Zeitung für Solidarität und Widerstand

Das Jahr bei Perspektive: 2025 zwischen Militarisierung und Widerstand

Krieg nach außen und Repression nach innen prägten das Jahr 2025. Doch unsere Berichterstattung hat nicht nur diese Entwicklungen, sondern auch den Widerstand dagegen sichtbar gemacht. Darauf wollen wir zurückblicken – und einen optimistischen Blick in die Zukunft werfen.

Das Jahr 2025 begann mit Wahlkampf und Bundestagswahl im Februar, begleitet von bundesweiten Anti-AfD-Protesten. Die meisten Stimmen konnte letztendlich die CDU/CSU auf sich vereinigen, doch eigentliche Gewinnerin der diesjährigen Bundestagswahl war die faschistische AfD mit einem historischen Ergebnis von 20,8 Prozent. Die klaren Verliererinnen: Die Ampel-Parteien, allen voran die FDP, welche an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte.

Bevor sich die neue Regierung gebildet hatte, winkte die eigentlich schon abgewählte Regierungskoalition aus CDU, SPD und Grüne jedoch noch die Lockerung der Schuldenbremse und ein weiteres Sondervermögen für die Bundeswehr durch. 500 Mrd. Euro für die Bundeswehr und weitere 500 Mrd. Euro für Infrastruktur, welche jedoch auch der Bundeswehr zugutekommt.

Die Lockerung der Schuldenbremse stellte eine Grundgesetzänderung dar, welche eine Zweidrittelmehrheit gebraucht hätte – diese hätten Union und Sozialdemokraten in ihrer neuen Regierungskonstellation nicht gehabt und wären auf die Stimmen der AfD oder der Linkspartei angewiesen gewesen.

SPD und CDU planen 500 Milliarden Sondervermögen für die Bundeswehr

Sozialstaat? Gestrichen.

Die Regierungskoalition aus CDU/CSU und der SPD unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), welcher erst im zweiten Wahlgang gewählt wurde, unterzeichnete im Mai ihren Koalitionsvertrag, welcher weitreichende Angriffe auf die Arbeiter:innenklasse wie die Abschaffung des Bürgergeldes vorsah. Mit dem „Herbst der Reformen“ machte Bundeskanzler Merz daraus Nägel mit Köpfen: Am 1. Januar tritt eine Rentenreform in Kraft, welche die sogenannte Aktivenrente und die Festsetzung des niedrigen Rentenniveaus von 48 Prozent bis 2031 vorsieht. Die Reform wirkt sich besonders negativ auf Frauen aus.

Außerdem wurde im Oktober wie angekündigt das Bürgergeld reformiert bzw. so gut wie abgeschafft: Erlaubt sind zukünftig weitreichende Sanktionen bis zur völligen Streichung des Bürgergeldes. Arbeitsministerin Bärbel Bas findet klare Worte zum Abbau des Sozialstaats: „Wir verschärfen die Sanktionen bis an die Grenze dessen, was verfassungsrechtlich zulässig ist.“

„Das Bürgergeld ist jetzt Geschichte“ – Koalitionsausschuss beschließt Abbau des Sozialstaats

„Demokratie“ per KI und Schlagstock

Begleitet wird der „Herbst der Reformen“, welcher sich wohl auf weitere Jahreszeiten ausweiten wird, von einer spürbaren Verschärfung der Überwachungsmaßnahmen und Polizeigesetze. Das Innenministerium will mit zwei Gesetzesvorstößen die digitalen Ermittlungsbefugnisse von Polizei und Bundeskriminalamt bei der automatisierten Auswertung großer Datenmengen erweitern.

In mehreren Bundesländern wird KI-Überwachung getestet und die Überwachungssoftware „Gotham“ von Palantir eingeführt. Das muss die Hauptstadt natürlich nachziehen: Anfang Dezember beschloss die Landesregierung Berlins das weitreichendste Polizeigesetz bisher. Von KI-Überwachung, automatisierter Datenauswertung, biometrischen Datenabgleich, über verdeckte Wohnungszugriffe und heimliche Installation von Staatstrojanern ist da alles dabei.

