Am Donnerstag spielt der VfB Stuttgart gegen den israelischen Verein Maccabi Tel Aviv, dessen Fans immer wieder durch zionistische und rassistische Ausschreitungen auffielen. Der deutsche Staat schützt diese Fans durch Polizei und „Sicherheitsmaßnahmen“. – Ein Kommentar von Aziza Mounir.
Polizeigroßeinsatz, ausgeweitete Sicherheitskontrollen sowie zionistische und gewaltbereite Fans in den Rängen: Die Atmosphäre im Stuttgarter Neckarstadion wird sich am Donnerstag voraussichtlich von anderen Fußballspielen unterscheiden. Grund dafür ist das Aufeinandertreffen des VfB Stuttgart mit dem israelischen Verein Maccabi Tel Aviv in der Europa League.
Maccabi-Fans sind auf einigen Rasenplätzen nicht besonders willkommen. In Birmingham wurde – ebenfalls im Rahmen der Europa League – der Ausschluss von Gästefans für das Spiel gegen den Heimverein Aston Villa verhängt.
Ähnlich ungebeten sind Maccabi-Fans in Amsterdam. Dort kam es zu Anfeindungen rechter israelischen Hooligans gegenüber pro-palästinensischen Bewohner:innen der Stadt und jedem, den sie als arabisch wahrnahmen. Im November 2024 spielte Ajax Amsterdam ein Heimspiel gegen den israelischen Verein in der niederländischen Hauptstadt.
Medien und Politiker:innen berichteten damals von „Pogromen“ und „antisemitischen Hetzjagden“. Diese Berichte wurden jedoch zügig widerlegt. Verifizierte Videos zeigen eine gegenteilige Lage: 3.000 israelische Hooligans attackierten Häuser und deren Bewohner:innen, die Palästina-Flaggen aufgehängt hatten. Zudem gibt es Berichte von muslimischen Taxifahrer:innen, die belästigt wurden.
Israelische Hooligans randalieren in Amsterdam – Medien konstruieren antisemitische Pogrome
Videos zeigen Maccabi-Fans, welche die Parole „Olé, olé, lass die IDF gewinnen, wir werden die Araber ficken“ riefen. Dem Mob gewalttätiger und rassistischer Fußballfans stellten sich entschlossene Bürger:innen entgegen, wobei es auch zu vielen Festnahmen kam.
Ideologie der Mächtigen in Liveübertragung
Sportliche Wettkämpfe sind ebenso kulturelle und politische Ereignisse. Das zeigt sich zuletzt auch immer wieder in Deutschland sehr deutlich: Erfolgreicher Protest im Fußball – wie die Tennisball-Proteste – stoppte die weitere Kommerzialisierung des Sports, indem die Vereine weiterhin mehrheitlich im Besitz der Fans blieben. Auch die Bedrohung der Fankultur durch die IMK und die lauten Proteste dagegen zeigten dies kürzlich erneut.
Die Bühne des Sports wird dabei aber auch immer wieder als politisches und ideologisches Mittel genutzt, um Botschaften zu verbreiten und Machtverhältnisse zu stärken. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Verleihung des „FIFA-Friedenspreises“ an Donald Trump. Von der Kriegsbeteiligung in Gaza über das Säbelrasseln im Karibischen Meer bis hin zum Einsatz der Nationalgarde gegen die eigene Bevölkerung – Donald Trump kann man viele Preise verleihen, jedoch keinen für das Anstreben einer friedlichen Gesellschaft.
Verleihung des FIFA Friedenspreis: Weniger Fußball, mehr Trump
Das gleiche Prinzip gilt auch bei der Beteiligung von israelischen Klubs und der israelischen Nationalmannschaft an UEFA-Wettbewerben. Es gilt ebenso und besonders bei der deutschen Berichterstattung dazu:
Ähnlich wie bei der bisherigen Berichterstattung über den Gaza-Krieg und die dort stattfindenden Angriffe findet auch bei der Berichterstattung über vergangene Auseinandersetzungen mit Maccabi-Fans sowie bei der Gefahrenanalyse in Stuttgart eine Täter-Opfer-Umkehr statt. Während antisemitische Angriffe eine ernstzunehmende Gefahr darstellen, finden gewaltbereite und rechtsradikale Fans kaum Erwähnung. Somit müssen sich potenzielle Angriffsziele wie die arabische Bevölkerung oder linke Projekte ihren Schutz weitgehend selbst organisieren.
