Zeitung für Solidarität und Widerstand

Verleihung des FIFA Friedenspreis: Weniger Fußball, mehr Trump

Für viel Show und Bling Bling sind die USA bekannt. Und so war die Auslosung für die WM 2026-Gruppenphase sicherlich ungewöhnlich für manch einen Fußballfan. Aber es scheint, als würde nächstes Jahr sehr offensichtlich nicht nur der Fußball im Vordergrund stehen. – Ein Kommentar von Kurt Zimmermann.

Am Freitag fand in den USA zwischen viel Glamour und Entertainment die Auslosung der WM-Gruppen statt. Während sich die Deutsche Nationalmannschaft wohl über eine glückliche Auslosung freuen kann, vereinnahmte eine ganz andere Vergabe die Aufmerksamkeit der Weltgemeinschaft.

Mitte Oktober führte die FIFA nämlich den „FIFA Friedenspreis“ ein, eine eher umstrittene Auszeichnung. Denn es gibt kein transparentes Verfahren, keine Nominierungen, keine Jury und die Ausgezeicheten brauchen nicht unbedingt einen Fußball-Bezug. Der Preis wurde nun am Freitag dem US-Präsidenten übergeben.

Der Preis des modernen Finanzfußballs

Ein Friedenspreis im Kriegseifer

Von einigen Seiten kam der Vorwurf, die FIFA – oder besser ihr Präsident Gianni Infantino – habe den Preis nur für Trump eingeführt. Infantino hingegen begründete die Vergabe mit den Worten: „Für mich ist wichtig, dass mit so einem Preis verbunden ist, dass man sich für die Zukunft, für den Frieden auf der Welt einsetzt. Er ist der einflussreichste Mann der Welt“.

Der Chef des Deutschen Fußballbunds (DFB), Bernd Neuendorf, äußerte keine Kritik zur Vergabe. Er untermauerte stattdessen die Entscheidung mit dem von Trump initiierten Friedensgipfel um Gaza. Dass Israel, unterstützt von den USA und Deutschland, weiter Angriffe in Gaza durchführt, war anscheinend nicht erwähnenswert, geschweige denn kritisierbar.

Auch Trumps Konfrontation in der Südkaribik und die dauerhaften Drohungen eines militärischen Einsatzes gegen das Maduro-Regime in Venezuela, die Bombardierung des Iran Mitte des Jahres oder die Einsätze der Nationalgarde gegen die US-Bevölkerung spielten bei der Entscheidung, ob Trump den Preis erhalten sollte oder nicht, wohl keine Rolle.

Venezuela: Der nächste Krieg ums Öl?

Dreamteam Trump & Infantino

Warum sich die FIFA für Trump entschieden hat, hat wohl andere Gründe. Hier fällt die besonders gute Beziehung zwischen dem FIFA Präsidenten Infantino und dem US-Präsidenten auf. Beide schmeicheln sich gerne auf großen Bühnen. Für Infantino ist Trump ein „enger Freund“ und für Trump ist Infantino der „King of Soccer“ (dt.: König des Fußballs).

Die beiden scheinen fast unzertrennlich: Im März bestaunte Trump im Weißen Haus den Pokal der Klub-WM, Infantino bot ihm an, ihn zu behalten. Bescheiden wie er ist, behielt Trump natürlich nur seine Medaille beim Finale der Klub-WM. Stattdessen thront seit einigen Wochen eine Kopie des WM-Pokals im Weißen Haus. Diesen hatte Infantino dem Präsidenten persönlich ins Oval Office gebracht.

Trump lud den FIFA Präsidenten außerdem zum „Gaza-Friedensgipfel“ ein – und so stand der FIFA-Funktionär recht fehl am Platz zwischen all den Welt-Politiker:innen. Diese Liste mit weiteren öffentlichen Darbietungen der guten Beziehungen zwischen den Präsidenten könnte man noch lange fortführen.

Trump will Proteste gegen Abschiebepolitik militärisch unterdrücken

Trumps Eroberung des Fußballs

Auffällig ist, wie stark sich der US-Präsident für die Fußball-WM 2026 interessiert. Bereits 2017, ein Jahr nach seiner Wahl, war er Vorsitzender einer „WM-Task-Force“, über die sich die USA für die Austragung der Weltmeisterschaft bewarben. Die langjährige Nähe zwischen Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino wirkt daher nicht überraschend.

Immerhin ist der Fußball nur die viert-beliebteste Sportart in den USA. Mehr Beliebtheit gebührt dem Sport in Lateinamerika und Europa. In beiden Regionen liegen sowohl mit den USA verbündete Staaten als auch geopolitische Interessen des Landes.

Trumps Verhalten wirkte so, als wolle er sich selbst feiern oder seine eigene Wichtigkeit betonen. Indem er sich die Medaille selbst umhängte, erinnerte sein Verhalten symbolisch an den berühmten Moment, in dem Napoleon sich selbst krönte.

Kurt Zimmermann
Kurt Zimmermann
Physik Student, der in Franken lebt. Deckt gerne die geopolitischen Interessen der Imperialisten und ihre Strategien auf. Die Eiche und die Birke, die Lieblingsbäume. Das Ruhrgebiet die Heimat. „Wenn die Ruhr brennt, dann ist im Rhein nicht genug Wasser zum löschen“ – Rainer Barzel

MEHR LESEN

PERSPEKTIVE ONLINE
DIREKT AUF DEIN HANDY!