Staatliche Überwachung als Normalzustand – eine Bestandsaufnahme 2025

Es wird also klar, dass der deutsche Staat auf weitreichende Überwachung und Repressionen setzt, um seinen auf Aufrüstung und Militarisierung stehenden Kurs durchzusetzen. Dass er das kann, hat er auf zahlreichen palästina-solidarischen Demonstrationen in Berlin oder auch beim Rheinmetall-Entwaffnen Camp gezeigt. Dort wurden hunderte Demonstrierende bei der angemeldeten Abschlussdemonstration zwölf Stunden lang gekesselt, zusammengeschlagen und verhaftet.

Jugendlicher Widerstand gegen die Wehrpflicht

Um kriegstüchtig zu werden, braucht der Staat jedoch nicht nur eine brave Bevölkerung und Geld für die Bundeswehr, sondern auch Menschen, die in der Armee dienen: Erst vor wenigen Wochen wurde deshalb das neue Wehrdienstgesetz beschlossen, welches am 1. Januar 2026 in Kraft tritt und verpflichtende Musterungen vorsieht.

Jedoch hat gerade die Jugend, welche als erstes von den Musterungen betroffen ist, nicht so viel Lust auf Bundeswehr wie der Staat gehofft hatte. Mit einem Schulstreik zeigten über 50.000 Schüler:innen deutschlandweit, was sie von dem Wehrdienstgesetz halten. Dieser geht am 5. März 2026 in die nächste Runde.

Schulstreik: Über 50.000 protestieren bundesweit gegen die Wehrpflicht

Auch in anderen Ländern Europas und international ging die Jugend voran: Generalstreiks in Italien, Frankreich, Belgien, Griechenland, Portugal und Serbien; Regierungsumsturz in Nepal und wochenlange Proteste in der Türkei. Das Jahr 2025 war auch ein Jahr des Aufstands.

Gaza: Von Frieden keine Rede

Der Genozid an der palästinensischen Bevölkerung in Gaza ist auch nach über zwei Jahren seit Beginn der Offensive nicht vorbei. Im Oktober wurde ein „Waffenstillstand“ unter der Führung der USA beschlossen. Die westlichen Medien reden seitdem zwar von „Frieden“, die Realität zeichnet allerdings ein anderes Bild:

Allein bis Mitte Dezember hat Israel den Waffenstillstand über 590 mal gebrochen und Hunderte dabei getötet. Die Hungersnot dauert dardurch weiter an und Israel plant die Annexion von über 50 Prozent des Gazastreifens.

Zwei Monate Waffenstillstand in Gaza: An Frieden ist nicht zu denken

Ukraine-Krieg als Mittel deutscher imperialistischer Politik

Auch zwischen der Ukraine und Russland finden Friedensverhandlungen unter Führung der USA statt. Während die USA sich aus dem Krieg um die Ukraine mehr und mehr entfernt und seinen Blick auf China richtet, wird der deutsche Staat zum wichtigsten Unterstützer der Ukraine – sowohl finanziell als auch materiell und ideell. Ziel ist dabei weiterhin, dass die Ukraine im Einflussgebiet der europäischen Großmächte bleibt.

Nicht nur dient der Ukraine-Krieg dem deutschen Staat als enormer Beschleuniger in der Entwicklung von Rüstungstechnologie und dem Aufbau einer stärkeren Rüstungsindustrie. Er macht es den europäischen Staaten auch einfacher, sich gegen den Hauptfeind Russland zu vereinigen und so die Interessen der Großmächte voranzubringen. Diese Position will Merz nicht verlieren.

Selenskyj in Berlin: Mehr Kompromisse der Ukraine für weitere Sicherheitsgarantien?

Jubiläum der Printausgabe

Über all diese Entwicklungen berichteten wir täglich auf unserer Webseite und in Sozialen Medien sowie monatlich in unserer Print-Ausgabe. Während andere Zeitungen nach und nach ihre Print-Angebote einstellen, feierte Perspektive im Juli ein Jubiläum: Die 100. gedruckte Ausgabe erschien und wurde in über 60 Städten gelesen und verteilt. Insgesamt wurden 2025 54.500 Ausgaben gedruckt.

