Nach früheren gewaltsamen Einsätzen der Polizei erwartet Berlin erneut Tausende Teilnehmende bei der Luxemburg-Liebknecht-Lenin-Demonstration am Sonntag. Die Veranstaltung stand zeitweise auf der Kippe, doch die Demonstrierenden gehen nun gemeinsam gegen Krieg, Sozialabbau, Aufrüstung und Militarisierung auf die Straße.
Am Wochenende findet erneut die traditionelle Luxemburg-Liebknecht-Lenin-Demonstration (LLL) statt, bei der ein Großteil der deutschen kommunistischen Bewegung sowie sozialdemokratische Kräfte zusammenkommen. Die jährliche Demonstration erinnert an die Errungenschaften der kommunistischen Bewegung und gedenkt der im Januar 1919 ermordeten Mitbegründer:innen der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Nach dem Tod des russischen Revolutionärs Vladimir Iljitsch Lenin im Januar 1924 nahm die KPD ihn ins Gedenken auf, wodurch die LLL ihr drittes „L“ bekam.
Auch dieses Jahr erwartet Berlin tausende Demonstrierende – obwohl das Stattfinden der Demonstration zwischendurch auf der Kippe stand. Die LLL-Demonstration führt normalerweise vom Frankfurter Tor zum Vorplatz der Gedenkstätte der Sozialisten im Berliner Friedrichsfelde. Im November hatte das Bezirksamt Lichtenberg erklärt, dass die Veranstaltung unter den aktuellen Bedingungen ein „nicht kalkulierbares Risiko“ sei, da Bauarbeiten den Friedhofsvorplatz blockieren. Dadurch wären auch die Info- und Handelsstände betroffen, so das Bezirksamt.
Die Polizei meldet hingegen „keine Versagensgründe“und bestätigt, dass weder die Demonstration noch das stille Gedenken auf dem Friedhof abgesagt wurden. Nach einer Ortsbegehung kündigte Stadträtin Filiz Keküllüoğlu (Grüne) an, dass die Veranstaltung möglich sei. Ende November bestätigte auch Ellen Brombacher vom LL-Bündnis, dass ein „sehr sachliches Gespräch“ mit der Polizei stattgefunden habe und die traditionelle Route voraussichtlich gelaufen werden könne.
2025: Schwere Verletzungen und Festnahmen
Dabei war die Demonstration zuletzt nicht nur ein Ausdruck von klassenkämpferischem Gedenken und Tradition, sondern auch ein Schauplatz von Polizeigewalt und Repression. Im vergangenen Jahr griff die Polizei den Demonstrationszug bereits nach wenigen Metern mit Schlagstöcken, Pfefferspray, Tritten und Schlägen an, riss Transparente herunter und nahm mehrere Personen fest. Mindestens zwei Demonstrierende wurden schwer verletzt, eine Person sogar bewusstlos geschlagen und später trotz Krankenhausaufenthalts in Gewahrsam genommen.
Festnahmen erfolgten unter anderem wegen angeblicher „illegaler Symbolik“, darunter ein rotes Dreieck, das von der Polizei als verbotenes Hamas-Symbol gewertet wurde. Auch Parolen wie „From the River to the Sea – Palestine will be Free“ wurden untersagt. Trotz der Angriffe blieb die Stimmung kämpferisch, und die Demonstration setzte ihren Weg bis zur Gedenkstätte der Sozialisten fort.
LLL-Wochenende 2025: Kämpferisches Gedenken trotzt Polizeigewalt
Demonstrierender vor Gericht
Die Repression endete im Jahr 2025 jedoch nicht mit dem Demonstrationszug, sondern setzte sich juristisch fort. Während Polizeigewalt nicht aufgearbeitet wurde, wurde ein Demonstrierender vor Gericht gezogen. Laut ihm und seiner Anwältin zielten Anklage und Vorgehen der Staatsanwaltschaft darauf ab, die Demonstration sowie den Widerstand gegen Polizeigewalt zu kriminalisieren und die Polizei als Opfer darzustellen. Die Anwältin schilderte massive, rechtswidrige Gewaltanwendung durch die Polizei und kritisierte, dass Gerichte solche Fragen häufig nicht aufklären. Das Verfahren wurde schließlich gegen Auflagen eingestellt.
