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Homophobie im Fußball – Josh Cavallo erhebt Vorwürfe gegen Ex-Verein

Der australische Fußballprofi Josh Cavallo hat schwere Vorwürfe wegen Homophobie gegen seinen früheren Klub Adeleine United erhoben. Vier Jahre nach seinem Coming-out erklärte der 26-Jährige, sein Vereinswechsel sei nicht aus sportlichen Gründen erfolgt. Der Verein weist die Vorwürfe zurück – und doch ist Cavallo kein Einzelfall.

Der offen homosexuelle Fußballspieler Josh Cavallo aus Australien wirft seinem ehemaligen Verein Adeleine United Homophobie vor. In einem Statement auf Instagram postet er ein Foto von sich und seinem Verlobten Leighton Morrell. Darin beschreibt er ein diskriminierendes Umfeld innerhalb des australischen Vereins. Unter der neuen Führung sei ihm klar geworden, dass er aus „politischen Gründen“ nicht mehr eingesetzt werde. Er berichtet, Menschen in Machtpositionen hätten Entscheidungen getroffen, die seine Chancen aufgrund seiner sexuellen Orientierung blockiert hätten.

Cavallo war 2021 zu Adeleine United gewechselt. In den letzten beiden Saisons gingen seine Einsatzzeiten deutlich zurück. Nach außen sei dies mit Verletzungen begründet worden, tatsächlich habe ihn jedoch „interne Homophobie auf der Bank gehalten“, so der Spieler. Zudem berichtet er von homophoben Anfeindungen innerhalb der Mannschaft. In einem Gruppenchat hätten Teamkollegen ein Foto von ihm und seinem Partner verspottet. Den Klub verließ er letztlich im vergangenen Sommer, mittlerweile spielt Cavallo beim englischen Klub Peterborough Sports FC.

Frauen im Fußball: Das Patriarchat spielt immer noch mit

Adeleine United weist Vorwürfe zurück

Der Verein bestreitet in einer Stellungnahme, dass Cavallos verringerte Einsatzzeiten durch Diskriminierungen beeinflusst worden seien: „Der Klub ist äußerst enttäuscht über die erhobenen Vorwürfe und weist diese kategorisch zurück – einschließlich jeder Behauptung Adeleine United sei homophob“. Adeleine United betont zugleich, man setze sich für ein inklusives Umfeld ein und verwies auf den anstehenden Pride Cup gegen Melbourne Victory.

Josh Cavallo schildert hingegen, dass seine Leistungen unabhängig von seinem Einsatz ignoriert worden seien. Er habe sich zunehmend isoliert gefühlt und zeitweise sogar daran gezweifelt, ob sein Coming-out vier Jahre zuvor ein Fehler gewesen sei.

Homophobie im Fußball hat System

Cavallo war 2021 der erste offen schwule Profifußballspieler der australischen A-League. Homophobie gilt im Fußball als strukturelles Problem, das mit rückschrittlichen Männlichkeitsbildern und patriarchalen Machtverhältnissen zusammenhängt. Aufgrund von fehlender Akzeptanz riet der ehemalige deutsche Nationalspieler Philipp Lahm seinen homosexuellen Kollegen sogar davon ab, sich während einer laufenden Karriere zu outen.

Homophobie im Fußball: erhoffte Coming-Outs bleiben aus

Viele Spieler:innen entscheiden sich deshalb erst nach dem Ende ihrer Karriere für ein Coming-out, da sie sonst erhebliche Diskriminierungen sowie unfaire Nachteile befürchten. Die geringe Zahl an offen homosexueller Profifußballspieler verweist damit auf ein Machtgefälle, das LGBTI+ Realitäten weiterhin strukturell unsichtbar macht.

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