Massive Polizeipräsenz
Auch der deutsche Staat tut alles in seiner Macht stehende, nicht nur um die Teilnahme des israelischen Clubs sicherzustellen, sondern auch um die Maccabi Tel Aviv-Fans in Schutz zu nehmen.
Die Stuttgarter Behörden planen umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen. Feuerwehr, Katastrophenschutz und Polizeieinheiten über Baden-Württemberg hinaus sind im Einsatz. Die Maßnahmen werden jedoch nicht getroffen, um Stuttgarter vor Angriffen wie in Amsterdam zu schützen. Stattdessen gilt das Bedenken vor allem den Fans des israelischen Meisters.
Diese Sicherheitsmaßnahmen kriegen Stuttgarter Fußballfans dann ganz deutlich zu spüren: Durch enorme Einlasskontrollen – inklusive Metalldetektoren, Verbot von allen möglichen Taschen und Polizist:innen, die rund ums Stadion „sichtbar bewaffnet starke Präsenz zeigen“ – wird der Einlass enorm verzögert. Fans werden aufgefordert, zwei Stunden vor Anstoß anzureisen; jeder, der nicht mindestens 90 Minuten vorher da ist, kann damit rechnen, den Anstoß zu verpassen. Insgesamt gibt es am Donnerstag enorme Einschränkungen für Fußballfans in allen Bereichen.
Doch auch Stuttgarter, die nicht zum Spiel wollen, sind von den Sicherheitsmaßnahmen enorm betroffen. Insbesondere in der Innenstadt und in Bad Cannstatt – dem Stadtteil, in dem sich das Neckarstadion befindet – wimmelt es nur so von Polizist:innen. Auch von Luftraumüberwachung und zufälligen Personenkontrollen wird berichtet.
Fauler Kompromiss: IMK beschließt neue Maßnahmen gegen Fußballfans
Aktive Fanszenen boykottieren das Spiel teilweise
Die Spieler des VfB treffen gerade deshalb möglicherweise auf eine ausgedünnte Fankurve. Organisierte Fans der größten Fangruppen kündigen an zu kommen, schränken jedoch aufgrund der Sicherheitsmaßnahmen ihre Aktivitäten so weit ein, dass sie auf größere Stimmungsmacher verzichten. Drei weitere Fanvereinigungen kündigen in einem gemeinsamen Statement an, nicht ins Stadion zu gehen.
In beiden Fällen gilt die Kritik nicht in erster Linie dem Gegner, sondern den Sicherheitsmaßnahmen, die sie so sehr einschränken, dass „elementare Bestandteile der Fan- und Stadionkultur nicht möglich sind und es nicht zulassen, unsere Art Ultras zu leben“.
Der VfB Stuttgart stellt sich wiederum hinter die Maßnahmen und koordiniert unter anderem mit der Polizei ein Sicherheitskonzept. „Mit dem Heimspiel gegen Maccabi Tel Aviv verbinden wir nicht nur einen europäischen Fußballabend, sondern auch die Verantwortung, ein Zeichen für Respekt und ein faires Miteinander zu setzen“, kommentiert Vorstandsvorsitzender Alexander Wehrle. Außerdem solle das Stadion ein Ort „der positiven Emotionen und der Gastfreundschaft“ bleiben. Anders ausgedrückt: Kritik an Völkermord und rassistischen Maccabi-Hools ist am Donnerstagabend ausdrücklich nicht erwünscht.
Sportliche Stellungnahmen, die sich klar gegen einen Genozid positionieren, fallen innerhalb Deutschlands also wie zu erwarten aus. Dass es besser geht und dass Fans sich klar positionieren können, zeigen aber internationale Beispiele:
Im November trat die palästinensische Nationalmannschaft gegen die selbsternannte baskische Nationalmannschaft in Bilbao an. Während des Spiels wurden Banner mit der Aufschrift „Stop Genocide“ gezeigt und die palästinensische Nationalfahne gehisst. Ebenfalls in Spanien kam es im Sommer zu Protesten während der Spanienrundfahrt. Während des Radrennens wurde das israelische Team „Israel-Premier Tech“ blockiert und aufgehalten.

