Nach dem Angriff der USA auf Venezuela und der Entführung des venezolanischen Präsidenten durch US-amerikanische Spezialkräfte riefen weltweit linke Parteien, Gewerkschaften und Organisationen zu Protesten auf. Während Tausende gegen Krieg und Imperialismus demonstrieren, feierten gleichzeitig Exil-Venezolaner:innen den Sturz Maduros.
In der venezolanischen Hauptstadt Caracas demonstrieren seit Samstag immer wieder mehrere tausend Menschen auf den Straßen. Laut dem venezolanischen Nachrichtensender teleSUR kommen bei den Protesten gegen den US-amerikanischen Überfall breite Schichten der Bevölkerung zusammen und fordern die Wiedereinsetzung des entführten Präsidenten Nicolás Maduro.
Insgesamt zeugen mehrere Berichte davon, dass die Stimmung in Venezuela insgesamt noch verhalten ist. Siegeszüge der Oppositionellen, angeführt unter anderem von der kürzlich mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Maria Machado, bleiben aus. Vielmehr herrscht Unsicherheit darüber, wie es nach dem US-Angriff weitergeht und wer nun die Macht im Land ergreifen wird.
Linke Kräfte positionieren sich derweil klar gegen den Angriff der USA und betonen das Recht auf Selbstbestimmung der lateinamerikanischen Völker. Die Kommunistische Partei Venezuelas (PCV) verurteilte am Samstag die „imperialistische Aggression, die die kriegerische Eskalation der US-Regierung und ihre absolute Missachtung des Völkerrechts, der Selbstbestimmung der Völker und des Friedens in Lateinamerika und der Karibik bestätigt.”
USA greifen Venezuela an – Präsident Maduro von US-Militär entführt
Solidarität in Lateinamerika
Auch in anderen Ländern Lateinamerikas erklärten Parteien, Gewerkschaften und soziale Bewegungen ihre Solidarität mit dem venezolanischen Volk und riefen zu Protesten auf.
Rafael Freire, Generalsekretär der Regionalorganisation für Amerika des Internationalen Gewerkschaftsbundes (TUCA), unterstrich dahingehend, dass die Gewerkschaften international Mechanismen in Gang setzen werden, um sich mit den venezolanischen Arbeiter:innen zu solidarisieren. Die Gewerkschaften stünden an vorderster Front in der Verteidigung von Souveränität und Selbstbestimmung, Demokratie und Menschenrechten, erklärte Freire weiterhin.
Auch das lateinamerikanische Netzwerk von Intellektuellen, Künstlern und sozialen Bewegungen (REDH) rief zur Solidarität auf. Die militärische Aggression der USA sei ein kolonialer Akt, „der einen Präzedenzfall für eine bewaffnete Intervention schaffen soll, um Ressourcen zu plündern und den Willen Anderer zu unterwerfen“.
In mehreren Hauptstädten Lateinamerikas wurden seit Samstag Demonstrationen gegen den Angriff der USA organisiert, oftmals mit Beteiligung der regierenden Parteien. In Kubas Hauptstadt Havanna richtete sich Präsident Miguel Díaz-Canel direkt an die USA und erklärte vor zehntausenden Demonstrant:innen: „Kuba verurteilt diese Angriffe als einen Akt des Staatsterrorismus”. Auch in Argentinien, Mexiko, Ecuador, Guatemala, Costa Rica und El Savador gingen Menschen in Solidarität mit der venezolanischen Bevölkerung auf die Straße. Dabei wurde auch an die zahlreichen anderen US-Interventionen in Lateinamerika erinnert.
Im venezolanischen Nachbarland Kolumbien, dessen Präsident Gustavo Petro von US-Präsident Donald Trump als Unterstützer Nicolás Maduros bezeichnet und bedroht wurde, riefen kommunistische Aktivist:innen zu Aktionen vor der US-Botschaft auf. Auch die Antifaschistische Internationale – Sektion Kolumbien rief die Völker der Region dazu auf, sich im Kampf für die Unabhängigkeit zu vereinen.
Die Rebellenorganisation Ejército de Liberación Nacional (ELN, deutsch: Nationale Befreiungsarmee), die Teile der kolumbianisch-venezolanischen Grenze kontrollieren und zeitweise sogar von der venezolanischen Regierung unterstützt wurden, erklärte, dass sie den bewaffneten Kampf gegen eine US-Invasion aufnehmen würde. „Nicht einen Schritt zurück. Leben oder Tod”, heißt es dazu in einem Statement der ELN, „Für das Heimatland zu sterben, ist nicht sterben, sondern leben.”
Antikriegsproteste in den USA, Europa und weltweit
Auch in den USA selbst fanden in mehreren großen Städten Proteste gegen die eigene Regierung statt. In Chicago, Dallas, New York, Philadelphia, Pittsburgh, San Francisco und Seattle nahmen sich mehrere hunderte Menschen die Straßen und forderten unter anderem: „No Blood for Oil” – Kein Blut für Öl. Auch Parallelen zur US-Invasion im Irak 2003 wurde gezogen. In Vorbereitung auf den Krieg hatten die USA systematisch über den irakischen Besitz von Massenvernichtungswaffen gelogen, um einen Militärschlag zu legitimieren.
Auch an anderen Orten wandten sich Protestierende gegen die imperialistische Aggression der USA. Größere Demonstrationen gab es beispielsweise in Madrid, wo sich Tausende vor der US-Botschaft versammelten. In Indien riefen mehrere kommunistische Kräfte gemeinsam dazu auf, gegen die US-Angriffe auf Venezuela zu demonstrieren.
Während die deutsche Bundesregierung den Überfall auf Venezuela noch immer nicht verurteilt hat, wurde auch in Deutschland demonstriert. Am Samstag versammelten sich mehrere hundert Menschen vor dem Brandenburger Tor um gegen die Invasion zu protestieren und Solidarität zu zeigen.
Jubel im Exil
Gleichzeitig jubelten an vielen Orten in Lateinamerika, den USA und auch Madrid, Heimat der größten venezolanischen Gemeinde in Europa, Exil-Venezolaner:innen über den Sturz Maduros. Dabei reichte die Stimmung von purer Freude über die US-Intervention bis hin zu Zweifeln darüber, ob sich durch den US-Angriff tatsächlich etwas an der Lage der venezolanischen Bevölkerung ändern werden.
Während der Regierungszeit von Maduro und seinem Vorgänger Hugo Chávez haben zahlreiche Menschen das Land verlassen. Laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) flohen allein seit 2017 über 8 Millionen Venezolaner:innen vor erschwerten Lebensbedingungen durch die wirtschaftlichen und politischen Krisen. Oftmals machen die Geflohenen die Maduro-Regierung direkt für ihre Flucht verantwortlich.
Repräsentative Umfragen über die politische Stimmung unter den Exil-Venezolaner:innen gibt es nicht, zahlreiche Medienberichte aus den USA und auch Deutschland nahmen die Bilder jubelnder Venezolaner:innen jedoch zum Anlass, den Sturz Maduros als Erfolg und die Invasion der USA als gerechtfertigt darzustellen.

