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Peinlicher Auftritt: Kool Savas als Klassenfeind bei Tesla

Der Rapper Kool Savas tritt in Grünheide bei Tesla spontan auf. Vor den Betriebsratswahlen 2026 hetzt Tesla aktuell besonders stark gegen den Einfluss der IG Metall. Nun steht Savas berechtigterweise im Kreuzfeuer. – Ein Kommentar von Marceline Horn.

Im März 2026 stehen im Tesla-Werk in Grünheide die Betriebsratswahlen an. Bereits seit Wochen führt die Werksleitung einen offensiven Kampf gegen die Gewerkschaft IG Metall – sie will verhindern, dass die Gewerkschaft in den kommenden Wahlen die Mehrheit der Sitze erringt. Bislang hat die IG Metall 16 Sitze, vier andere Listen besetzen 23 Sitze und haben eine Front gegen die Gewerkschaft gebildet.

Tesla hetzt dabei weiter gegen die IG Metall und versucht gleichzeitig, ihren Einfluss durch kleine Zugeständnisse zurückzudrängen. Beispielsweise durch Vereinbarung einer 4 Prozent-Lohnsteigerung und dem Versprechen, dass die Arbeitsplätze sicher wären, solange die Gewerkschaft draußen bleibt. Der Werksleiter André Thierig macht dabei aus seiner gewerkschaftsfeindlichen Haltung überhaupt keinen Hehl – dem Handelsblatt zufolge sagt er auf einer internen Veranstaltung mit Verweis auf Tesla-Chef Elon Musk: „Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass Elon, dass unser Board sich für den Ausbau der Fabrik entscheiden würde, wenn die Wahl mehrheitlich Richtung IG Metall ausfällt.“

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Party statt Klassenkampf

Am Skurrilsten war jedoch eine recht spontane „Überraschung“ zu der die Arbeiter:innen eingeladen worden sind. Der Rapper Kool Savas wurde dabei eingeladen, um dort für die Belegschaft aufzutreten und wurde mit einem Cybertruck zur Bühne gefahren.

Laut einigen Berichten habe der Rapper neben seiner Performance Sprechchöre wie „Elon, Elon“ getätigt und selbst die Gewerkschaft denunziert. Zwar existiert noch kein öffentliches Statement, jedoch weichen dem Influencer Honey Balecta zufolge die öffentlichen Darstellungen zu einem gewissen Maß von den Darstellungen Kool Savas ab. Ein mutmaßlicher Zeuge schrieb in den Kommentaren eines anderen Posts, dass der Sprechchor mit Elons Namen „sarkastisch“ gemeint wäre und er mit anderen Kolleg:innen überrascht von dem Auftritt waren und sie Elon Musk erwartet hätten.

Die Stimmung auf dem Konzert schien auch eher von Verwirrung geprägt zu sein – verständlich, wenn man von einem Arbeitgeber wie Elon, der zu jedem Zeitpunkt gegen Gewerkschaften hetzt und faschistische Propaganda verbreitet, plötzlich ein Konzert bekommt. Noch in Arbeitsklamotten stehen dann viele vor einem Künstler, von dem sie vielleicht noch nie gehört haben, mit Ansagen, die viele gar nicht verstehen können, weil sie nur auf Deutsch waren.

Ob Sprechchor oder nicht, ob selbst gegen Gewerkschaften schießen oder nicht: Ein Konzert explizit für einen Großkonzern wie Tesla unter der Führung eines offenen Faschisten ist im besten Fall peinlich und im schlimmsten ein verräterischer Schlag ins Gesicht seiner Familiengeschichte.

Savas Vater ist Kommunist, wurde in der Türkei politisch verfolgt und zu fünf Jahren Haft verurteilt, weshalb er und seine Mutter zurück nach Deutschland flohen. Sich nun von Tesla als Stimmungsmacher gegen Klassenkampf nutzen zu lassen, zeigt, dass von seiner politischen Geschichte nicht viel übriggeblieben ist – oder er sich zumindest nicht darum bemüht.

Nicht aus dem Auge verlieren: Worum geht es wirklich?

Dass die Veranstaltung ein Reinfall war, ist recht klar. Viel wichtiger ist eher, weshalb diese gehalten wurde. Tesla möchte einen Arbeitskampf verhindern und versucht mit kleinen Zugeständnissen und unkonventionellen Veranstaltungen wie diesen, die Belegschaft zu besänftigen.

Der Konzern und sein Chef sind längst bekannt für große Spektakel, um Elons (dystopischen) Cyberpunk-Traum in Erfüllung gehen zu lassen – samt Dissonanz harter Ausbeutung bei gleichzeitiger „wohltätiger“ Party mit lächelndem Gesicht, das auf die leeren Gesichter und die zerstörte Umwelt starrt.

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Werksleiter André Thierig geilt sich dabei praktisch schon über Tesla auf: „Tesla ist besser als die Konkurrenz“, „Es war einfach ein fantastisches Jahr“, „Wenn wir eins können, dann coole Party-Setups“. Auch nennt er Tesla als einen so wohltätigen Arbeitgeber aufgrund der Lohnerhöhung, denn: „die gab es nicht, weil hier gestreikt wurde. Die gab es auch nicht, weil es hier einen Arbeitskampf gab. Die gab es auch nicht, weil irgendwelche lächerlich hüpfenden Nikoläuse vor der Lobby getanzt haben“ sagte er, und er wolle die Produktionsmenge 2026 noch steigern. Aber was heißt das im Umkehrschluss?

Ganz einfach: Gefährlichere Arbeitsbedingungen, in denen die Arbeiter:innen stärker schuften müssen, was zu noch mehr Krankheit führt. Doch da hört dann auch diese angebliche Wohltätigkeit auf und dann besucht Thierig gerne mal selbst die Arbeiter:innen zu Hause und zieht ihren Lohn wieder ein.

Tesla Grünheide: Krank sein verboten

Kool Savas Auftritt war nur ein kleiner Teil einer größeren Strategie, sich als guter Arbeitgeber darzustellen und Hetze gegen die bösen Gewerkschaften zu verbreiten. Dabei sind gelbe Gewerkschaften wie die IG Metall und ver.di noch nie wirklich klassenkämpferische Gewerkschaften gewesen und verhandeln immer wieder Reallohnsenkungen. Dass selbst das schon zu viel für Tesla ist, zeigt, wie bereit solche Firmen sind, gegen einen aktiven Klassenkampf von unten vorzugehen.

Marceline Horn
Marceline Horn
Perspektive-Autorin seit 2024. Sie lebt und studiert in Freiburg und schreibt besonders über Frauen- und LGBTI+ Kämpfe. Photographie-Fan und Waschbären-Liebhaberin.

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