Eine weitere Eskalation im Konflikt um Grönland: Trump droht mit weiteren Strafzöllen und in der EU verschiebt sich der versöhnliche Ton hin zur Vorbereitung für eine Konfrontation. Kommt nun der Handelskrieg?
Das Begehren der USA nach Grönland droht, weiter zu eskalieren, und nimmt inzwischen Züge eines offenen Handelskrieges zwischen der EU und den USA an. So kündigte US-Präsident Donald Trump am Wochenende weitere Strafzölle gegenüber einer Reihe an europäischen Ländern an, die zuvor die Souveränität Dänemarks in dieser Frage betonten.
Bereits seit dem sogenannten „Zoll-Deal“ im Sommer 2025 liegen die US-Zölle auf ausgewählte europäische Produkte bei bis zu 15 Prozent. Nun sollen sie weiter steigen: Ab dem 1. Februar um zusätzliche 10 Prozent, ab dem 1. Juni um weitere 25 Prozent auf dann insgesamt 50 Prozent. Diese Zölle sollen dann „bis zu einem Zeitpunkt, an dem eine Einigung über den vollständigen Verkauf Grönlands erzielt wurde“ erreicht ist, anhalten.
Diese Zölle würden der deutschen Wirtschaft erheblich schaden. Schon jetzt ist der DAX erheblich gefallen und das obwohl er gerade ein Rekordhöhe war. Denn die europäische Wirtschaft ist noch in besonderer Weise von Industrieexporten in die USA abhängig. Gerade hier würden die angedrohten Zollerhöhungen jedoch zu erhöhten Preisen und damit abspringenden Kunden führen.
Ende der versöhnlichen Töne?
Zuletzt hatten Deutschland und andere europäische Großmächte wiederholt versucht, versöhnlich auf die Forderungen der US-Regierung zu reagieren. Beispielsweise durch den Vorschlag gemeinsamer Verteidigungsprojekte versuchte man, auf die öffentlichen Forderungen der USA einzugehen und dabei trotzdem den Abtritt Grönlands zu verhindern. Man hatte damit gewissermaßen auch versucht, Trump die Rechtfertigung für die Annexion Grönlands zu nehmen und die USA stattdessen wieder mehr in das NATO-Bündnis zu zwingen, aus dem sie sich im Zuge der neuen US-Außenstrategie zuletzt immer weiter zurückziehen.
Dass diese Strategie fehlgeschlagen ist, scheint nun die erneut aggressive Reaktion der Trump-Regierung anzudeuten. Das scheinen auch die EU-Staaten erkannt zu haben und die Forderungen danach, wie man reagieren sollte, scheinen sich zu wandeln – weg vom Versöhnlichen, hin zur Konfrontation.
So steht nun das Handelsabkommen zwischen den USA und der EU auf der Kippe. Eigentlich wurde das Paket, das Zölle von bis zu 15 Prozent auf EU-Exporte in die USA vorsieht, schon vor Monaten ausgehandelt, es bedarf allerdings noch der Zustimmung des EU-Parlaments. Genau diese Zustimmung ist nun aber fraglich, nachdem zahlreiche Stimmen aufkamen, die in Reaktion auf die neuen Zölle zum Stopp des Abkommens aufrufen.
Eine dieser Stimmen ist auch Außenminister Johann Wadephul, der gegenüber der Tagesschau erklärte: „Ich glaube nicht, dass in dieser aktuellen Situation diese Vereinbarung möglich ist“. Auch in Deutschland zeichnet sich also ein Stimmungswechsel ab: Noch vor wenigen Tagen war Wadephul in den USA zu Besuch und berichtete, dass er dort auf „sehr viel Vernunft“ gestoßen sei.
Auch die vor kurzem nach Grönland entsandten Bundeswehr-Soldat:innen haben bereits wieder ihre Heimreise angetreten. Der Grund dafür ist zwar offiziell, dass die Erkundungsmission „auftragsgemäß abgearbeitet“ worden sei, jedoch gibt es auch Hinweise darauf, dass es sich hierbei eher um eine Reaktion auf die neuen Entwicklungen handeln könnte. So hatte US-Präsident Donald Trump in seiner Zoll-Ankündigung auch explizit auf die Erkundungsmission Bezug genommen und diese als „gefährliches Spiel“ bezeichnet.
Kommt die Handels-Bazooka?
Doch das zunächst auf Eis gelegte Handelsabkommen reicht vielen als Reaktion nicht aus, stattdessen wird über den Einsatz weiterer Maßnahmen beraten. In diesem Zuge fordern verschiedene EU-Politiker:innen den Einsatz der sogenannten „Handels-Bazooka“ – mal mehr mal weniger offen. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron brachte diese Möglichkeit zuletzt ins Spiel.
Die EU hat 2023 mit der „Handels-Bazooka“ – offizieller Name Anti-Coercion-Instrument (ACI) – ein Instrument als Mittel im Handelskrieg gegen andere Staaten geschaffen. Man wollte einen Weg finden, sich gegen Druck von außen wehren zu können.
Darunter würden dann Importverbote, Aussetzungen von Produktzulassungen oder Kooperationen in der Wissenschaft fallen. Dieses ursprünglich gegen China gerichtete wirtschaftspolitische Instrument wurde jedoch noch nie eingesetzt.
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Handelskrieg oder leere Drohungen?
Insgesamt scheinen solche Maßnahmen jetzt gerade aber noch eher unwahrscheinlich. Zum einen bedarf es zum Einsatz dieser Maßnahmen eine qualifizierte Mehrheit im EU-Rat, für die die nötige Einigkeit wohl derzeit nicht besteht. Die EU leistete sich erst zuletzt bei der Frage der Finanzierung der Ukraine einen Eklat um ebendiese qualifizierte Mehrheit, hier dürfte die Debatte nochmals heikler sein.
Außerdem würde die „Handels-Bazooka“ mit großer Wahrscheinlichkeit einen waschechten Handelskrieg mit der USA mit sich bringen, zu dem die meisten europäischen Staaten nicht bereit sein dürften. Zwar versucht sich die EU immer weiter zu diversifizieren und will mit Indien und den Mercosur-Staaten neue Absatzmärkte gewinnen, dennoch ist man in dieser Sache immer noch stark von den USA abhängig.
Wie weit die Reaktion der EU-Staaten also letztendlich tatsächlich gehen wird, bleibt abzuwarten. Zunächst will man sich auf einem anstehenden EU-Sondergipfel gemeinsam absprechen.

