sollte gar keine Einsparungen geben. Wenn sie kommen, müssen wir aber schauen, dass der Schaden bei allen Studiengängen so gering wie möglich ist, was aber im Moment nicht passiert. Aber nochmal: Auch wenn wir gegen die Abschaffung unseres Studiengangs kämpfen, kämpfen wir nicht für die Abschaffung eines anderen. Wir kämpfen gegen die Kürzungen an sich.
Universität Leipzig: Frauenfeindliche Aussagen und sexualisierte Belästigung
Ihr habt bereits vielfältige Aktionen gemacht und viel Aufmerksamkeit erregt. Auch große Medien wie der WDR haben schon über euch berichtet. Wie habt ihr euch bisher gegen die Sparpläne gewehrt?
Wir nutzen alle verfügbaren Handlungsmöglichkeiten, um eine möglichst hohe Reichweite zu generieren. Dazu gehört die Petition, eine kontinuierliche Social Media Präsenz und Interviews.
Unser Hauptaugenmerk liegt aber auf kreativen Protestaktionen auf dem Campus selbst, bei denen wir unsere Architekturausbildung als Medium nutzen, um zu zeigen, was verloren gehen kann. Die Mobilisierung der Studierenden über alle Fachbereiche hinweg ist dabei unser größtes Ziel: Je mehr Leute wir sind, desto lauter wird der Widerstand gegen die Abbaupläne des Rektorats.

Was habt ihr für die Zukunft geplant?
Wir werden laut bleiben. Wir sind für eine Stärkung des Architektur-Studienganges, welcher systemrelevant für die Zukunft unserer Generation, für eine disziplinübergreifende Nachhaltigkeit ist. Wir fordern den Stopp des Abbaus unseres Studienganges, den Stopp aller Bildungskürzungen und werden weiterhin als Architekt:innen für eine nachhaltige, faire, gerechte Welt kämpfen. Aber wir können nur weiter dafür kämpfen, wenn unser Studiengang langfristig ernst genommen wird.
Am 15. Dezember findet unsere Protestaktion direkt vor dem Rektoratsgebäude am Hauptcampus statt. Wir werden mit einer großen, fakultätsübergreifenden Demonstration da sein und zeigen, dass die Studierendenschaft geschlossen gegen die Pläne der Universitätsleitung ankämpft. Wir möchten klarstellen, dass die Studierenden gehört werden sollen und wir gegen die undemokratischen Prozesse innerhalb der Universität eintreten, statt über unsere Zukunft entscheiden zu lassen.
„Gegen Armut und Faschismus“ – erfolgreiche Demonstration in Leipzig-Lößnig
Solange wir leise sind, wird das Rektorat davon profitieren. Wir sind also über jegliche Unterstützung dankbar, sei es das Teilen auf Social Media, Flyer verteilen, vor Ort aktiv zu werden oder sich bei uns direkt zu engangieren. Wir müssen gehört werden, dabei sind wir für jede Unterstützung dankbar.
Was willst du unseren Leser:innen noch mitgeben?
Ich möchte nur auf die Wichtigkeit der Architekturdisziplin aufmerksam machen: 40 Prozent der globalen Emissionen werden durch den Bausektor verursacht. Das letzte was man da machen sollte, ist die Bildung in Architektur zu kürzen. Gerade im Standort Wuppertal, der als einer der wenigen Architekturstudiengänge auf nachhaltige Themen wie Umbaukultur und zirkuläres Bauen setzt. Wir möchten in der Gesellschaft etwas beitragen, brauchen dafür aber auch einen Platz, an dem wir dies tun können.
Ergänzung der Redaktion: Rektorin Birgitta Wolff erklärt auf Anfrage, dass die Uni Wuppertal ab 2026 Millionen einsparen müsse. Diese Kürzungen würden alle Bereiche betreffen. Rücklagen könnten nur dazu dienen, die Einschnitte übergangsweise abzufedern. CDU-Politikerin sei sie „eventuell“ mal gewesen. Niemand möge Einsparungen in Wissenschaft und Bildung. Demonstrationen der Studierenden „an der falschen Adresse“ seien für sie jedoch keine Alternative. Studierende sollten direkt auf sie zukommen, um „gemeinsam kreative Ideen zu entwickeln“.

