Am Sonntag töteten zwei bewaffnete Attentäter mindestens 15 Teilnehmer:innen einer jüdischen Festlichkeit in einem Vorort von Sydney. Benjamin Netanjahu bringt den Anschlag in Verbindung mit der australischen Anerkennung des Staats Palästina.
Am Sonntag – dem ersten Tag des traditionellen jüdischen Lichterfestes – ereignete sich ein antisemitischer Anschlag am australischen Bondi Beach. In einem Park hatten sich rund 1.000 Jüd:innen anlässlich des Fests versammelt, als zwei bewaffnete Attentäter das Feuer auf die Familienveranstaltung eröffneten.
Bei dem Attentat wurden mindestens 15 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Derzeit befinden sich noch 24 in Behandlung – drei von ihnen im kritischen Zustand (Stand: 16. Dezember 8 Uhr).
Scheinbar fundamentalistisches Motiv
Offiziell ist bisher nur sehr wenig über die Täter herausgegeben worden: Die australische Polizei hat bisher weder die Namen offiziell bestätigt, noch andere Aussagen zu politischen Hintergründen der Täter gemacht. Die Tatverdächtigen wurden durch die Polizei aber noch am Abend des Attentats als Vater und Sohn identifiziert.
Der 50-jährige Vater wurde am Tatort von Einsatzkräften der Polizei erschossen, der 24-jährige Sohn wurde schwer verletzt festgenommen. Von australischen Medien und auch von einem Imam wurden bereits die Namen der Tatverdächtigen veröffentlicht. Der Imam distanzierte sich öffentlich von dem jüngeren Attentäter, dem er vor einigen Jahren Koranunterricht gegeben hatte.
In einigen Medienberichten wurde außerdem über eine Verbindung der Täter zum Islamischen Staat berichtet. So erklärt die Polizei, dass im Fahrzeug des Sohnes zwei IS-Flaggen gefunden wurden. Zudem sei gegen einen der Attentäter bereits 2019 ermittelt worden, er wurde aber nicht als Gefahr identifiziert.
Australien plant weitere Verschärfung der Waffengesetze
Auch berichtete die Polizei bei einer offiziellen Pressekonferenz bereits, dass der ältere Täter Mitglied in einem Jagdverein gewesen ist und über eine Waffenbesitzkarte verfügte. Der Besitz von Langfeuerwaffen war für ihn deswegen legal. Im Auto der Täter wurden laut Polizeiangaben außerdem improvisierte Sprengsätze gefunden.
Der australische Premierminister Anthony Albanese kündigte umgehend eine Verschärfung der Waffengesetze an. Albanese schlug konkret eine Begrenzung der Anzahl der Waffen und eine regelmäßige Überprüfung bestehender Lizenzen vor. Das australische Waffengesetz wurde bereits nach einem Massaker im Jahr 1996 reformiert, damals waren die Lizenzen für Schusswaffen sowie staatliche Registrierungen der Waffen eingeführt worden.
Vorwürfe aus Israel
Der Anschlag wurde von der australischen Regierung klar als antisemitisch gewertet. Israelische Politiker:innen und jüdische Organisationen werfen der australischen Regierung jedoch vor, nicht genug gegen Antisemitismus zu unternehmen und deswegen den Anschlag begünstigt zu haben.
Hintergrund dieser Vorwürfe ist unter anderem eine im Dezember erschienene Expertise der jüdischen Organisation Executive Council of Australian Jewry (ECAJ), die einen starken Anstieg von antisemitischen Taten in Australien seit dem 7. Oktober 2023 beobachtete. Bereits im Juli kam es zu einem Brandanschlag auf eine jüdische Synagoge in Melbourne, in Bondi Beach waren bereits vor einem Jahr koshere Geschäfte Ziel von Attacken gewesen. Diese Anschläge wurden laut der australischen Regierung von der iranischen Regierung koordiniert, weswegen unter anderem der iranische Botschafter aus Australien ausgewiesen wurde.
Der ECAJ-Bericht führt in den Jahren 2024 und 2025 aber einen enormen Anstieg antisemitischer Gewalt allgemein auf. Verbale Anfeindungen, sowie Graffiti, Poster, Sticker und Nachrichten mit antisemitischem Gehalt seien demnach am stärksten gestiegen. Körperliche Angriffe auf Jüd:innen haben dem Bericht zufolge im Vorjahr auch enorm zugenommen, hatten sich aber in diesem Jahr wieder deutlich verringert.
Netanjahu: Anerkennung Palästinas habe „Öl ins antisemitische Feuer“ gegossen
Dabei führt der Bericht konkrete Beispiele an, die aber auch eine deutliche Problemstellung offenbaren: Es wird keine klare Trennung zwischen antisemitischen und antizionistischen Aussagen vorgenommen. Die Mehrheit der angeführten Beispiele hat dabei zwar klar antisemitischen Charakter, zugleich werden aber auch z.B. Graffiti wie „Zionism = Nazi“ oder Aussagen, die sich klar auf den israelischen Staat beziehen, in die Statistik mit aufgenommen.
Dieses Problem tut sich in der Berichterstattung zu antisemitischer Gewalt und Bedrohung immer wieder auf. Auch in Deutschland zählt beispielsweise die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) antizionistische Aussagen pauschal als Antisemitismus.
Der jüngste Anschlag in Bondi Beach wird von ranghohen israelischen Politiker:innen, allen voran Israels Regierungschef Netanjahu und Israels Präsident Herzog, nun auch explizit in einen Zusammenhang mit der Anerkennung des Staats Palästina durch Australien in Verbindung gebracht. Australien hatte im September zusammen mit Kanada und dem Vereinten Königreich die Anerkennung eines palästinensischen Staates bekanntgegeben.
Immer mehr Staaten erkennen Palästina an – Deutschland weiterhin zurückhaltend
Benjamin Netanjahu erklärte, er habe Australiens Premierminister schon vor mehreren Monaten in einem Brief gewarnt, „dass die Politik der australischen Regierung Antisemitismus in Australien fördert und ermutigt“. Netanjahu wirft Australien weiterhin vor, damit „Öl ins antisemitische Feuer“ gegossen zu haben.

