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Grönland: US-Invasionspläne und Bundeswehrsoldat:innen

Während Trumps Besitzansprüche an Grönland immer lauter werden, suchen europäische Regierende nach einem Kompromiss. Mit der Entsendung von Soldat:innen versucht man gleichzeitig abzuschrecken und auf die USA zuzugehen.

Trump liebäugelt mit Grönland. Doch weniger mit den Tieren und dem kalten Wetter, sondern mehr aus geostrategischen Gründen. Auf der einen Seite liegen unter dem ewig geglaubten Eis enorme Bodenschätze, aber auch militärisch wird das Gebiet immer mehr zum Spannungsfeld. Die USA sehen die Kontrolle Grönlands seit langem als essentiellen Bestandteil ihrer militärischen Strategie – Schon seit dem zweiten Weltkrieg gibt es dort diverse militärische Anlagen der USA.

Dass Grönland nun direkt von den USA kontrolliert werden soll, rechtfertigt die US-Regierung unter anderem mit der Bedrohung durch altbekannte Feinde. Doch dass von Russland oder China eine Gefahr für Grönland ausgeht, ist aktuell nicht absehbar. Auch eine laut Trump „erhöhte Präsenz von chinesischen und russischen Schiffen“, sei laut Angaben der Financial Times unter Berufung auf Geheimdienstinformationen der nordeuropäischen Staaten nicht gedeckt.

Trump soll Invasionspläne schmieden

Trumps Pläne, Grönland fest an die USA zu binden, sind dabei vielfältig. Im August 2025 wurde erstmals öffentlich diskutiert, dass Trump die größtenteils eigenständige Nation innerhalb des Königreichs Dänemark von ebendiesem abkaufen möchte. Im Laufe des vergangenen Jahres wandelten sich diese Überlegungen jedoch zunehmend in aggressivere Töne bis hin zu militärischen Drohungen und der Idee einer militärischen Besatzung.

Eine militärische Aktion gegen das außenpolitisch von Dänemark abhängige Grönland würde zu einer schweren Krise der NATO führen. Dänemarks Ministerpräsidentin Frederiksen kündigte ein Ende der NATO-Beteiligung Dänemarks an: „Wenn der mächtigste Verbündete eines Landes erwägt, es anzugreifen oder zu besetzen, dann ist jedes Bündnis natürlich hinfällig.“ Auch die Mehrheit der in Grönland lebenden Menschen ist wenig angetan von einer Zugehörigkeit zu den USA.

Annexion von Grönland: Ende der NATO?

Die US-amerikanische Außenpolitik zeigt sich davon jedoch relativ unbeeindruckt. So hat Donald Trump laut der britischen Boulevard-Zeitung Daily Mail hochrangige US-Kommandeure damit beauftragt, Invasionspläne für Grönland anzufertigen. Diese sollen von diesem Vorhaben allerdings nicht begeistert sein: Vielmehr versuchen sie laut einer nicht namentlich genannten Quelle, Trumps Interesse mit anderen großen Militäraktionen wie dem Abfangen von Schiffen der sogenannten Schattenflotte Russlands oder einem möglichen Angriff auf den Iran zu lenken.

Merz und Wadephul mit versöhnlichen Tönen

Diese Situation versetzt europäische Regierende in eine schwierige diplomatische Situation. Auf der einen Seite erkennen sie Trumps Vorstöße als Angriff auf ihre Souveränität, auf der anderen wollen sie das Bündnis zu den USA nicht weiter gefährden. Durch die wirtschaftliche und militärische Abhängigkeit würde ein Bruch der Beziehungen zu den USA nämlich enorme Auswirkungen haben.

In diesem Sinne stand auch der kürzliche Besuch des deutschen Außenministers Johann Wadephul (CDU) bei seinem US-amerikanischen Amtskollegen Marco Rubio. In Washington verlor er nur vorsichtige Worte zur Situation und betonte stattdessen das gemeinsame Interesse der USA und der europäischen Großmächte an Grönland. In Washington sei er diesbezüglich auf „sehr viel Vernunft“ gestoßen.

Wadephul sieht „sehr viel Vernunft“ in US-Regierung

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schlägt zuletzt ähnliche Töne an. So möchte er „einfach die Sicherheitslage für Grönland gemeinsam verbessern“, für ihn selbstverständlich unter Einbeziehung der USA. Offen ist dabei nur, in welcher Art und in welchem Umfang.

Deutsche Soldat:innen in Grönland und die Suche nach einem Kompromiss

Zugleich werden die Forderungen nach Plänen und Maßnahmen zur Absicherung Grönlands gegen die USA in Europa lauter. In diesem Zuge geht es vor allem auch um die Erhöhung der eigenen militärischen Präsenz auf der Insel. Auch Merz wirbt derweil, gemeinsam mit seinen britischen Partnern, für eine erhöhte NATO-Präsenz unter dem Namen „Arctic Sentry“ (Wächter der Arktis).

Patrick Sensburg, der Chef des Deutschen Reservistenverbandes, forderte zuletzt zudem eine Dauerpräsenz auch deutscher Soldat:innen und sogar Ausbildungscamps der Bundeswehr in Grönland. Zumindest einen Teil seiner Forderungen bekommt er nun erfüllt, denn 13 Bundeswehr-Soldat:innen sollen demnächst auf Einladung Dänemarks nach Grönland fliegen und sich an einem internationalen Erkundungsteam beteiligen, dass die Rahmenbedingungen zur Verteidigung der Region erkunden soll.

Eine echte Eigenständigkeit besitzen die europäischen Regierungsvertreter:innen bei dieser Frage nicht wirklich und diesen Anspruch legen sie auch nicht an den Tag – So dürfte zumindest Merz Forderung nach Einbeziehung der USA zu verstehen sein. Vielmehr dürfte es sich hierbei um einen politischen Schachzug handeln.

Auf der einen Seite will man vor einer möglichen Invasion abschrecken: Zwar könnten die europäischen Großmächte im Härtefall nicht wirklich etwas gegen eine US-amerikanische Invasion bewirken, dennoch stellt die Präsenz von verbündeten Soldat:innen zumindest eine diplomatische Hürde dar.

Auf der anderen Seite versucht man einen Kompromiss zu finden und die USA wieder mehr in das NATO-Bündnis einzubinden, aus dem sich die Trump-Regierung immer weiter entfernt. Mit einer gemeinsam organisierten Verteidigung nimmt man Trump nicht nur die Rechtfertigung für seine Besitzansprüche, sondern versucht auch die US-Interessen zumindest teilweise zu erfüllen, ohne Grönland an Trump abzutreten.

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