Besonders stark vertreten waren die großen Ballungsräume im Ruhrgebiet sowie die Großstädte Berlin, Leipzig, Hamburg, Frankfurt und Stuttgart. Auch in kleineren Städten wie Cottbus, Freiburg, Saarbrücken, Münster, Göttingen, Jena oder Nürnberg haben Menschen unsere Zeitung gelesen. Doch nicht nur in den Städten, sondern auch in ländlichen Regionen und Orten wie Berchtesgaden, Hoyerswerda, Finsterwalde, Landau oder Rosenheim, weckte unsere Berichterstattung und unsere Print-Ausgabe Interesse.

100 Ausgaben Perspektive: Weiter Druck machen

Mehr Leser:innen auf unserer Webseite

Mit über 700 Nachrichten, 450 Kommentaren und knapp 70 Interviews haben wir fast 1.300 Artikel veröffentlicht. Damit konnten wir auch unsere Reichweite deutlich vergrößern. Auf unserer Webseite erreichten wir über 650.000 Aufrufe. Neben einem höheren Output an Artikeln als im Vorjahr, nahm allerdings auch die Reichweite einzelner Artikel zu.

Die größte Aufmerksamkeit erreichte die Nachricht „Operationsplan Deutschland: Ostdeutschland als Drehscheibe der Kriegsvorbereitungen“ mit fast 80.000 Aufrufen innerhalb weniger Tage. Darauf folgte mit über 14.000 Klicks eine im März veröffentlichte Nachricht über die von der Schlichtungskomission vorgeschlagenen Reallohnsenkungen im TVöD.

Ähnlich viel Interesse erregte der Fall des Schülers Bentik von der Internationalen Jugend. Unser Interview mit ihm über die Anzeige, die er wegen eines Memes über die Bundeswehr bekomme hatte, wurde über 8.000 mal gelesen und von zahlreichen großen Medienkonzernen aufgegriffen und zitiert.

Doch auch Artikel aus den Jahren zuvor, stießen auf großes Interesse. Ganz vorne mit dabei war der Artikel „Wie ‚neutral‘ berichten Tagesschau und Co.?“, der bereits 2023 veröffentlicht wurde. Dieses Jahr wurde er ganze 6.000 mal gelesen.

Wem gehören die Medien?

Daneben waren es vor allem unsere Ticker, die interessierte Leser:innen auf unsere Webseite zogen. Im September berichteten wir zuerst über die Global Sumud Flotilla, die versuchte, die Seeblockade Gazas zu durchbrechen. Zuletzt lasen tausende Menschen unsere Artikel über die Vergewaltigung unserer Gast-Autorin und Aktivistin Anna Liedtke im israelischen Gefängnis.

Ende November lieferten wir dann aktuelle Updates von der Straße über die Proteste gegen die Neugründung der AfD-Jugend in Gießen. Dabei ging vor allem ein Video viral, das in Sozialen Medien millionenfach geklickt wurde. Zu sehen: Ein brutaler Angriff der Polizei auf Demonstrierende, die eine Autobahn blockierte. Die Polizeigewalt war so brutal, dass teils die Echtheit des Videos bezweifelt wurde – besonders mit der Flut an KI-Videos im Internet. Auch hier griffen zahlreiche Medien unser Video auf und berichteten noch einen Monat später darüber.

Größere Reichweite in Sozialen Medien

Am größten wuchs unsere Reichweite auf Instagram. Nachdem wir im Mai die 10.000 Follower:innen knackten, liegen wir nun am Ende des Jahres kurz vor der Marke von 15.000. Hierbei konnten wir auch unsere monatliche Reichweite auf bis zu 1,4 Millionen Aufrufen steigern. Dazu trug auch unsere regelmäßigere Video-Arbeit sowie die Professionalisierung unserer Designs bei.

