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Kommerz mit Frauenquote: Gründung der Frauen-Bundesliga

Anfang Dezember gründeten die vierzehn Vereine der Frauenfußballbundesliga einen eigenen Ligaverband. Von den Verantwortlichen heißt es, die Ziele der Gründung seien höhere Wettbewerbsfähigkeit und Professionalität. Dahinter verstecken sich vor allem wirtschaftliche Interessen.

Bereits vor einem Jahr hatten sich die Frauenfußballbundesligisten auf einen gemeinsamen Geschäftsplan verständigt, um unabhängiger vom DFB und international wettbewerbsfähiger zu werden. Im Dezember gründeten die Vereine der Erstligisten nun einen eigenen Ligaverband. Ähnlich wie die Deutsche Fußball Liga GmbH (DFL) im Männerfußball soll der Ligaverband den Frauenvereinen den Weg zu einer eigenständigeren Vermarktung und höherer Professionalität ebnen.

Für einigen Wirbel sorgte im Zuge der Gründung der Umstand, dass der Deutsche Fußballbund (DFB) vorerst kein Teil des Ligaverbandes sein wird. Offenbar hat der DFB damit einen länger schwelenden Machtkampf mit den Vereinen verloren – die Vereine, darunter große Vereine wie Bayern München und Eintracht Frankfurt, werden in den nächsten Jahren massiv in den Aufbau professioneller Strukturen im Frauenfußball investieren. Die Rechnung dabei ist, den Bereich so aufzubauen, dass die eigenen Gewinne zukünftig maximiert werden.

Frauenfußball immer beliebter

57.762 – ganz genau so viele Zuschauer:innen kamen am 6. September in die Münchner Allianz-Arena, um das Duell der FC Bayern Frauen und Bayer Leverkusen im Eröffnungsspiel der Saison 2025/2026 in der Frauenfußballbundesliga zu sehen. Der FC Bayern stellte damit einen neuen Zuschauer:innenrekord im deutschen Frauenfußball auf. Die Zahl, unterstrich die Direktorin der FC Bayern Frauen Bianca Rech, „ist ein deutliches Zeichen dafür, wie stark das Interesse und die Begeisterung für den Frauenfußball in Deutschland gewachsen sind”.

Frauen im Fußball: Das Patriarchat spielt immer noch mit

Tatsächlich haben sich im Frauenfußball in den letzten Jahren die Zuschauer:innenzahlen stark verändert. Verdeutlicht wird das zum Beispiel dadurch, dass sich in einer Liste der zehn am meisten besuchten Spiele im deutschen Frauenfußball ausschließlich Spiele seit dem Jahr 2022 wiederfinden.

Zur Beliebtheit des Frauenfußballs trägt nicht zuletzt auch die Darstellung des Frauenfußballs als „ehrlichere” oder „fortschrittlicher” Alternative zur durchkommerzialisierten Männerfußballdomäne dar. Vor allem im Zuge der Ausrichtung der umstrittenen Männerfußballweltmeisterschaft in Katar im Jahr 2022 wurde der Boykott der WM-Spiele immer wieder auch damit verbunden, stattdessen die Spiele der Frauenfußballbundesliga anzusehen.

So rief damals beispielsweise der damalige Vereinspräsident des 1. FC Köln, Werner Wolf, die FC-Unterstützer:innen auf, die Frauen anzufeuern, anstatt die WM in Katar zu verfolgen. Frauenfußball in Deutschland, so die Botschaft damals, ist sauberer als das große FIFA-Spektakel im korrupten Katar, wo für die WM der Tod Hunderter Arbeiter in Kauf genommen worden war.

„Mittelfinger für den Frauenfußball“ – Brandbrief an FIFA

Loslösung vom Männerfußball

Frauenfußball steht für das „Neue”. Mit genau dieser Argumentation, der Loslösung von den Traditionen des Männerfußballs, begründen gleichzeitig Marketing-Expert:innen ihre Forderung nach einer Öffnung des Frauenfußballs für Investoren. In Deutschland, so heißt es dann beispielsweise bei der Verantwortlichen für den Bereich Frauenfußball beim Sportrechtevermarkter SportFive Jessica Stommel, gelte quasi das Gesetz aus dem Männerfußball, dass Investoren schlecht seien – im Frauenfußball jedoch verdienen Frauen oft nicht mehr als 3.000 Euro brutto und damit nicht genug, ein Leben nach der aktiven Karriere finanzieren zu können. Frauenfußball müsse sich deswegen unabhängiger machen und mehr in die Lage kommen, unabhängig von der Querfinanzierung der Männervereine zu agieren.

Im Zuge dessen seien auch Investoreneinstiege legitim. Ein Erfolgsmodell für diesen Weg will der FC Viktoria Berlin sein – der Verein strebt den Aufstieg in die Frauenfußballbundesliga an und betont dabei, „unabhängig und nicht das B-Team der Männer” zu sein. Das Ziel sei neben dem sportlichen Erfolg auch „ein Wandel im deutschen Fußball” und „die Gesellschaft positiv zu beeinflussen”. Zu den Investoren gehört seit Neuestem auch das amerikanische, auf Investitionen in Frauensport spezialisierte Risikokapitalgeber Monarch Collective.

Insgesamt ist also festzustellen, dass im Frauenfußball derzeit zwei Welten aufeinandertreffen: Auf der einen Seite gesellschaftspolitische Forderungen nach mehr Selbstbestimmung von Frauen und Chancengleichheit, auf der anderen profitorientierte Bestrebungen von Unternehmen, Verbänden und Vereinen. Für jene, die nun mit der Hoffnung auf Wertsteigerung investieren, stellt Frauenfußball keine grundlegende Alternative zum bereits in höherem Maße kommerzialisiertem Männerfußball dar. Vielmehr ist es ein Markt, mit dem andere Zielgruppen als im Männerfußball erreicht werden können.

Auch wenn der Frauenfußball heute noch entfernt ist von den immer höher steigenden Gewinnen, die der Männerfußball für Vereine, Medien, Sponsoren und Werbepartner und andere kapitalistische Unternehmen abwirft, so wirken in ihm heute jedoch im Kleinen bereits die gleichen Mechanismen. Die Gründung der GbR der Frauenfußballbundesligisten und die Öffnung des Sports für Investoren stellen also in erster Linie Schritte in Richtung Profitvergrößerung für die am Frauenfußball verdienenden Unternehmen dar.

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