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Gender Pay Gap: Neues Jahr, alte Ungerechtigkeit

Frauen verdienen in Deutschland 2025 weiterhin deutlich weniger als Männer. Der unbereinigte Gender Pay Gap schrumpft zwar minimal, doch die Ungleichheit bleibt bestehen. Eine geplante Rentenreform droht diese Schieflage weiter zu verschärfen.

Trotz minimaler Verbesserungen verdienen Frauen in Deutschland im Jahr 2025 weiterhin durchschnittlich 16 Prozent weniger pro Stunde als Männer. Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen ein bekanntes Bild: Die Lohnlücke schließt sich nur im Schneckentempo.

Während der sogenannte unbereinigte Pay Gap von 18 auf 16 Prozent sank, bleibt der bereinigte Wert, der gleiche Arbeit und Qualifikation vergleicht, unverändert bei sechs Prozent. Dieser strukturelle Kern der Ungleichheit erweist sich als hartnäckig.

Hinter den nüchternen Prozentsätzen verbergen sich systemische Ursachen. Die offizielle Statistik führt etwa zwei Drittel der Gesamtdifferenz darauf zurück, dass Frauen häufiger in Teilzeit, in „branchenüblich schlechter bezahlten Berufen“ und in atypischen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten.

Gender Pay Gap: Frauen verdienen auch 2024 weniger

Diese Verteilung ist kein Zufall, sondern Resultat einer nach wie vor patriarchal geprägten Arbeitswelt, die unter anderem auch die unbezahlte Reproduktionsarbeit im Haushalt allen voran den Frauen aufbindet. Die Pandemie hat diese Schieflage noch verstärkt, da Frauen öfter in Kurzarbeit gingen oder ihre Arbeitszeit für familiäre Verpflichtungen reduzierten.

Ost-West-Gefälle und die Illusion der Bereinigung

Die regionale Betrachtung offenbart ein Paradoxon: Der unbereinigte Pay Gap ist in Ostdeutschland mit 5 Prozent deutlich geringer als im Westen (17 Prozent). Kehrt man jedoch den Blick auf die bereinigte Lücke, also den Unterschied bei gleicher Tätigkeit, so fällt sie im Osten mit 9 Prozent sogar höher aus als im Westen (6 Prozent).

Dies deutet darauf hin, dass im Osten zwar mehr Frauen in ähnlichen Berufsfeldern wie Männer arbeiten und weniger in Teilzeit angestellt sind. Die direkte Diskriminierung bei der Entlohnung im gleichen Job ist dort aber möglicherweise ausgeprägter. Zudem wird aus der Statistik nicht ersichtlich, wie die unbezahlte Care-Arbeit verteilt ist.

Frauen leisten 30 Stunden unbezahlte Care-Arbeit pro Woche

Die rentenpolitische Folge: Altersarmut als weibliches Schicksal

Die Ungerechtigkeit des Erwerbslebens setzt sich im Alter ungebremst fort. Die aktuelle Diskussion um eine Rentenreform 2026, die den Eintritt an die Anzahl der Beitragsjahre koppeln will, droht Frauen besonders zu treffen.

Da sie durch Teilzeitarbeit, niedrigere Löhne und Erwerbsunterbrechungen für Kindererziehung oder Pflege oft weniger Rentenpunkte sammeln können, würden sie unter einem solchen Modell noch länger arbeiten müssen, um eine abschlagsfreie Rente zu erhalten.

Rentenreform 2026: Die Rente nach Beitrittsjahren ist eine Farce für Frauen und Alte

Fast jede zweite Frau in Deutschland arbeitet Teilzeit, somit ist die Ausgangslage für Frauen also sowieso schlecht. Eine Reform, die Beitragsjahre ins Zentrum stellt, ohne die strukturellen Benachteiligungen im Erwerbsleben auszugleichen, wird die bereits bestehende Altersarmut von Frauen zementieren.

Die minimalen Fortschritte beim unbereinigten Pay Gap sind kein Grund zur Entwarnung. Sie resultieren eher aus einer leicht veränderten Erwerbsstruktur, etwa durch mehr Frauen in besser bezahlten Jobs. Die grundlegende Ungleichheit bleibt jedoch bestehen.

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