Kurz vor Neujahr kündigte Israel an, über 30 Hilfsorganisationen den Zugang nach Gaza zu blockieren. Die katastrophale humanitäre Lage spitzt sich damit noch weiter zu.
Die Lage der Palästinenser:innen im Gazastreifen droht sich auch 2026 noch weiter zu verschlechtern. Trotz der angeblichen Waffenruhe seit Mitte Oktober wird der Genozid fortgesetzt. Es kommt immer wieder zu israelischen Bombardierungen und Erschießungen. Aktuell sorgt das winterliche Wetter mit Stürmen, Wind, Regen und Überschwemmungen für eine weitere Verschlechterung der humanitären Lage.
Auch an die Abmachungen zu Hilfslieferungen hält sich Israel bislang nicht. Statt 600 Lkw täglich kommen nach UN-Angaben aktuell nur etwa 140 im Gazastreifen an. Und zum Jahreswechsel eskaliert die Lage noch weiter. Am vorletzten Tag des Jahres kündigte Israel an, ab 2026 37 Hilfsorganisationen den Zugang zum Gazastreifen zu entziehen.
Nun will der israelische Staat noch einen Schritt weitergehen und gibt bekannt, dutzenden Hilfsorganisationen ab dem ersten Januar den Zugang zum Gazastreifen zu verwehren.
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Israelische Anschuldigungen ohne Beweise
Die israelische Regierung begründete das Vorhaben mit fehlenden Dokumenten durch die Organisationen. Vor etwa einem Jahr änderte Israel die Richtlinien zur Registrierung von Hilfsorganisationen, die in den Gazastreifen liefern wollen. Seitdem werden vollständige Listen der Mitarbeitenden inklusive palästinensischer Angestellter in Gaza verlangt. Die beschuldigten internationalen Organisationen haben solche Listen in den letzten zehn Monaten angeblich nicht vorgelegt. Daher wirft Israel diesen Organisationen eine Zusammenarbeit mit der Hamas vor.
Zu den betroffenen Organisationen zählen etwa Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières (MSF), CARE, der norwegische Flüchtlingsrat, das Internationale Rettungskomitee sowie Oxfam. MSF wirft die israelische Regierung vor, zwei Mitarbeiter mit Verbindungen zur Hamas zu beschäftigen. Doch trotz mehrfacher Aufforderung durch MSF hat Israel bisher keine Beweise für die Anschuldigungen vorgelegt. Die Organisation erklärte gegenüber einer Presseanfrage, sie würde aus Sicherheitsgründen niemals wissentlich Personal beschäftigen, das militärische Aktivitäten ausübt.
MSF gab zudem in einer öffentlichen Erklärung an, dass ohne ihre Hilfe hunderttausende Menschen in Gaza 2026 lebensrettende, medizinische Versorgung fehlen würden. Nach eigenen Angaben habe die Organisation im vergangenen Jahr 800.000 ambulante Konsultationen durchgeführt, mehr als 100.000 Traumafälle behandelt und hunderte Millionen Liter Wasser geliefert. Durch das vollständig zerstörte Gesundheitssystem Gazas seien viele der Unterstützungsleistungen von MSF nicht anderweitig verfügbar.
UNRWA schon länger blockiert
Dass Israel Hilfsorganisationen bekämpft, ist jedoch nicht neu. Bereits 2024 verabschiedete das Parlament ein Verbot des palästinensischen UN-Hilfswerks UNRWA. Der zuvor größte Hilfslieferant nach Gaza musste seine Arbeit beenden oder Hilfsgüter über andere Organisationen ausliefern.
Auch das UNRWA-Hilfswerk hatte Israel ohne Beweise bezichtigt, Verbindungen zur Hamas zu haben. Der Internationale Gerichtshof (ICJ) erklärte im Oktober 2025 die Vorwürfe für nichtig. Das Gericht verkündete, Israel sei verpflichtet, Hilfslieferungen des UNRWA-Hilfswerk wieder zuzulassen. Israel hält trotzdem weiterhin an der Blockade fest. Internationale Konsequenzen gab es dafür bislang nicht.
Gezielte Tötung von Hilfskräften
Hilfsorganisationen wie MSF lehnen es weiterhin ab, dem israelischen Staat alle Namen ihrer Mitarbeitenden und Partner:innen preiszugeben. Denn das wäre laut den Organisationen ein zu hohes Sicherheitsrisiko. Nach UN-Angaben sind noch nie so viele humanitäre Helfer:innen in einem Krieg oder Konflikt gestorben wie in Gaza seit 2023. Organisationen wie Amnesty International berichten von vielfachen gezielten Tötungen palästinensischer Sanitäter:innen, Rettungskräften oder Ärzt:innen.
Die Hilfsorganisationen stehen also vor der Wahl, ihr eigenes Personal noch größeren Gefahren auszusetzen oder die Hilfslieferungen einzustellen. Die EU-Kommissarin für Gleichstellung, Hadja Lahbib, forderte Israel auf, die Hindernisse für humanitäre Hilfe zu beseitigen. Doch ob auf Israels weitere Eskalation des Genozids in Gaza Konsequenzen durch EU, Deutschland oder andere westliche Staaten folgen, ist fraglich.

