Auf Einladung der Nationalen Demokratischen Front der Philippinen fand in Utrecht eine Konferenz über die aktuellen Entwicklungen des Faschismus in den kapitalistischen Zentren statt. Zahlreiche kommunistische Organisationen von allen Kontinenten der Erde brachten sich mit Beiträgen in die Diskussion ein.
Am 28. und 29. November 2025 fand in der niederländischen Stadt Utrecht die „Internationale Theoretische Konferenz zum Faschismus im 21. Jahrhundert“ statt. Eingeladen hatte die Nationale Demokratische Front der Philippinen (NDFP), ein Zusammenschluss aus zahlreichen klassenkämpferischen Massenorganisationen und maoistischen Organisationen, der für die Befreiung und unabhängige Entwicklung der asiatischen Inselgruppe kämpfen.
Bei der Veranstaltung handelte es sich bereits um die fünfte Konferenz in einer Reihe von ähnlichen Zusammenkünften, die jeweils von der NDFP initiiert worden waren. Die letzte Konferenz hatte in der kenianischen Hauptstadt Nairobi stattgefunden und sich mit den aktuellen Entwicklungen bezüglich neokolonialer Herrschaftsformen beschäftigt.
In Utrecht waren nun am vergangenen Wochenende Organisationen und kommunistische Parteien aus weit über 20 Ländern zusammengekommen, um sich über die aktuellen Entwicklungen der faschistischen Bewegung in ihren jeweiligen Ländern auszutauschen und über klassenkämpferische und sozialistische Gegenstrategien zu beraten.
Im Einladungstext für die Konferenz der Organisatoren hieß es bereits: „Die weltweite Finanzkrise im Jahr 2008 hat die Unhaltbarkeit der neoliberalen Globalisierung deutlich sichtbar gemacht. Denn diese verschärft Ungleichheit und Massenarbeitslosigkeit und führt zu immer mehr sozialen Unruhen. Als Antwort darauf wenden sich die kapitalistischen Staaten immer häufiger faschistischen Herrschaftsformen zu.“
Während über die verschärfte kapitalistische Krise unter den Teilnehmer:innen wenig Widerspruch bestand, wurde über die Frage, welche Merkmale heute den Faschismus ausmachen und dementsprechend auch über die Frage, in welchen Ländern eine faschistische Diktatur herrscht oder konkret droht, mitunter auch kontrovers diskutiert.
Eindrücke aus verschiedenen Ländern
Die anwesenden Genoss:innen der Freedom Road Socialist Organisation aus den USA beispielsweise betonten zwar, dass von der Trump-Regierung eine konkrete faschistische Gefahr ausgehe, aber auch, dass ihrer Meinung nach in den USA aktuell eben keine faschistische Diktatur herrsche. Das aus ihrer Sicht dabei entscheidende Element des Staatsterrors, der gegen die Massenbewegungen angewendet wird, ist dafür aus ihrer Sicht noch nicht ausgeprägt genug. Die Organisation schlussfolgerte hieraus, dass sie in den USA aktuell auf keinen Fall in die Defensive gehen dürften, sondern mutig und offensiv versuchen sollten, Teil der Proteste gegen die Trump-Regierung zu sein und diese politisch zu prägen.
Die Vertreter der Maoistischen Kommunistischen Partei Italiens hingegen betonten die Gefahr, den Faschismus zu unterschätzen. Dabei bezogen sie sich insbesondere auf schmerzliche Erfahrungen aus der Geschichte der Kommunistischen Bewegung in Italien. Sie stellten Aspekte ihrer Theorie eines „Modernen Faschismus“ vor, bei dem das Aufhetzen verschiedener Teile der Bevölkerung gegeneinander ein vordergründiges Merkmal sei.
Auch die Revolutionäre Partei der Arbeiter aus Spanien übte öffentlich eine Selbstkritik und hob hervor, dass sie entgegen früheren Positionspapieren ihrer Organisation den Faschismus heute für eine wesentliche und konkrete Gefahr in Europa und auch in ihrem Land hält.