LLL-Angeklagter im Interview über Repression und Solidarität in der Bewegung
Gleichzeitig zeigte sich eine breite solidarische Unterstützung: Prozessbegleitungen, öffentliche Solidarität und der Zusammenhalt auf der Straße machten deutlich, dass die Einschüchterungsversuche den politischen Protest nicht brechen konnten.
2024: Knochen- und Kieferbrüche sowie 16 Festnahmen
Auch im Jahr 2024 war die LLL-Demonstration mit rund 5.000 Teilnehmenden von einer massiven polizeilichen Eskalation überschattet. Auslöser war die Festnahme einer Person aus dem Palästina-Block wegen des Rufens der verbotenen Parole „From the River to the Sea, Palestine will be Free“. Als der Demonstrationszug anhielt und sich auch die vorderen Blöcke solidarisch zeigten, setzte die Polizei Pfefferspray und Schlagstöcke ein und griff die Demonstrierenden teils wahllos an.
Zahlreiche Menschen wurden verletzt, mehrere davon schwer. Berichten zufolge mussten bis zu 15 Personen im Krankenhaus behandelt werden, darunter Menschen mit Knochen- und Kieferbrüchen sowie eine Person mit Herzinfarkt. Insgesamt kam es zu 16 Festnahmen; außerdem wurde die Arbeit von Pressevertreter:innen massiv behindert.
Gleichzeitig zeigte sich eine starke kollektive Solidarität innerhalb der Demonstration. Die beteiligten Organisationen weigerten sich, den Zug ohne den angegriffenen hinteren Block fortzusetzen, wodurch die Polizei sich nach längerer Zeit zurückziehen musste. Die Demonstration konnte schließlich geschlossen bis zum Friedhof der Sozialist:innen weitergehen und dort im gemeinsamen Gedenken enden. Auch nach dem offiziellen Ende kam es jedoch zu weiterer Repression, als mehrere mutmaßliche Musiker:innen der Gruppe Grup Yorum festgenommen wurden.
Diesjährige LLL‑Demo im Kontext von Krieg und Sozialabbau
Die LLL-Demonstration 2026 steht nun erneut im Angesicht von Aufrüstung und Militarisierung, massivem Abbau des Sozialstaats, aufstrebendem Faschismus sowie der Eskalation imperialistischer Kriege, wie zuletzt durch die Angriffe der USA auf Venezuela zu beobachten. Zugleich ist es nun die dritte LLL-Demonstration, die während eines anhaltenden Genozids in Palästina stattfindet – auch dieses Jahr wird es deshalb wieder einen Palästina-Block geben.
Die Veranstaltenden haben die diesjährige Demonstration – nicht zuletzt wegen der Einführung des Wehrdienstgesetzes am 1. Januar 2026 – unter das Motto „Nie wieder kriegstüchtig! Stehen wir auf für Frieden!“ gesetzt. Der revolutionäre Block aus Bund der Kommunist:innen, der Roten Jugend und Perspektive Kommunismus hebt in seinem Aufruf die aktive revolutionäre Praxis gegen Kriegstreiberei und Repression nach innen hervor.
Der Kommunistische Aufbau ergänzt in seinem Aufruf, dass die aktuellen Angriffe des deutschen Imperialismus auf demokratische Rechte, Arbeitsbedingungen und soziale Systeme Teil einer internationalen Strategie der Aufrüstung und Repression seien. Er ruft dazu auf, der Repression zu trotzen, Solidarität zu zeigen und den Aufbau einer kommunistischen Partei als Grundlage für eine sozialistische Revolution voranzutreiben.