Das größte Interesse weckte hier unsere Vor-Ort-Berichterstattung von Majas Prozess in Ungarn sowie den Protesten gegen die AfD-Jugend und dem Rheinmetall Entwaffnen Camp in Köln. Doch auch Beiträge über untergetauchte Faschist:innen, ansteigende Diäten im Berliner Senat oder der Widerstand junger Azubis gegen ihren Chef und Vermieter verbreiteten sich schnell.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt zudem die Festnahme unseres Redakteurs Basti während unserer Berichterstattung über das Rettet Maja Aktionscamp von dem Auswärtigen Amt in Berlin.

Unser Redakteur wurde festgenommen

Doch auch auf Telegram konnten wir besonders durch unsere Live-Ticker einen Zuwachs auf über 4.000 Abonennt:innen beobachten. Neben den Protesten in Gießen und dem RME-Camp in Köln hatten wir auch am 1. Mai, den bundesweiten Protesten gegen die „Gemeinsam für Deutschland“-Demonstrationen im März sowie rund um den SPD-Parteitag in Berlin und den AfD-Parteitag in Riesa im Januar unsere Reporter:innen auf der Straße, um euch mit aktuellsten Infos zu versorgen.

Juristische Angriffe von Rechts

Ebenso wie 2024 waren wir auch in diesem Jahr mit mehreren juristischen Angriffen konfrontiert. Einerseits konnten wir unseren Prozess gegen den Dritten Weg im Frühjahr erfolgreich beenden. Andererseits begann einige Monate später der Prozess gegen den rechten Ahriman-Verlag, dem unsere Berichterstattung gewaltig störte. Doch auch hier konnten wir in erster Instanz siegen.

Sieg in erster Instanz: Rechter Ahriman-Verlag unterliegt Perspektive vor Landgericht Freiburg

Neben Prozessen vor Gericht müssen wir uns auch immer wieder mit Abmahnungen herumschlagen. Das zeigt uns aber auch, dass unsere Berichterstattung immer wieder ins Blaue trifft. Für uns ist aber auch klar: Wir werden uns davon nicht einschüchtern lassen, sondern weiter über alles berichten, was wir für richtig halten. Dazu benötigen wir jedoch auch finanzielle Unterstützung, um ehrenamtliche Angebote wie Perspektive weiter aufrecht erhalten zu können.

Ausblick

Auch 2026 heißt es für uns: Wir machen Journalismus für die Millionen – nicht die Millionär:innen. Denn die aktuelle politische Lage in der Welt stellt uns als Arbeiter:innenklasse vor neue Herausforderungen: die weitere Aufrüstung in Deutschland und die Zuspitzung der imperialistischen Kriegsvorbereitungen auf der ganzen Welt, der Aufstieg des Faschismus, die Angriffe auf den Lebensstandard unserer Klasse und die zunehmende Repression gegen die Widerständigen.

Als klassenkämpferische Zeitung wollen wir auch 2026 unseren Beitrag dazu leisten, die Ungerechtigkeiten des kapitalistischen Alltags in der Schule, im Betrieb oder in der Nachbarschaft aufzuzeigen. Doch ebenso wollen wir weiterhin eine positive Vision einer freien und gerechten Gesellschaft im Sozialismus nach außen tragen.

Im kommenden Jahr haben wir also wieder einiges vor. Dazu wollen wir einerseits unsere eigene Arbeit in den verschiedenen Arbeitsbereichen professionalisieren. Neben der journalistischen Ausbildung der Redaktion sowie den zahlreichen Korrespondent:innen zählt dazu auch die Weiterentwicklung unserer lokalen Arbeit, um noch mehr über die Probleme, aber auch den Widerstand unserer Klasse zu berichten.

Mach mit und unterstütze Perspektive

Für die Unterstützung im vergangenen Jahr möchten wir uns bei allen Redakteur:innen, Korrespondent:innen, Leser:innen und Verteiler:innen bedanken. Und 2026 möchten wir gemeinsam dort weitermachen, wo wir aufgehört haben.

Um unsere tägliche Berichterstattung weiter fortführen und professionalisieren zu können, werden auch immer größere Kosten auf uns zukommen. Dazu brauchen wir auch im kommenden Jahr deine Unterstützung. Werde Fördermitglied oder lass eine Spende da, abonniere unsere Print-Zeitung und verteile sie in deinem Umfeld oder werde selbst aktiv als Korrespondent!

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