Die Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei aus der Türkei und Kurdistan (TKP-ML) charakterisierte wiederum das Regierungssystem in der Türkei wie folgt: „In der Türkei sehen wir ein faschistisches Regime, das sich auf die Verbindung islamistischer Reaktion, militarisiertem Nationalismus und die systematische Unterdrückung aller demokratischen, linken und kommunistischen Kräfte stützt. Trotz seiner nationalistischen Parolen setzt es neoliberale Reformen durch, verschärft die Überwachung, unterdrückt abweichende Meinungen und führt kontinuierlich militärische Streifzüge durch: Es erfüllt damit genau die zentralen Merkmale einer faschistischen Regierung in einem abhängigen kapitalistischen Land.“
Den Kampf gegen den türkischen Faschismus nach Deutschland tragen!
Auch das Zentralkomitee des Kommunistischen Bundes von Indonesien beteiligte sich mit einem Beitrag an der Konferenz, indem es die Geschichte faschistischer Unterdrückung in Indonesien zusammenfasste. Insbesondere das grausame Massaker an circa einer Million Kommunist:innen und kommunistischer Sympathisant:innen im Jahr 1965 hatte die kommunistische Bewegung in ihrem Land enorm zurückgeworfen. Dennoch endete auch der Beitrag dieser Organisation mit einem optimistischen Ausblick.
Der durch die faschistische Bewegung geförderte Rechtsruck
Große Einheit unter den Teilnehmer:innen herrschte darin, dass die faschistische Bewegung, ob sie nun an der Macht ist oder nicht, die Interessen der Kapitalist:innenklasse eines jeden Landes stärkt. Dementsprechend gingen die Teilnehmenden der Konferenz auch nicht von einem unvereinbaren Gegensatz zwischen Faschismus und kapitalistischer „Demokratie“ aus.
Die Kommunistische Partei Australiens (Marxistisch-Leninistisch) beteiligte sich mit einem zugesendeten Beitrag an der Konferenz: „Die Verbreitung der rechten Ideologie ist für die herrschende Klasse und die superreichen Finanzkapitalisten eine Art präventive Sicherheitsmaßnahme gegen die Gefahr von Klassenkampf und einer vereinigten Arbeiter:innenklasse. Ihre Verbreitung wird durch die kapitalistischen Medienbarone (in Australien hauptsächlich der ehemalige Australier Rupert Murdoch) organisiert – oder durch Think Tanks und andere Organisationen, die von Großkonzernen finanziert und unterstützt werden. Ironischerweise präsentieren sich diese Think Tanks, die eine äußerst rechte und faschistoide Politik befürworten, gerne als „Mitte Rechts“ oder „konservativ“. Aber sie sind Teil der andauernden Angriffe auf die Rechte der Bevölkerung durch die wichtigsten Teile der herrschenden kapitalistischen Klasse im Dienste des Finanzkapitals.
Auch die TKP-ML betonte einen ähnlichen Aspekt: „Wie wir besonders deutlich in Deutschland und Frankreich sehen, verschiebt sich, vermeintlich um die „extreme Rechte“ aufzuhalten, das ganze politische Spektrum nach rechts und eignet sich die politische Programmatik der faschistischen Parteien an.“
Theoretische Diskussion im internationalistischen Geist
Weitere Beiträge wurden von der Kommunistischen Partei der Philippinen, der (neuen) Kommunistischen Partei Kanadas, den italienischen Organisationen CARC und (nuovo) Partito Comunista d’Italia, dem Kommunistischen Aufbau aus Deutschland, dem Collectif Lamine aus dem Senegal, der Maoistischen Kommunistischen Partei aus der Türkei und Nordkurdistan, der Kulturvereinigung Handala als Vertreter des palästinensischen Befreiungskampfes, der Kommunistischen Partei Kenyas, den Kommunisten Katalonien und der Revolutionären Kommunistischen Partei aus Argentinien vorgetragen.
Die Solidarität der teilnehmenden Organisationen mit allen unter Faschismus und Neokolonialismus leidenden Völkern, besonders mit dem palästinensischen Volk, prägte die Atmosphäre der Konferenz, die schließlich am Nachmittag des 29. November mit dem gemeinsamen Singen der Internationalen in zahlreichen Sprachen endete. Eine vollständige Dokumentation der Konferenzergebnisse wird in den nächsten Wochen auf der Seite der NDFP erscheinen.

