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Deutsche Wirtschaft 2025: Erstmal der Rezession entkommen

Die deutsche Wirtschaft ist 2025 erstmals nach zwei Jahren wieder gewachsen. Unternehmen und Wirtschaftsleute wittern bereits das Ende einer jahrelangen Stagnation – und fordern Angriffe auf Beschäftigte.

Wirtschaft leicht im Plus: Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ist im Jahr 2025 um 0,2 Prozent gewachsen, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. In den Jahren 2024 und 2023 war es preisbereinigt um 0,5 bzw. 0,9 Prozent gesunken. Eine zweijährige Rezession hatte es in Deutschland zuletzt vor 20 Jahren gegeben.

Industrieproduktion wieder im Aufwind?

Entsprechend erleichtert nahmen Kapitalkreise die Veröffentlichung der neuen Wirtschaftstatistik auf. Dazu trägt auch bei, dass sich die Auftragslage in der Industrie zu erholen scheint: „Vor allem in der Industrie tut sich was“, erklärte die Volkswirtin Sonja Marten von der DZ Bank gegenüber dem Handelsblatt. „Die Auftragseingänge sind deutlich gestiegen und auch die Industrieproduktion nimmt an Fahrt auf.“, so Marten weiter.

Bereits vor einigen Tagen hatte das Statistische Bundesamt eine überraschend starke Auftragslage der deutschen Industrie im vergangenen November festgestellt. Für das laufende Jahr rechnen viele Ökonom:innen dennoch nur mit einem mäßigen Wachstum und erst für 2027 mit einem Aufschwung.

Die Erholung der Industrie ist vor allem deshalb wichtig, weil sich der gesamte Sektor seit der Überproduktionskrise 2018/19 mit gewissen Schwankungen in einer andauernden Stagnationsphase befunden hat. Ihren letzten Höchstwert hatte die Industrieproduktion in Deutschland im November 2017 erreicht.

Danach kam die oben benannte kapitalistische Wirtschaftskrise, gefolgt von Corona, unterbrochenen Lieferketten, dann dem Ukrainekrieg und als Ergebnis dessen eine Energiekrise mitsamt explodierenden Preisen. In zahlreichen Branchen kam es zu Entlassungen und Firmenpleiten, besonders betroffen war etwa die Chemieindustrie.

Insolvenzen steigen in Deutschland um 22,4 %

Der US-Handelskrieg seit dem vergangenen Jahr erschwerte die Lage für das deutsche Kapital zusätzlich, ebenso wie eine gestiegene Konkurrenz aus China auf dem Weltmarkt. Trotz der Verbesserung des Gesamt-BIP nahmen die Exporte auch im vergangenen Jahr erneut ab, und zwar bereits das dritte Jahr in Folge.

Das Wachstum ist laut dem Statistischen Bundesamt vor allem auf einen gestiegenen privaten Konsum im Inland sowie auf staatliche Investitionen zurückzuführen. Die neue Bundesregierung hatte dazu im vergangenen Jahr ein „Fiskalpaket“ in Höhe von 500 Milliarden Euro beschlossen.

Kapitalfreundliche Reformen gefordert

Unternehmerverbände warnen vor dem Hintergrund der jahrelangen Stagnation der Industrie seit langem vor einer drohenden Deindustrialisierung. Sie verbinden diese Warnung mit Forderungen nach umfangreichen Reformen zugunsten des Kapitals.

Dies geht auch jetzt weiter: „Auf den Herbst der Reförmchen muss jetzt ein Jahr der echten Reformen folgen, damit unsere Unternehmen die verloren gegangene Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen können“, erklärte Helena Melnikov von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Alexander Krüger, Chefsvolkswirt von Hauck Aufhäuser Lampe, sehe zudem generell keine Strategie der Politik, „um sich in der wandelnden Welt zu behaupten“. Der aktuelle Anstieg sei vor allem auf „das Doping mit dem Fiskalpaket“ zurückzuführen.

Unter den geforderten „Reformen“ verstehen Kapitalvertreter:innen verbändeübergreifend vor allem Einsparungen bei den Sozialversicherungen, die der Staat dann in Form einer Senkung der sogenannten „Lohnnebenkosten“ an die Unternehmen weiterreichen soll. Bezahlen würden diese Reformen vor allem die Arbeiter:innen. Denn mit weniger sozialer Absicherung steigt der Druck auf Arbeitslose, schlechter bezahlte Jobs anzunehmen. Das verschafft Unternehmensführungen das Privileg, die Löhne zu drücken.

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Zuge der Krise trotz anhaltenden Fachkräftemangels in vielen Branchen nach oben gegangen. Für diesen oder nächsten Monat rechnet Arbeitsagentur-Chefin Andrea Nahles mit einem Überspringen der Marke von drei Millionen Menschen, die einen Job suchen.

Arbeitsmarkt am Tiefpunkt: Arbeiter:innen doppelt unter Druck

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