Zeitung für Solidarität und Widerstand

Preiskampf vorbei: Lidl und Aldi ziehen Preise wieder an

Entgegen den Teuerungen der letzten Jahre lieferten sich bis zuletzt die Discounter Lidl und Aldi einen Preiskampf, um Kund:innen anzulocken. Das hat nun ein Ende. Mehr noch: Viele der Produkte sind nun teurer als zuvor.

In den Jahren von 2020 bis 2024 sind die Preise für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke in Deutschland um 32,8 Prozent gestiegen. Als Antwort darauf kündigten deutsche Discounter bei vielen Lebensmitteln eine Dauerpreissenkung an. Lidl reduzierte im Mai 2025 hunderte Preise, woraufhin andere Lebensmittelhändler nachzogen. Dieser Preiskampf führte bei vielen Produkten zu Tiefpreisen, die aber nicht lange standhielten.

Die Auswertung des Preisvergleichsunternehmens Smhaggle im Auftrag des Handelblatts ergab, dass viele Preissenkungen bei Lidl schon wieder aufgehoben wurden. Für die Untersuchung wurden mehr als 100.000 Kassenbons verglichen.

Mehr als ein Viertel der Produkte sollen demnach seit der Reduzierung erneut im Preis gestiegen sein. Durchschnittlich wurde ein allgemeiner Anstieg von ca. 3,9 Prozent nach der Aktion im Vergleich zu den Preisen vor der Aktion im Mai 2025 festgestellt.

Lebensmittelpreise: Kosten für Butter, Kaffee und Speiseöl explodieren

Dauertiefpreise als Marketingstrategie: Die „Lockware“

Entwicklungen wie diese sind keine Ausnahme, sondern gehören zur regulären Marketingstrategie von Discountern. Dabei ist auch wichtig zu beachten, was genau mit dauerhaften Preissenkungen gemeint ist.

Der Unternehmensberater für Discounter Marc Houpermans erklärt, eine Dauerpreissenkung bedeute grundlegend, dass das Angebot länger als eine Woche gilt. Sonderangebote enden meist nach einigen Tagen. Das heißt, der Preiskampf zwischen Discountern dreht sich nicht wirklich um den billigsten Preis. Vielmehr gehe es laut Houpermans darum, welcher Discounter „gefühlt“ der Preisführer sei.

Eine Auswertung der Tagesschau analysierte die Preisschwankungen verschiedener Lebensmittel in den Jahren 2024 und 2025. Das Ergebnis: Die Preise variierten zwischen den verschiedenen Warenkategorien wie Grundnahrungsmittel, Getränke, Obst und Gemüse. Während einige Produkte bis zu 20 Prozent billiger wurden, wurden andere bis zu 25 Prozent teurer.

So sanken 2025 vor allem die Preise von Butter, Olivenöl und Kartoffeln, also sogenannte „Lockware“. Laut Houpermans dienten diese dazu, „preissensible“ Kund:innen anzulocken. Hier unterbieten sich die Discounter in der niedrigsten Preisklasse, um Marktanteile bei Kund:innen mit niedrigem Einkommen für sich zu gewinnen.

Einer der wichtigsten Artikel ist dabei Butter. Sie ist für viele Konsument:innen ein unverzichtbares Grundnahrungsmittel. Ihr Preis gilt daher für viele als Indikator dafür, ob sie einen Discounter als günstig oder teuer sehen. Die Großhandelsketten senkten im Herbst 2025 die Butterpreise ihrer Eigenmarke gleich dreimal innerhalb von sechs Wochen, was zu einem Tiefpreis von 1,19 Euro führte. Dieser war zuletzt vor acht Jahren erreicht worden.

Mit Produkten wie Butter sollen also Kund:innen in den eigenen Markt gelockt werden, wo sie diese Ware billiger kaufen können. Bei anderen Produkten müssen sie dann jedoch spürbar mehr bezahlen. So stiegen im Gegensatz dazu die Preise bei Schokolade und Kaffee um rund 25 Prozent.

