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LLL 2026: Zehntausend Menschen bei kämpferischem Gedenken

Beim LLL-Wochenende 2026 gedachten über 10.000 Menschen Rosa-Luxemburg, Karl Liebknecht und Wladimir Iljitsch Lenin. Die Veranstaltungen am Samstag und die Demonstration am Sonntag standen im Zeichen der sich weltweit zuspitzenden imperialistischen Kriege. Ein Aufschwung junger, revolutionärer Kräfte war zudem zu beobachten.

Das Programm und die Gedenkdemonstration des LLL-Wochenendes 2026 standen bei nahezu allen Teilnehmer:innen unter dem Zeichen von weltweiter Aufrüstung und Kriegen. Reden, Konferenzen und Podiumsdiskussionen am Samstag beschäftigten sich etwa mit der Antwort von Kommunist:innen und Sozialist:innen auf Sozialkürzungen, Wehrpflicht und Wettrüsten. „Nicht unser Krieg, nicht unser Militär“ war etwa eine Parole, die auf der sonntäglichen Gedenkdemonstration besonders häufig zu hören war.

Denn auch zu Lebzeiten von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht rüsteten sich Anfang des 20. Jahrhunderts die europäischen Großmächte hoch. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs und der Zustimmung der Sozialdemokratie zu den Kriegskrediten vollzogen sie als Kommunist:innen den Bruch mit der Sozialdemokratie. Als dann zum Ende des Krieges die russische Oktoberrevolution ausbrach, gab es auch in Deutschland revolutionäre Unruhen. In diesen Unruhen wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht am 15. Januar 1919 durch faschistische Freikorps mit Unterstützung der SPD ermordet.

Seitdem findet jedes Jahr rund um den Todestag das Gedenken an beide Revolutionär:innen am Friedhof der Sozialist:innen in Berlin-Lichtenberg statt. Nach dem Tod Lenins im Januar 1924 wurde auch er in das Gedenken aufgenommen. Nach der faschistischen Machtergreifung 1933 wurde das Gedenken verboten. Anschließend fand es nach dem 2. Weltkrieg wieder in DDR statt. Seit 1990 nehmen Demonstrierende aus ganz Deutschland teil.

Zahlreiche Veranstaltungen am Samstag

Vor der Gedenkdemo fanden am Samstag traditionell auch wieder zahlreiche klassenkämpferische Veranstaltungen in Berlin statt. Die größte ihrer Art war die Rosa-Luxemburg-Konferenz der Tageszeitung Junge Welt. 4.000 Menschen besuchten das Programm unter dem Titel „Kopfüber in den Krieg – Gegen Rüstungswahn und mediale Mobilmachung“.

„Ich grüße euch herzlich aus der Illegalität“, erklärte der untergetauchte Burkhard Garweg in einem Grußwort. „Es ist grotesk uns als Terroristen zu bezeichnen. Der wirkliche Terror liegt in der Normalität des kapitalistischen Systems“, so Garweg.

Neben Konzerten und Informationsständen gab es verschiedene Podien und Vorträge. Ein Jugendpodium beschäftigte sich mit der Ende 2025 wieder eingeführten Wehrpflicht. Ein Kulturpodium thematisierte den weiterhin laufenden Genozid in Gaza und das abschließende Podium diskutierte die Frage „Was tun gegen Aufrüstung, Militarisierung und Kriegsgefahr?“.

Die steigende Aufrüstung und Weltkriegsgefahr weltweit thematisierte auch das Jugendsymposium der Neuen Demokratischen Jugend (YDG). Mit internationalen Gästen aus unter anderem Nepal, Frankreich, Schweiz, Spanien, den Philippinen, Tunesien und Zypern wurden die sogenannten „Gen-Z-Proteste“, ihre länderübergreifende Wirkung und revolutionäre Jugendbewegungen weltweit diskutiert.

One Piece – die Fahne der Jugend

Die Kommunistische Partei (KP) widmete sich gemeinsam mit der Organisation Klasse gegen Klasse in einer Podiumsdiskussion der „Bündnisfrage in Zeiten reaktionärer Zustände“. Im Fokus dabei lag die Frage nach einer antifaschistischen Einheitsfront gemeinsam mit reaktionären oder sozialdemokratischen Parteien wie der Linkspartei.

Auch bei der gemeinsamen Veranstaltung des Kommunistischen Aufbaus (KA) mit der Marxist-Leninist Komünist Parti (MLKP) wurde besonders über Krieg und Aufrüstung gesprochen. Diskutiert wurde über den Stand und Entwicklung des deutschen Imperialismus sowie aktuelle imperialistische Kriege in Westasien. Daraus folgte die Frage, welche Aufgaben vor Kommunist:innen im 21. Jahrhundert in Zeiten des sich zuspitzenden Klassenkampfs und der Kriegsvorbereitung stehen.

Zehntausend Demonstrierende

Am Sonntag um 10 Uhr fanden sich die Demonstrierenden dann am Frankfurter Tor ein. Die Polizei berichtet von 8.500 Teilnehmer:innen. Da von der Polizeiseite solche Zahlen meist niedriger als tatsächlich geschätzt werden, ist von bis zu 10.000 Personen auszugehen.

Im November 2025 waren Medienberichte aufgekommen, die Einschränkungen oder gar die Absage des Gedenkens am Lichtenberger Zentralfriedhof in den Raum stellten. Denn der Platz vor dem Gedenkort ist wie auch 2025 eine Baustelle. Die Zugänge zur Gedenkstätte der Sozialisten sind stark einschränkt. Das Bezirksamt Lichtenberg konnte jedoch eine Lösung finden.

