China stellt derzeit seinen neuen Fünf-Jahresplan fertig. Darin geht es um Forschung, wirtschaftliche Unabhängigkeit und neue Einflussgebiete. Der größte Rivale sind und bleiben die USA, die offene Frage weiterhin: Taiwan.
Mit dem Ende des Jahres 2025 neigt sich auch der 14. Fünf-Jahresplan Chinas dem Ende zu. Für den 15. Fünf-Jahresplan, der dann vom 2026 bis ins Jahr 2030 gültig sein wird, wurde bereits Ende Oktober ein Entwurf durch das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) verabschiedet. Im März 2026 soll die endgültige Version vorliegen.
Obwohl der Fünf-Jahresplan noch nicht finalisiert wurde, lässt sich schon jetzt Einiges aus der aktuellen Form erschließen: China strebt in den kommenden Jahren die Unabhängigkeit von Zulieferstaaten im Bereich der Technologie an. Zudem soll die Wirtschaft abgesichert und stabilisiert werden. Und China rüstet auf, um sich für kommende Konflikte oder Kriege zu wappnen, vor allem diejenigen um Taiwan. Dabei soll die militärische Macht besonders dazu dienen, Chinas Einflussgebiet global auszuweiten.
Auch wirtschaftlich gesehen will sich China von anderen Staaten unabhängig machen, seine Binnenwirtschaft stärken und seine Lieferketten ausdifferenzieren. Zudem will das Land seine Wasser-, Wind-, und Solarenergie im großen Stil ausbauen mit dem Ziel, bis zum Jahr 2060 klimaneutral zu werden. Die Investitionen in erneuerbare Energien sind für China jedoch in erster Linie nicht aus Umweltgründen attraktiv: Die Großmacht kann dadurch perspektivisch autark Energie gewinnen kann und somit auch in diesem Sektor unabhängiger sein.
Teil des Fünf-Jahresplans ist auch, an dem seit zwei Jahrzehnten bestehenden Trend festzuhalten, weiterhin enorme Summen für die Forschung und Entwicklung bereitzustellen. China gibt weltweit am meisten Gelder für Forschung aus. Im Jahr 2024 lag die Summe, die von China für Forschung und Entwicklung bereitgestellt wurde, bei 507,6 Milliarden US-Dollar. Besonders im Bereich der Chip-Technologie will China viel Geld investieren, um sich von den USA unabhängig zu machen.
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USA vs. China – Kampf um die globale Dominanz
Über die letzten Jahrzehnte hinweg waren die USA der mächtigste Staat auf der Welt, mit umfassenden Handelsbeziehungen in zahlreiche Staaten unter USA-Hegemonie und mit dem mächtigsten Militär der Welt. Doch auch im letzgenannten Bereich wird der Abstand zwischen den beiden Kontrahenten immer geringer, da China in Bereichen wie der Luftwaffe und ballistischen Raketen schnell aufholt. So verfügt das Land bereits über Tarnkappenflugzeuge und Hyperschall-Gleiter.
Der Wettbewerb um die globale Vormachtstellung zwischen den USA und China kristallisiert sich am eindrücklichsten am Thema Taiwan heraus. Taiwan wird von China als Teil seines eigenen Territoriums angesehen. Die USA hingegen nutzen Taiwan als Satelliten-Staat in ihrem Kampf gegen China. Die Frage des Einflusses über Taiwan nutzen die USA und China also, um ihren Machtkampf quasi über Bande auszufechten. So übt China mittels militärischer Manöver in der Luft und zu Wasser immer wieder Druck auf Taiwan aus. Die USA kündigten im Gegenzug kürzlich das bislang größte Waffenpaket für Taiwan in der Höhe von 11,1 Milliarden Dollar an, das allerdings noch durch den US-Kongress bestätigt werden muss.
Taiwan allein ist China militärisch unterlegen. Der Inselstaat rüstet zwar aktuell Stück für Stück auf mit dem Ziel, bis zum Jahr 2030 fünf Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Rüstung auszugeben. Tatsächlich aber stellt die Verbindung zu den USA für Taiwan das wichtigste Verteidigungselement dar. Zugleich kann sich Taiwan nicht darauf verlassen, dass die USA das Land letztlich nicht doch einfach seinen eigenen Interessen unterordnet.
Dabei ist Taiwan in einer zwiespältigen Situation: Denn auf der einen Seite sucht der Staat die Nähe zu den USA und deren Rüstungsgütern. Auf der anderen Seite ist China Taiwans wichtigster Handelspartner, auf den Taiwan nicht einfach so verzichten kann. Um sich trotzdem von China zu lösen, sucht Taiwan derzeit in Südostasien nach Handelspartnern.
In der letzten Zeit gab es auch stückweise immer wieder taktische Annäherungen und Gespräche zwischen den USA und China. Darin ging es vor allem darum, die wirtschaftlichen Folgen des Handelskriegs abzuschwächen. Die beiden Großmächte verbindet ein enormes Handelsvolumen. Doch China liegt in manchen wirtschaftlichen Teilbereichen wie beispielsweise der Produktion Seltener Erden bereits vor den USA. Das Land besitzt rund 70 Prozent der Seltenen Erden weltweit und 90 Prozent der Verarbeitungskapazitäten.
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China setzt auf Ausdifferenzierung der Geopolitik
China versucht in diesem Prozess nicht nur, sich seine direkten Nachbarn einzuverleiben, sondern streckt seine Fühler auch in den sogenannten globalen Süden aus. Denn China versucht in Afrika, Südamerika und Asien neue Partner zu finden, bei denen die Machtsymmetrie derzeit deutlich zugunsten Chinas ausfällt.
Mit Projekten wie die neue Seidenstraße oder die Shanghai Cooperation Organization, das die Beziehungen zu Staaten wie Russland, Indien, Pakistan usw. intensiviert, schafft China neue und breitgefächerte Beziehungen unter seinem Einfluss. Durch solche Projekte gelingt es China, den globalen Einfluss der USA zu unterlaufen, wenn nicht gar zurückzudrängen.
Der Fünf-Jahresplan soll China dabei als zentrale strategische Ausrichtung dienen. Mit diesen mittelfristigen Leitlinien will das Land sowohl in der Forschung, als auch wirtschaftlich und militärisch unabhängiger von den USA und anderen Staaten werden, weltweit neue Märkte erschließen und sich so zum mächtigsten Staat der Welt aufschwingen.

