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Tesla Grünheide: IG Metall fordert Tarifvertrag, Werksleitung blockiert

Der Kampf um einen Tarifvertrag beim Teslawerk in Grünheide geht weiter. Gewerkschafter und die IG Metall setzen sich dabei für tariflich gebundene Löhne ein. Der Werksleiter Andre Thierig setzt alles daran, das zu verhindern.

Schon seit längerer Zeit gibt es bei Tesla Grünheide Kämpfe der Gewerkschaft IG Metall für die Einführung eines für die Branche gültigen Tarifvertrages. Das würde heißen, dass Regelungen zu Lohn, Arbeitszeiten und Urlaubsanspruch und weitere Arbeitsbedingungen an der tariflich geltenden Bestimmungen festgelegt werden. Aktuell gibt es dort keinen Tarifvertrag.

Das bedeutet, dass die genannten Punkte individuell im Arbeitsvertrag festgehalten werden und im Endeffekt die Werksleitung über die Bedingungen bestimmt – zum Nachteil der Arbeiter:innen.

Trotz Lohnerhöhungen unter Tarifvertrag

Zu Anfang Dezember wurden die Löhne bei Tesla Grünheide um vier Prozent erhöht, im November 2024 war das bereits schon einmal passiert. Werksleiter Thierig versucht es so darzustellen, als würden diese Lohnerhöhungen beweisen, dass es keinen Tarifvertrag brauche und dieser sogar eher zum Nachteil der Arbeiter:innen sei. Laut Tesla liege das Entgelt sogar 14,5 Prozent über dem Tariflohn.

Tesla Grünheide: Müsli-Riegel statt Lohn?

Die Gewerkschaft IG Metall macht hingegen deutlich, dass diese Darstellung höchst irreführend ist. Die von Tesla benannten Zahlen kommen nur dadurch zustande, dass die Werksleitung für den Vergleich die niedrigste Entgeldgruppe heranzieht, die allerdings in Automobilwerken wie Tesla gar nicht vergeben wird. Daher ist auch die Aussage der Werksleitung, der Lohn bei Tesla würde 14,5 Prozent über dem Tariflohn liegen, nicht korrekt.

Jan Otto der Bezirksleiter der IG Metall für Berlin, Brandenburg und Sachsen stellt klar: „Wenn man noch die längeren Arbeitszeiten bei Tesla berücksichtigt, liegt der Abstand zum Tarifvertrag bei 30 bis 35 Prozent.“ Zudem würde die Bezahlung bei Tesla aktuell deutlich hinter anderen Autowerken in Deutschland zurück bleiben.

Krank sein verboten

Bereits in der Vergangenheit hat das Teslawerk in Grünheide immer wieder Schlagzeilen gemacht. Ursache dafür waren besonders schlechte Arbeitsbedingungen und überdurchschnittliche Repressionen und Kontrollmaßnahmen gegen die eigene Belegschaft. Zuletzt gehörte dazu das Anzweifeln von Krankschreibungen von Arbeiter:innen. Diesen wurden daraufhin zu Hause Besuchen abgestattet. Zudem forderte die Werksleitung eine Aufhebung der Schweigepflicht der Ärzt:innen, damit diese die Diagnosen der Arbeiter:innen der Werksleitung mitteilen dürfen.

Tesla Grünheide: Krank sein verboten

Außerdem wurde den Angestellten gedroht, bei längeren Krankheitsphasen die Lohnfortzahlung auszusetzen und bereits gezahlten Lohn zurückzufordern. Im vergangenen Jahr waren die Zahlen der Krankheitsausfälle bei Tesla Grünheide zwei- bis dreifach so hoch wie der Durchschnitt. Statt aber an den Arbeitsbedingungen etwas zu verändern, wurden die innerbetrieblichen Repressionen und Kontrollmaßnahmen verschärft.

Verhärtete Fronten

2026 stehen wieder Wahlen des Betriebsrates an, die von größerer Relevanz in den Kämpfen für oder gegen einen Tarifvertrag sein werden. Bei den letzten Wahlen zum Betriebsrat erreichte die Liste der IG Metall zwar die Mehrheit, aber die anderen Fraktionen die der Werksleitung nahestehen, schlossen sich zusammen, weswegen sie gegenüber der IG Metall im Betriebsrat die größere Gruppe ausmachen.

Aktuell haben die Gewerkschafter:innen 16 Plätze inne, die andere Fraktion 23. Wie die Wahlen 2026 ausfallen werden ist abzuwarten. Zurzeit unternimmt die Werksleitung deutliche Bemühungen, die Gunst der Arbeiter:innen zu gewinnen. So wurde vor kurzem erst ein Überraschungskonzert am Werk mit dem Rapper Kool Savas organisiert.

Peinlicher Auftritt: Kool Savas als Klassenfeind bei Tesla

Und auch die Darstellung, dass der aktuell gezahlte Lohn bereits über dem Tarifvertrag liegen würde zielt darauf ab, absichtlich Fehlinformationen zu verbreiten und die Arbeiter:innen über ihre eigentlichen Rechte und Ansprüche im Unklaren zu lassen und sie stattdessen mit Gimmicks wie einem Konzert zu abzuspeisen.

Ebenfalls in diesen Kontext einzuordnen sind die aktuellen Lohnerhöhungen. Auch wenn alle Lohnerhöhungen für die Arbeiter:innen etwas positives sind, ist die Taktik dahinter, zu vermitteln, dass eine tarifliche Bindung überflüssig sei.

Werksleiter Thierig selbst sagt über die anstehenden Betriebsratswahlen: „Sie entscheidet darüber, ob wir auch in Zukunft unabhängig, flexibel, und unbürokratisch unseren Erfolgsweg weitergehen können.“ Er könne sich „persönlich nicht vorstellen, dass die Entscheidungsträger in den USA den Ausbau der Fabrik weiter vorantreiben, wenn die Wahl mehrheitlich Richtung IG Metall ausfällt“.

Eine grundsätzlich gewerkschaftsfeindliche Haltung wird hier also sehr offen vertreten. Auch die angesprochene Flexibilität ist eine, die nur den Konzernchefs zugute kommt. Wenn es keine durch einen Tarifvertrag festgelegten, bindenden Regelungen gibt für die Gestaltung der Arbeitsverträge gibt. Auch eine Arbeitszeitverkürzung in Form der 35-Stunden Woche, für die sich die Gewerkschaft einsetzt wird von der Werksleitung strikt abgelehnt.

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