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Deutsche Bahn: Neue Fahrpläne mit Ausdünnung auf dem Land

Die Deutsche Bahn ändert am 14. Dezember ihre Fahrpläne. Damit gehen Kürzungen von Strecken und Taktungen im Regionalverkehr einher, während das Angebot an ICE-Strecken zwischen Großstädten wächst. Parallel wird das Top-Management der DB halbiert.

Am 14. Dezember findet die regelmäßige Fahrplananpassung der Deutschen Bahn statt, die in der Vergangenheit oft mit Preissteigerungen einherging – wie zuletzt im Juni dieses Jahres. Die aktuellen Pläne sehen jedoch größere Änderungen vor, die sich sowohl auf die Angebotsdichte in vielen Regionen als auch auf die Taktung stark genutzter Strecken auswirken. Es ist mit Anpassungen in beiden Bereichen zu rechnen.

Das Angebot wird von der Nachfrage dominiert

Die neuen Fahrpläne sehen eine erhöhte Taktung zwischen größeren Städten vor: Beispielsweise sollen die Verbindungen zwischen Berlin und München oder Frankfurt und Hamburg verdichtet und zu sogenannten „Sprinterstrecken” ausgebaut werden. Das bedeutet neben einer höheren Taktfrequenz auch den Einsatz der schnellsten ICE-Modelle auf diesen Strecken.

Sparmaßnahmen bei der Deutschen Bahn enthüllt

Neben der Verdichtung des Fernverkehrs werden teilweise auch die Taktungen in städtischen Regionen wie in Nordrhein-Westfalen erhöht.

Im Kontrast dazu steht der Abbau der Zeitfrequenzen in vielen vorstädtischen und ländlichen Regionen: So wird die Taktung der S-Bahn in der Region Leipzig deutlich reduziert: Die S10 (Leipzig – Grünau) wird komplett eingestellt, und die S3 wird tagsüber von einem 15-Minuten- auf einen 30-Minuten-Takt ausgedünnt, ab 21 Uhr sogar auf einen Stundentakt.

In Brandenburg zeigt sich ein ähnliches Bild: Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) hat beschlossen, einige Regionalverbindungen im ländlichen und kleinstädtischen Raum einzuschränken oder, wie die RB62, komplett einzustellen. Im Gegensatz dazu wird die Taktfrequenz der durch Berlin führenden Linie RE3 sowie der Linien RE2 (Cottbus – Berlin – Nauen) und RE8 (Berlin – Elsterwerda) auf einen Stundentakt erhöht.

Die Rolle von Regionalen Verkehrsverbünden ist bei alldem die Koordination verschiedener öffentlicher Verkehrsangebote. S-Bahnen oder DB-Regio sind ein Teil davon und unterstehen komplett der Deutschen Bahn. Dementsprechend sind Änderungen der Taktung in den Regionen abhängig von sowohl dem Angebot der Deutschen Bahn als auch den Möglichkeiten der lokalen und regionalen Verkehrsverbünde.

Deutsche Bahn – gestiegener Preis für schlechteren Service

Was allen Kund:innen der Deutschen Bahn schmerzhaft aufgefallen ist: Die Qualität des Service hat in den letzten Jahren kontinuierlich abgenommen. Besonders auffällig sind dabei die Statistiken zur Pünktlichkeit. Im September hatte diese einen neuen Tiefpunkt erreicht: Nur 55 Prozent der Fernzüge waren „pünktlich“. Dies hat sich im November nicht gebessert.

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Dabei ist zu beachten, dass in dieser Statistik Züge bereits als pünktlich gelten, wenn sie weniger als sechs Minuten Verspätung haben. Zugausfälle werden in dieser Berechnung gar nicht berücksichtigt. Nach Angaben verschiedener Medien ließ die Deutsche Bahn deshalb im September Züge gezielt ausfallen, um die Pünktlichkeitsstatistik zu verbessern.

Zudem sind die Preise im Fernverkehr in den letzten Jahren konstant gestiegen: Zum Jahreswechsel wird der Preis des Deutschlandtickets auf 63 Euro angehoben. In den letzten drei Jahren betrug die jährliche Preiserhöhung im Fern- und Nahverkehr mindestens 4,9 Prozent. Im selben Zeitraum sind die Reallöhne durchschnittlich um mindestens 0,8 Prozent gesunken.

Kürzungen im Management – Aufbau der Infrastruktur

Bei der Deutschen Bahn findet unter der neuen Chefin Evelyn Palla auch eine Umstrukturierung des Managements statt: Der von den Beschäftigten als „Wasserkopf“ bezeichnete Verwaltungsapparat soll dabei halbiert werden. Diese Maßnahme soll auf allen Ebenen des oberen Managements durchgezogen werden.

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Dies kann als ein erster Schritt zur angestrebten Umstrukturierung der Deutschen Bahn betrachtet werden, wie es das erklärte Ziel von Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) und Bahnchefin Evelyn Palla ist. Dabei steht im Hintergrund zum einen die Profitorientierung der Deutschen Bahn, die durch ein schlechteres und teureres Angebot langfristig Kunden verlieren könnte – entweder an Inlandsflüge, den Reisebus und Autoverkehr oder an den Konkurrenten auf der Schiene, Flixtrain.

Zudem liegt ein weiterer Fokus der Umstrukturierungspläne auf der Sanierung der Infrastruktur. Diese kann im Zusammenhang mit den deutschen Kriegsvorbereitungsplänen als zentrale Baustelle betrachtet werden, um die Rolle Deutschlands in einem möglicherweise kommenden Krieg zu erfüllen: Laut dem Operationsplan Deutschland innerhalb des neuen NATO-Konzepts soll nämlich neben den Autobahnen auch das Schienennetz genutzt werden, um besonders Ostdeutschland zu einem zentralen Knotenpunkt für den Transport von Soldat:innen und Waffen von West nach Ost zu machen.

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