LLL-Demo 2026 in Gefahr?

Die Demonstration konnte ihre traditionelle Route vom Frankfurter Tor bis zum Friedhofsvorplatz laufen. Zugang und Ausgang des Friedhofs wurden anschließend getrennt über zwei separate schmale Wege geführt. Auch die Informationsstände mussten im Vergleich zu den vergangenen Jahren leicht verschoben werden.

Insgesamt zeigte sich ein Aufschwung von revolutionären Kräften auf der Demonstration. Wie auch im vergangenen Jahr riefen Perspektive Kommunismus, Rote Jugend Deutschland und der Bund der Kommunist:innen (BDK) zu einem gemeinsamen revolutionären Block auf. Der Block bestand nach eigenen Angaben aus 1.500 Personen. Zwischenzeitlich wurden in dem Block roter Rauch und Bengalos gezündet.

Ähnlich sah es in dem dahinter laufenden Block des Kommunistischen Aufbaus mit fast 500 Teilnehmenden aus. Bis zur Höhe der S Bahn Frankfurter Allee war an der Spitze des Blocks ein Transparent mit der Aufschrift „Trotzen wir der Repression“ zu sehen. Während rote Rauchschwaden über der Straße aufstiegen kam dann ein Banner mit den Worten „Auf zum Kampf, auf zur Revolution“ zum Vorschein. Kurz darauf hing aus einem Wohnhaus ein Banner mit der Aufschrift „Klasse gegen Klasse – Krieg dem Krieg“.

Auch die Organisation Unité Communiste aus Frankreich hatte sich dem Block angeschlossen. „Bauen wir die Partei unter dem Banner des proletarischen Internationalismus auf“, stand auf einem gemeinsamen Banner mit dem KA. Unter dem Motto ihrer kürzlich gestarteten Kampagne „Jugend streikt und kämpft“ rief die Kommunistische Jugend auf einem Hochhalter zum Kampf gegen die Wehrpflicht und zum nächsten Schulstreik am 5. März auf.

Die Demonstration war insgesamt von der Teilnahme vieler Jugendlicher geprägt. So auch im Block der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ), der sich mit Parolen und Transparenten gegen die Wehrpflicht positionierte. Auch einige Ortsgruppen der Linksjugend beteiligten sich, während die Linkspartei unabhängig von der LLL-Demonstration den Sozialistenfriedhof besuchte.

Mit Portraits von Luxemburg, Liebknecht und Lenin sowie einem geschmückten Kranz zog auch der Block der MLKP die Blicke auf sich. Außerdem begrüßten sie auf einem Banner die 1. Europa-Konferenz ihrer Frauenorganisation KKÖ. Am Rande der Demonstration fanden sich mehrere Graffitis. „Unsere Zukunft? Sozialismus“, war an einer Hauswand kurz vor dem Zentralfriedhof zu lesen.

Auf der Demonstration befanden sich auch wieder mehrere internationalistische Blöcke, etwa mit Bezug zu Kurdistan oder Palästina. Aktivist:innen der Demokratischen Jugend YUNA hatten zudem am Rande der Demo ein Transparent aus einem Haus gehängt, auf dem „Defend Aleppo“ zu lesen war. In den Tagen zuvor war es wieder zu Angriffen auf kurdische Viertel in der syrischen Stadt gekommen.

Wenige Tage nach dem US-Angriff auf Venezuela waren auch viele venezolanische Fahnen zu sehen oder Parolen gegen den US-Imperialismus zu hören. Während im Block der Kommunistischen Partei Palästina Fahnen unter dem Banner „Sie rüsten zum Krieg, wir rüsten zum Widerstand“ zu sehen war, hatte die MLPD auf einem Transparent „Hände weg von Venezuela“ stehen.

Acht Festnahmen durch die Polizei

Erste Anfang November hatte ein Prozess gegen einen Betroffenen von Polizeigewalt bei der vergangenen LLL Demonstration stattgefunden. Insbesondere auf den internationalistischen Palästina-Block und sich solidarisierende Organisationen wurde im letzten Jahr kurz nach Beginn der Demonstration Gewalt angewendet. Auch dieses Jahr wurde etwa die Parole „From the River to the Sea“ wieder explizit verboten.

LLL-Angeklagter im Interview über Repression und Solidarität in der Bewegung

Jedoch gab es anschließend vergleichsweise wenig Polizeigewalt. Die Berliner Polizei berichtet von 500 eingesetzten Polizist:innen und acht Festnahmen von Teilnehmer:innen. Zu einem Einsatz von Schlägen und Pfefferspray durch die Polizei kam es aber trotzdem am U-Bahnhof Lichtenberg. Einige Demonstrant:innen aus dem revolutionären Block wollten ohne Besuch des Friedhofs abreisen. Das versuchte die Polizei zu verhindern. Videos zeigen eine brutale Festnahme, Faustschläge und Schubsen durch Polizist:innen.

Der überwiegende Teil der Tausenden Demonstrant:innen konnte jedoch kämpferisch die Demonstration absolvieren und ohne größere polizeiliche Repressionen am Gedenken teilnehmen und wieder Abreisen. Auch mehr als 100 Jahre nach dem Tod von Liebknecht, Luxemburg und Lenin haben Kommunist:innen, Sozialist:innen und fortschrittliche Kräfte gezeigt, wie aktuell das Gedenken an sie im Jahr 2026 ist.

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