Aldi: Reichste Menschen Deutschlands erhöhen Preise bei 400 Artikeln – Tafel so „gefordert wie noch nie“

Für den allgemeinen Anstieg der Lebensmittelpreise machen Händler:innen und Hersteller:innen vor allem gestiegene Energie- und Rohstoffpreise verantwortlich. Offizielle Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen außerdem, wie sich Dürren und andere Folgen des Klimawandels auf die Ernte in Deutschland auswirken. So seien die Ernten 2024 und 2025 „sehr schlecht“ gewesen, sagt Christoph Freitag vom Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie.

Thomas Duso, der Vorsitzende der Monopolkommission, einem „Beratungsgremium“ der Bundesregierung, beschreibt die hohe Marktkonzentration und Preisaufschläge auf Lebensmittel als „besorgniserregend“. So kontrollieren die vier größten Einzelhändler Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe (Lidl/Kaufland) 85 Prozent des Lebensmittelmarktes.

Landwirt:innen und andere Produzent:innen sind auf den Großhandel für den Absatz ihrer Produkte angewiesen. Die Machtposition der Großhändler:innen führt dazu, dass Landwirt:innen und andere Hersteller:innen weniger an steigenden Preisen beteiligt werden, während die monopolistischen Großhändler zusätzlich Profite machen.

Inflation heißt Teuerung: Keine Entspannung bei Lebensmittelpreisen in Aussicht

Die Inflationsrate stand im November 2025 bei 2,3 Prozent. Sie ist in den letzen Monaten um wenige Prozentpunkte zurückgegangen. Doch die Produkte im Einzelhandel werden weiterhin teurer. Experten betonen hierbei, eine niedrigere Inflation heiße nicht, dass auch Preise zwangsläufig niedriger werden.

Das Ansteigen von Preisen ist tatsächlich ein Grundprinzip kapitalistischer Wirtschaftsweise. So legt die Bundesregierung in Abstimmung mit der Europäischen Zentralbank (EZB) die optimale Teuerungsrate (Inflationsrate) auf zwei Prozent fest. Soll heißen: Eine durchschnittliche Teuerung der Lebensmittel von zwei Prozent pro Jahr ist derzeit sogar erwünscht.

Unabhängig davon, ob die Inflationsrate über oder unter 2 Prozent liegt, bedeutet das massive Teuerungen in der Realität. So sind von 2019 bis 2024 die Wohnungsmieten durchschnittlich um ein Zehntel, Strom um ein Viertel, Erdgas um das Doppelte und Zucker sogar um mehr als das Zweifache teurer geworden. Die Löhne hingegen sind in dieser Zeit nicht entsprechend angestiegen.

Inflation: Ende gut, alles gut?

Im Kaufverhalten der Verbraucher:innen zeigt sich die aktuelle Verarmung großer Teile der Gesellschaft zum Beispiel durch den vermehrten Kauf von Eigenmarken und die gezielte Suche nach Sonderangeboten. Die Discounter profitieren vom Verkauf ihrer Hausmarken, weil sie davon keine Abgaben an Drittproduzenten abgeben müssen. Währenddessen können sich Kund:innen immer weniger hochwertige Produkte leisten.

Die Verbraucherzentrale prognostiziert für die kommende Zeit weitere Erhöhungen bei den Lebensmittelpreisen. Davon betroffen sind vor allem Menschen, die wenig Geld zur Verfügung haben. Die Verbandsvorsitzende Ramona Pop kritisiert, dass gesunde Ernährung immer mehr zu einer Frage des Geldbeutels werde. So verzichteten 2025 laut einer Umfrage 45 Prozent der Kund:innen auf bestimmte Produkte, weil ihnen der Preis zu hoch war.

Perspektive Online
Perspektive Onlinehttp://www.perspektive-online.net
Hier berichtet die Perspektive-Redaktion aktuell und unabhängig

MEHR LESEN

PERSPEKTIVE ONLINE
DIREKT AUF DEIN HANDY!