Vergangenen Samstag boykottierten hunderte Fans des 1. FC Köln das Derby-Spiel gegen Leverkusen, nachdem Vorwürfe von polizeilichen Nacktkontrollen am Einlass aufkamen. Der symbolträchtige Protest folgte auf einen längeren Kampf gegen Repressionsmaßnahmen des Staats und überbordende Sicherheitsmaßnahmen im Leverkusener Stadion.
Beim Derby zwischen den Bundesliga-Vereinen Bayer Leverkusen und 1. FC Köln ging es am Samstag, den 13. Dezember um die fußballerische Vorherrschaft am Rhein. Obwohl das Spiel für die lokalen Fan-Szenen also von Bedeutung war, boykottierten es hunderte Ultras beider Seiten und reisten jeweils geschlossen ab. Grund dafür waren Gerüchte um polizeiliche Nacktkontrollen bei Köln-Ultras, die mutmaßlich am Eingang stattgefunden haben sollen.
Der Protest steht im Kontext größerer Maßnahmen gegen die Fußball-Fanszene. Anfang des Monats kamen die Innenminister:innen der Länder zusammen und beschlossen unter anderem eine stärkere Durchsetzung von Stadionverboten. Auch im Leverkusener Stadion stiegen in letzter Zeit die Repressionen, die vor allem die Gästeblocks betrafen.
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Wie es zu den Nacktkontrollen kam
Während der Einlasskontrollen sollen zwei Fans das Stadion ohne Ticket betreten haben wollen. Laut einer Stellungnahme der Leverkusener Ultras finden häufig selektive Untersuchungen bei Gäste-Fans statt, die oft in Intensivkontrollen enden. In diesem Fall nahm die Polizei lediglich die fehlenden Tickets zum Anlass, die intensiven Ganzkörperkontrollen durchzuführen. Bei der Kontrolle von einem der Fans wurden laut Polizei verdächtige Gegenstände im Bereich der Hosentaschen ertastet.
Daraufhin zog der 24-jährige Mann seine Hose aus. An dieser Stelle widersprechen sich die Schilderungen. Nach Aussage des betroffenen Fans, welcher mit der Kölner Fanhilfe Kölsche Klüngel in Kontakt stand, wurde er aufgefordert die Hose auszuziehen. Daraufhin soll die Polizei in die Unterhose des Mannes geschaut haben.
Nach Darstellung der Polizei zog der Fan seine Hose selbst aus und händigte einen Zahnschutz und zwei Bandagen aus. Diese gelten bei Fußballspielen, aber auch bei Demonstrationen und anderen Versammlungen als passive Bewaffnung. Der Schutz vor Verletzungen, die nicht zuletzt durch Polizeibeamte herbeigeführt werden können, wird durch den Paragraph 17a des Versammlungsgesetzes schon seit Jahrzehnten kriminalisiert.
Beim zweiten Fan wurde eine Sturmhaube gefunden. Obwohl intensive körperliche Untersuchungen bei Fußballspielen eher eine Ausnahme darstellen und eigentlich nicht von der Polizei selbst angeordnet werden können, nehmen sie in letzter Zeit nach Aussage der Fans zu. Zur Durchführung der Maßnahmen wurden vermeintlich sogar extra Container am Stadion aufgestellt, die als mobile Wache dienen sollen.
Die Reaktion der Kölner Fans
Der Kölsche Klüngel kritisiert die Maßnahme stark. In einer Stellungnahme bezeichnen sie die polizeilichen Maßnahmen als „überzogen, unangemessen und in keiner Weise verhältnismäßig”.
Auch der Umgang der Polizei mit den Vorwürfen werfe dabei Fragen auf. Während nach Aussagen des Betroffenen ein Blick in den Intimbereich geworfen wurde, dementiert die Polizei zuerst jegliche Nacktkontrollen. Danach behauptet sie, der Fan hätte selbstständig die Hose ausgezogen. Anstelle vager und unterschiedlicher Aussagen fordert die Kölner Fanhilfe stattdessen „eine transparente und zutreffende Einordnung solcher Maßnahmen“.
Fußballfans im Fadenkreuz der Repression
Insgesamt sehen die Leverkusener Ultras ein „Hochfahren“ des Sicherheitskonzepts im Stadion. Nach ihren Aussagen wurden bereits zahlreiche Materialverbote ausgesprochen, ein Mitarbeiter des Fanprojekts angegangen, Ordner:innen ersetzt, Choreos verboten und viel mehr.
Dazu kommen die von der Innenministerkonferenz, dem DFL und dem DFB gemeinsam beschlossenen Pläne zur Durchsetzung von Stadionverboten, was ursprünglich mit personalisierten Tickets und flächendeckender Gesichtserkennung realisiert werden sollte. Die Abschwächung des Vorhabens kam nach großen Protesten der Fans.
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