Das Kapern eines Öl-Tankers ist der neueste Höhepunkt der Operationen der USA gegenüber Venezuela. Ob die Trump-Regierung die Drohung einer Invasion jedoch wahr macht, hängt vom Öl ab – und der Verhandlungsbereitschaft Maduros.
Seit Monaten greifen die US-amerikanischen Streitkräfte in den Gewässern vor Venezuela Fischerboote an, die sie als Terroristen und Drogenschmuggler ansehen. Nun wurde in einer Spezial-Operation der Tanker „Skipper“ gekapert. Er sei Teil einer „Schattenflotte“ Venezuelas, so die USA. Diese transportiere nicht nur Öl aus Venezuela, sondern auch aus dem Iran in für die USA unliebsame Länder wie Kuba und vor allem China. Diese Zusammenarbeit besonders im eigenen Hinterhof zu unterbinden, hat für die USA nun höchste Priorität.
Mittlerweile sind allerdings nach US-eigenen Angaben mehr als 83 Menschen bei den Angriffen auf kleine Motorboote durch die USA getötet worden. Drogen konnten bei keinem der insgesamt 22 beschossenen Boote sichergestellt werden.
Das Kapern des Tankers sowie neue Sanktionen stellen eine neue Eskalation des Konflikts dar, in dem es nun immer offensichtlicher ums Öl geht. Denn der Angriff auf den Tanker wurde von weiterem Druck der USA auf den Öl-Sektor Venezuelas begleitet: Am Donnerstag wurden weitere Sanktionen verhängt, nicht nur gegen die Neffen von Nicolás‘ Maduros Frau, sondern vor allem auch auf sechs Öltanker und dazugehörige Reedereien. Sowohl die Sanktionen als auch der letzte Militäreinsatz gegen den Öltanker versetzen die venezolanische Öl-Industrie und damit verbundene Reeder, Betreiber und Agenturen in Aufruhr: In Reaktion darauf hat ein Schiffseigner die Fahrten von drei Schiffen mit insgesamt fast sechs Millionen Barrel Öl erst einmal gestoppt.
Militärische Dominanz als Druckmittel
Schon vor einigen Wochen haben die USA den größten Flugzeugträger der Welt, die „USS Gerald R. Ford”, in Reichweite für Luftschläge gebracht und zudem weitere Truppen vor Venezuela stationiert. Auch der Flugraum über dem Land wurde zuletzt gesperrt, in Erwartung US-amerikanischer Lufteinsätze.
Zuletzt hatte der US-Präsident auf die Frage nach einer Invasion geantwortet. Im Weißen Haus sagte er am Donnerstag: „Es wird bald auch an Land beginnen.“ Zwar nannte Trump den Namen des Landes nicht – sein Satz fiel aber im Zusammenhang mit der Beschlagnahmung eines Öltankers vor der Küste Venezuelas. Die Operation in Venezuela hat auch schon einen Namen: „Southern Spear“. Auch von Bodeneinsätzen ließ Trump immer wieder hören, macht jedoch bis jetzt keinerlei erkennbare Anstalten, seinen Worten auch Taten folgen zu lassen.
Tatsächlich bräuchte es Schätzungen zufolge knapp 100.000 US-Soldaten:innen vor Venezuela, um eine US-Bodeninvasion realistisch umsetzen zu können. Derzeit seien aber lediglich 16.000 Soldat:innen vor Venezuela stationiert. Das spricht dafür, dass es den amerikanischen Kapitalist:innen um Trump weiterhin eher darum geht, mittels einer Drohkulisse gegenüber anderen Staaten wirtschaftliche Vorteile durchzusetzen, als sie konkret miltärisch zu bekämpfen.
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Neues Strategiepapier der USA untermalt die Absichten
Die Aktionen rund um Venezuela passen in die in der letzten Woche veröffentlichte Strategie der USA. Diese besagt vor allem, sich auf Lateinamerika und die „westliche Hemisphäre“ konzentrieren zu wollen und feindliche Einflüsse in der Region zurückzudrängen.
Dabei sind vor allem Schlüsselindustrien, sowie Wasserwege und militärstrategisch interessante Ziele relevant. Die neue Donroe-Doktrin soll die Legitimation für weitreichende Einsätze in der Region geben, um diese Ziele sicherstellen.
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Das Mittel der Wahl dafür dürfte jedoch zuallererst wirtschaftlicher Druck und Zusammenarbeit sein. Das kann man auch am Beispiel des neuen Abkommens über Seltene Erden mit Brasilien sehen: Das Land unter dem linksgerichteten Präsidenten Luiz Lula da Silva war zuletzt – genauso wie die US-kritische Regierung Mexikos – mit heftigen Strafzöllen belegt worden, hat aber nun trotz des Haushalts-Shutdowns in den USA ein Abkommen zum Handel mit Seltenen Erden über 465 Millionen US-Dollar abgeschlossen.
Den USA geht es hierbei nicht nur darum, den Einfluss Chinas zurückzudrängen, das 85 Prozent der seltenen Erden im eigenen Land besitzt und die Verarbeitung von 95 Prozent davon kontrolliert. Auch die EU soll ausgebootet werden – ebenfalls in Übereinstimmung mit der offiziellen neuen US-Linie.
Es gibt in Lateinamerika einige Länder wie z.B. Kolumbien, Nicaragua oder Mexiko, die nicht direkt auf Trumps Seite stehen. Diese würden eine Invasion in Venezuela verurteilen und sich eventuell gemeinsam gegen die USA richten – im Zweifel mit der Unterstützung Chinas, Russlands oder der EU.
Deshalb ist den USA stark daran gelegen, den Druck auf Venezuela zwar stetig zu erhöhen, die „rote Linie“ einer direkten Invasion jedoch nicht zu überschreiten – wenn möglich. Insider der USA berichteten gegenüber Reuters derweil von weiteren Tankern, die gekapert werden sollen. Der Druck auf Venezuela wird in absehbarer Zeit also nicht geringer werden – es sei denn, Maduro „strikes a Deal“ mit Donald Trump.

